Christiane Gund (Foto: SWR)

44-Jährige hätte nicht geimpft werden dürfen

Extrem seltene Komplikation durch AstraZeneca: Frau aus Sandhausen wäre fast gestorben

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Christiane Gund aus Sandhausen (Rhein-Neckar-Kreis) erlitt nach der Impfung mit AstraZeneca eine schwere Hirnvenenthrombose und wäre fast gestorben. Nun geht es ihr besser. Allerdings hätte sie nie geimpft werden dürfen.

Christiane Gund hat auf der einen Seite ihres Schädels keinen Knochen mehr, sondern ein Schaumplastik-Implantat. Vor fast genau einem Jahr erlitt sie nach ihrer Corona-Impfung mit AstraZeneca eine lebensgefährliche Hirnvenenthrombose. Denn die 44-Jährige hat eine angeborene Blutgerinnungsstörung. Mit dieser – so weiß man heute – hätte sie niemals mit AstraZeneca geimpft werden dürfen.

Extrem seltene Komplikation

Inzwischen geht es Christiane Gund besser, sie ist doppelt geimpft - mit BioNTech. Auf die Debatte um die Impfpflicht, mit der sich auch der Bundestag aktuell befasst, blickt sie aber verständlicherweise mit gemischten Gefühlen. Sie sagt, man müsse das gut abwägen und eine Impfpflicht müsse einfach gut begründet und gut recherchiert sein, so dass nichts mehr passieren könne.

"Was mir passiert ist, darf nicht mehr passieren. Punkt."

Wenige Stunden am Tag arbeiten

Christiane Gund arbeitet inzwischen wieder in ihrer eigenen Praxis für Physiotherapie in Sandhausen. Eigentlich ist sie selbst noch nicht wieder ganz gesund, doch ihre Patienten brauchen sie. Die 44-Jährige arbeitet nur ein paar Stunden täglich. Das geht wieder. Auch weil sie inzwischen durchgeimpft ist.


"Man hatte mir die Rente angeraten, ich bin das nicht. Ich wollte zu meinen Patienten, ich bin gern Therapeutin. Sobald ich am Patienten stehe, habe ich gar nichts.

Narben an Kopf und Seele

Nach ihrer schweren Impfreaktion wurde ihr bei einer Not-Operation ein Teil der Schädeldecke entfernt und damit das Leben gerettet. Seit fünf Monaten hat sie nun ein Plastik-Implantat.

Trotz all dem war für sie klar: Sobald sie kann, lässt sie sich mit BioNTech impfen. Nicht einfach. Denn obwohl sie eine Freigabe der Klinik bekam, wollte kein Arzt sie impfen. Sie vermutet, dass mit ihrer Vorgeschichte vielen das Risiko zu groß war. Am Ende war die Kinderärztin ihrer Töchter die Einzige, die dazu bereit war.

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Die Familie ist noch enger zusammengewachsen.

Die drei Töchter von Christiane Gund, Hannah (18), Helena (15) und Annika (13) sowie ihr Mann Michael sind inzwischen auch durchgeimpft. Weil die Mädchen dieselbe Blutgerinnungsstörung wie ihre Mutter haben, wurden sie gleich mit BioNTech geimpft. Alle haben die Impfung gut vertragen.

"Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es mit BioNTech wahrscheinlich nie so weit gekommen wäre."

Belastende Reaktionen von Impfgegnern

Was Christiane Gund allerdings belastet, sind die Briefe, Mails und Posts in den sozialen Medien, die sie nun regelmäßig bekommt. Vor allem von Impfgegnern.

In diesen Nachrichten wird sie bedrängt, ihre Kinder auf keinen Fall impfen zu lassen, dass Impfen ein einziger großer Schwindel sei und Corona ein Hirngespinst. Christiane Gund fühlt sich von diesen Impfgegnern benutzt, die in den sozialen Medien ihre Geschichte teilen und sie vor ihren Karren spannen wollen.

"Mir ist das passiert. Das war blöd. Pech gehabt. Aber wenn man dann nur noch negativ bekommt, das braucht man in dieser Situation nicht."

Von einer allgemeinen Impfpflicht, wie sie im Moment diskutiert wird, hält sie jedoch nichts. Noch ist nicht alles wieder wie früher im Leben von Christiane Gund. Sie hat nach der Hirn-OP vieles mühsam neu lernen müssen. Jeden Tag schafft sie ein bisschen mehr. Fest entschlossen ganz gesund zu werden.

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