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Der aktuelle Diskurs in Deutschland zu muslimischen Migranten und Antisemitismus ist aufgeladen. Jetzt haben 22 jüdische und muslimische Gruppen in Deutschland eine Initiative für ein friedliches Miteinander gestartet.

"Herzlichen Willkommen zu Mekka und Jerusalem" - so begrüßt die 25-jährige Beyza Arslan die Hörerinnen und Hörer ihres Podcast. Arslan arbeitet an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, sie ist Muslima. Die Themen ihres Podcasts sind vielfältig, es geht um Essen, Philosophie und Politik. Die junge Frau spricht immer sowohl mit jüdischen als auch muslimischen Menschen.

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"Wir möchten beiden Communitys zeigen: Beide Meinungen sind uns wichtig. Es ist absolut in Ordnung, wenn wir bei ein paar Themen nicht der gleichen Meinung sind, wir können trotzdem miteinander umgehen." Der Podcast ist ein Projekt des Heidelberger Bündnisses für Jüdisch-Muslimische Beziehungen. Gemeinsam mit 22 weiteren Initiativen hat das Bündnis sie einen offen Brief geschrieben. Die Botschaft: "Wir lassen uns nicht trennen".

"Wir möchten nicht, dass antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus weiterverbreitet werden. Das ist inakzeptabel in Deutschland."

Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Problem

Der aktuellen Diskurs in Deutschland zu muslimischen Migrantinnen und Migranten und Antisemitismus ist aufgeladen. So hat das CDU-Bundespräsidium von "eingewanderter Judenfeindlichkeit" gesprochen. Zudem haben sich seit der Eskalation im Nahen Osten antisemitische Vorfälle in Deutschland und in Baden-Württemberg gehäuft.

Empirisch lasse sich die Vorstellung, Antisemitismus sei primär ein Importprodukt, nicht halten, so Sina Arnold vom Zentrum für Antisemitismusforschung. "Diejenigen, die hierher kommen aus - in dem Fall - arabischen Ländern, die bringen auch antisemitische Bilder mit sich." Sie brächten diese auch in eine Gesellschaft, in der diese Bilder auch schon vorhanden sind, so Arnold. Man dürfe weder Verharmlosen, dass es Antisemitismus auch unter Migrantinnen und Migranten gibt, noch verharmlosen, dass es ihn auch in der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund gibt.

Antisemitismus als ein gesamtgesellschaftliches Problem - so sieht es die 23-jährige Hanna Veiler, Vorsitzende der jüdischen Studierendenunion Württemberg. "Gerade in Deutschland zu sagen, dass der ganze Antisemitismus importiert sei, finde ich einfach nicht richtig. Stattdessen sollte man sich lieber mit dem Antisemitismusproblem beschäftigen, dass es hier seit Jahrhunderten, seit Jahrtausenden gibt", so Veiler. Auch sie hat, wie Beyza Arslan, den offenen Brief unterschrieben.

Rund 90 Prozent der Straften im rechten Spektrum

Die baden-württembergische Polizei hat seit 2016 insgesamt 795 antisemitische Straftaten registriert. Ausländischen und religiösen Ideologien schreibt sie davon rund 3 Prozent zu. Im Vergleich: Dem rechten Spektrum schreibt die Polizei 91 Prozent zu.

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