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Die Nachfrage nach Corona-Impfterminen geht in der Rhein-Neckar-Region zurück. Zum Beispiel auch im Impfzentrum des Rhein-Neckar-Kreises in Heidelberg. Ein Arzt, der dort im Einsatz ist, hat eine Vermutung, woran das liegen könnte.

Im Kreis-Impfzentrum im Heidelberger Stadtteil Pfaffengrund wurden jetzt wegen des nachlassenden Interesses an Impfungen zwei Impf-Ärzte freigestellt. Einer, der dort noch regelmäßig im Einsatz ist, ist Dr. Stephan Lorenz.

SWR Aktuell: Was ist bei Ihnen im Impfzentrum noch los?

Stephan Lorenz: Sehr viel weniger als vorher. Der Rückgang der Nachfrage ist nicht so dramatisch wie in anderen Impfzentren, von denen ich gehört habe, aber die Nachfrage ist sehr, sehr stark zurückgegangen. Zum Beispiel am Montag: Da hatten wir um die 700 Impflinge noch für diese Woche, am Dienstag war es etwa die Hälfte, und gestern (Mittwoch) gabs nur noch 70 vergebene Termine. Das ist sehr frustrierend. Das ist furchtbar, wenn man da rumsitzt und es kommt keiner. Man wartet dann und liest Zeitungen. Und man ist ja eigentlich dahin gekommen, um Gespräche zu führen und zu impfen. Das gefällt uns allen überhaupt nicht. Wir müssen uns auch unnötigerweise reduzieren. Wir waren zum Beispiel an einem Tag (Mittwoch) eigentlich sieben Ärzte. Weil aber so wenig Leute kamen, haben wir gesagt: Okay, da kann jetzt die Hälfte heimgehen.

SWR Aktuell: Haben Sie eine Erklärung für diesen drastischen Rückgang?

Stephan Lorenz: Ja. Ich glaube, die älteren Leute sind halt zum großen Teil schon geimpft - zumindest die, die sich impfen lassen möchten und können. Bei den Jüngeren habe ich den Eindruck, dass der Informationsfluss noch recht schlecht ist. Von denen lesen nicht alle Zeitung. Die müssen aber wissen, dass sie jetzt zum impfen kommen können, wann auch immer sie wollen, jeden Tag von 8 bis 19 Uhr, von Montag bis Samstag.

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SWR Aktuell: Jetzt hat der Rhein-Neckar-Kreis die Meldung herausgegeben, dass sich ab sofort auch Kinder und Jugendliche ab 12 impfen lassen können. Würden Sie das auch machen?

Stephan Lorenz: Ja. Wir impfen auch Kinder ab zwölf nach einer ausführlichen ärztlichen Aufklärung und unter Abwägung von Nutzen und Risiko. Es ist ja zu beachten, dass das noch nicht die Stiko-Empfehlung ist. Aber es ist möglich, weil die Stiko-Empfehlung gilt ja für Kinder mit erhöhtem Risiko, das heißt mit Adipositas und anderen Erkrankungen, die einen schwereren Covid-19-Krankheitsverlauf wahrscheinlich machen würden. Die anderen können sich impfen lassen. Sie haben auch einen Anspruch auf die Impfung und werden bei uns auch nicht abgewiesen.

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SWR Aktuell: Was passiert mit dem Impfstoff, wenn der nicht verwendet wird? Wie lange hält der und was macht man damit?

Stephan Lorenz: Der hält sich natürlich immer nur begrenzt und wenn er jetzt bei uns nicht abgerufen werden würde, dann versuchen wir, die Impfdosen zwischen den Impfzentren so zu verteilen, dass die größtmögliche Chance besteht, sie zu verimpfen - solange die Dosen noch haltbar sind. Das machen wir zum Beispiel auch in Zusammenarbeit mit dem Zentralen Impfzentrum. Das ist das zweite Heidelberger Impfzentrum im Patrick-Henry-Village. Da werden die Impfdosen ausgetauscht, um zu verhindern, dass man irgendwelche Dosen wegen des Ablaufs des Haltbarkeits-Datums wegwerfen muss. Das funktioniert leidlich. Wir haben tatsächlich jetzt einen Austausch gehabt mit Moderna-Impfdosen. Aber es funktioniert sicherlich nicht in jedem Fall.

SWR Aktuell: Das heißt, es werden auch Impfdosen weggeworfen?

Stephan Lorenz: Wenn sie abgelaufen sind, müssen sie weggeworfen werden, schweren Herzens. Das kommt sicherlich auch mal vor.

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