Internationaler Frauentag

"Es gibt oft Gewalt, die nicht gesehen wird"

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Viele Seniorinnen werden Opfer von Gewalt in der Partnerschaft - aber nur wenigen gelingt es, sich dagegen zu wehren. Zum Weltfrauentag informiert der Rhein-Neckar-Kreis über Hilfsangebote.

Gewalt gegen Frauen Interview (Foto: picture alliance | Britta Pedersen)

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz will das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises darauf aufmerksam machen, dass es für Frauen, die unter Gewalt zu leiden haben, viele Hilfsangebote gibt - ganz egal wie alt die Betroffenen sind. Auf welche Weise man sie unterstützen kann und warum Ältere es besonders schwer haben, sich aus einer gewaltgeprägten Beziehung zu befreien, darüber hat SWR Aktuell mit Eva Oliveira vom Deutschen Roten Kreuz in Heidelberg gesprochen.

SWR Aktuell: Wie viele ältere Frauen sind denn von Gewalt betroffen?

Eva Oliveira: Es gibt da keine genauen Zahlen. Wir gehen aber davon aus, dass rund zehn Prozent der Frauen in Partnerschaften zwischen 60 und 74 Jahren von körperlicher Gewalt betroffen sind. Bei psychischer Gewalt – also zum Beispiel in Form von verbalen Demütigungen und Beleidigungen - sollen die Zahlen bei rund 18 Prozent liegen. Wir gehen aber davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen noch weit höher sind, weil in dieser Altersgruppe auch eine gewisse Scham vorhanden ist, darüber zu sprechen, welche Probleme es zu Hause gibt.

SWR Aktuell: Sie haben das Thema psychische Gewalt angesprochen. Wie stark leiden betroffene Frauen denn unter solchen verbalen Angriffen?

Oliveira: Sie leiden schon sehr stark drunter - vor allem ist es auch so, dass das nicht erst in dem Alter beginnt. Die Frauen sind ja schon länger in einer gewaltsamen Partnerschaft, und mit zunehmendem Alter wird es natürlich auch noch schwerer für sie. Sie sind in dieser Partnerschaft gefangen. Man muss bedenken, dass Frauen in diesem Alter oft ihren Job in frühen Jahren aufgegeben haben, um auf die Kinder aufzupassen um in der Partnerschaft zu unterstützen. Das bedeutet, dass sie sich  im Normalfall auch  nicht trennen. Erstens, weil das in dieser Altersgruppe nicht als richtig angesehen wird und zweitens, weil sie finanziell vom Partner abhängig sind. Sie befinden sich in einer Spirale. Wir haben Opfer von Gewalt, die aber im Gegensatz zu jüngeren Frauen noch weniger in der Lage sind, sich von dieser Gewalt zu lösen.

SWR Aktuell: Wie kann man denn den Betroffenen ganz konkret helfen?

Oliveira: Es gibt eine Beratungsstelle im Rhein-Neckar-Kreis namens Lida. An die können sich Frauen wenden. Sollten sie sich tatsächlich dazu entscheiden, ihren Partner zu verlassen, werden die Beraterinnen ihnen helfen, finanzielle Unterstützung zu bekommen und eine Unterkunft in einer geschützten Wohnung zu finden. Der Kreisverband Mannheim des Deutschen Roten Kreuzes verfügt zurzeit über zwei Schutzwohnungen – und eine davon ist ans betreute Wohnen für Senioren angegliedert – also genau für diese Zielgruppe geeignet.

SWR Aktuell: Warum ist es wichtig, den Menschen dieses Thema nahezubringen?

Oliveira: Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass es dieses Problem gibt – und außerdem gibt es oft Gewalt, die nicht gesehen wird – oder man schaut weg. Das ist tatsächlich so. Wir wollen auch erreichen, dass man die Betroffenen auch selbst unterstützt damit es ihnen besser geht. Vor allem an einem Tag wie dem Weltfrauentag ist es wichtig, an die Lage der Frauen zu denken und an ihre Rechte.

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