EKG - Diagramm, Arzt zeigt auf Impuls-Spitzen in der Messung (Foto: SWR)

Leiter der Mannheimer Kardiologie

Prävention in der Herzmedizin ist ausbaufähig

STAND

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Der Mannheimer Kardiologe Daniel Dürschmied sieht beim Thema Vorsorge noch Nachholbedarf.

Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche kommen häufig vor. Bei anderen Krankheiten wird das Thema Vorsorge aber deutlich wichtiger genommen, sagt Daniel Dürschmied. Er leitet die Kardiologie am Universitätsklinikum in Mannheim.

SWR Aktuell: Gibt es solche Vorsorge-Untersuchungen für die Herzgesundheit nicht oder werden sie nur nicht angeboten?

Daniel Dürschmied: Ja, da gibt es tatsächlich noch einen großen Bedarf. Jetzt gibt es eine Reihe von verschiedenen Untersuchungen, die gemacht werden können. Sie werden aber nicht von den Kostenträgern, also von den Kassen standardmäßig übernommen, sondern nur bei Bedarf. Ich glaube, da ist tatsächlich noch großer Handlungsbedarf, insbesondere für die Politik. Sie hat da schon einen gewissen Gestaltungsspielraum.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Wenn jemand schon spezifisch von Beschwerden berichtet, dann muss man danach natürlich schauen. Das wird auch gemacht. Das wird auch von den Krankenkassen bezahlt. Aber wenn wir über Vorsorge sprechen, geht es insbesondere darum, wer wird möglicherweise mal ein Problem bekommen? Wie kann ich das vorhersagen, um gegebenenfalls dagegen vorzugehen?

Was könnte man zum Beispiel untersuchen, was nicht routinemäßig gemacht und auch nicht bezahlt wird, was mir helfen könnte, herauszufinden, ob ich eine Risikopatientin bin?

Ich finde, man muss unbedingt nicht nur das Gesamtcholesterin bestimmen in einer Blutentnahme. Das wäre so eine typische Leistung, die bezahlt wird. Aber es reicht eben nicht. Denn man muss die verschiedenen Lipid-Fraktionen messen, nicht nur das Gesamtcholesterin. Sondern eben auch das LDL-Cholesterin, das man häufig als schlechtes Cholesterin bezeichnet. Man müsste andere Fette bestimmen. Das wäre schon mal ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Diese Werte werden dann wiederum benutzt, um mit bestimmten "Scores" das Risiko vorhersagen zu können.

Wenn das aber routinemäßig nicht gemacht wird: Wie viele Herzinfarkte bleiben deshalb unerkannt oder passieren?

Eine Zahl kann ich nicht nennen. Aber allein schon durch die Bestimmung der Lipide könnte man sicherlich eine relevante Anzahl von Ereignissen - wie zum Beispiel auch tödliche Herzinfarkte - verhindern. Auch wenn ich jetzt keine konkrete Zahl nennen kann. Mir ist keine Untersuchung bekannt, die das mal ausgerechnet hätte. Das wäre aber vielleicht ein erster Schritt, den die Politik bräuchte, um hier tätig zu werden.

Es gibt noch eine ganz andere Form der Vorsorge, nämlich gesund leben. Was können wir da tun, um unser Herz glücklich zu machen?

An erster Stelle steht der gesunde Lebenswandel. Die meisten wissen, was damit gemeint ist, nämlich, dass man nie rauchen darf. Das ist ganz wichtig. Dass man ein ideales Körpergewicht anstreben soll. Es reicht also nicht, wenn man übergewichtig ist, dass man sagt: "Nächstes Jahr will ich mal ein Kilo abnehmen." Sondern es geht schon darum, das ideale Körpergewicht anzustreben, also einen Body Mass Index von unter 25 anzustreben. Es gehört dazu: Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Aus meiner Sicht sollten die Blutfette im Blick behalten werden. Sie zu kennen, ist der erste Schritt. Und dann, wenn es sein muss, mit Medikamenten dagegen vorzugehen und sie optimal einzustellen. Die Blutfette sind ein wichtiger Punkt.

Trierer "Herz-Heldin" Herzspezialistin Enise Lauterbach: App für ein schöneres Leben von Herzkranken

Herzspezialistin Enise Lauterbach arbeitet dafür, das deutsche Gesundheitssystem patientenfreundlicher zu machen. Dafür entwickelt sie mit ihrem Start-Up Apps wie "Herz-Held".  mehr...

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Wenn das Herz einfach dicht macht Was Sie über den Herzinfarkt wissen müssen

Rund 70.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an einem plötzlichen Herztod, davon 46.000 an den Folgen eines Herzinfarkts.  mehr...

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Jetzt die SWR Aktuell App runterladen Nachrichten aus Mannheim, Heidelberg oder dem Odenwald aufs Handy

Die SWR Aktuell App bringt Ihnen kurz und knapp alles Wichtige auf Ihr Smartphone. Sie bekommen jetzt auch gezielt Nachrichten aus Mannheim, Heidelberg und dem gesamten Umkreis. So funktioniert's:  mehr...

STAND
AUTOR/IN