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Die aktuellen Ereignisse erinnern an das Hochwasser der Flüsse Schwarzbach und Elsenz in der Kurpfalz. Gerold Werner ist Zeitzeuge und in einem Verband, der sowas verhindern will.

Gerold Werner erinnert sich noch gut daran, als die beiden Flüsse Schwarzbach und Elsenz in der Region Kurpfalz über die Ufer getreten sind und alles verwüstet haben. Auch damals gab es Todesopfer. Nach diesem schrecklichen Ereignis hat sich der Hochwasserschutz-Zweckverband Schwarzbach Elsenz gegründet. Und Gerold Werner ist der Geschäftsführer. 30 Gemeinden sind Mitglieder, alles Orte im Schwarzbachtal und an der Elsenz.

SWR Aktuell: Sie waren ja damals bei dem Hochwasser 1993/94 auch mit dabei und haben das live miterlebt. Wenn Sie jetzt die Bilder aus Nordrhein-Westfalen und aus Rheinland-Pfalz sehen, was kommt da in Ihnen hoch?

Gerold Werner, Geschäftsführer des Hochwasserschutz-Zweckverbands Schwarzbach Elsenz: Ja, man muss wirklich sagen: Es gibt viele Parallelen jetzt, weil wir auch nicht an einem großen Fluss liegen wie Neckar und Rhein. Wir haben mehrere kleine Bäche, wo sich die Brücke zugesetzt hat, oder wo Häuser geflutet worden sind. Und ganze Ortskerne, wo 20 oder 30 Häuser auf einmal zwei Meter hoch unter Wasser standen. Das Schlimmste ist jetzt diese Information bei dem aktuellen Hochwasser, wie viele Todesopfer es gegeben hat. Bei unserem Hochwasser 1994 gab es auch zwei Todesfälle. Wenn man dann weiß, wie sich das zugetragen hat und was vermeidbar gewesen wäre, nimmt das einen doch schon mit.

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Welche Maßnahmen wurden denn nach diesen Erkenntnissen aus 1993/94 inzwischen ergriffen?

Das Konzept sieht ja vor, zwei Dinge zu machen: Einmal innerhalb dieser Ortsmitten das Gewässer zu verbreitern, zu vergrößern, für guten Durchfluss zu sorgen. Der andere Punkt ist, zwischen den Gemeinden immer die Lagen auszunutzen, wo Hochwasserrückhaltebecken eingebaut werden können. Es ist ganz wichtig, an den kleinen Gewässern schon die Rückhaltung so zu betreiben, dass man ein Wasser, das in einer halben Stunde als Regen massiv runterfällt, über mehrere Stunden verteilt und dann erst durch die Ortschaften wieder weiter ableitet. Das ist der Sinn von den Hochwasserrückhaltebecken.

Wenn ein starkes Unwetter beispielsweise im Elsenztal runterkommen würde, wie gehen Sie da vor? Wer ist dafür zuständig, um das alles zu organisieren?

Von der Zentrale her sind wir in Waibstadt zuständig. Aber die ganzen Hochwasserrückhaltebecken sind ja weiträumig verteilt. Deswegen haben wir in jeder Gemeinde zu jedem Hochwasserrückhaltebecken passend auch einen sogenannten Stauwärter. Diese kontrollieren und betreiben die Hochwasserschutzanlage vor Ort und können diese notwendige Kontrolle durchführen. Dass die richtige Wassermenge einmal zurückgehalten wird, aber auch die notwendige Wassermenge - ich sag mal „Oberkante-Unterlippe“ - weiter abgeführt wird.

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Wenn so ein Unwetter wie jetzt dieser Tage in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz bei uns herunterkommen würde, wären Sie vorbereitet? Würden das die Rückhaltebecken schaffen?

Das wäre jetzt eine mathematische Frage, ob sie das von der Literzahl und vom Abschluss her leisten könnten. Vom Hochwasserschutzkonzept ist es vorgesehen, dass wir einen hundertjährlichen Regen zurückhalten können. Es gibt ganz unterschiedliche Voraussetzungen: Ist es ein langfristiger Regen und der Boden nimmt noch was auf? Oder ist es eine Schneeschmelze und da fällt noch Regen drauf? Das ist jetzt schwer zu sagen, ob unsere Anlagen das packen würden. Auf jeden Fall sind wir heute besser vorbereitet als damals 1994, als es uns getroffen hat.

Schauen wir mal in die Zukunft: Zwingt uns der Klimawandel mit diesen Wetterphänomenen, dass wir unseren Hochwasserschutz nochmal verbessern müssen?

Klare Antwort ist ein „Ja!“. Wir müssen daran arbeiten, die Hochwasserschutzmaßnahmen voranzubringen. Wir haben auch in den letzten Jahrzehnten immer wieder die Fehler gemacht, dass man die Bäche eng gemacht hat. Dann ist es klar, dass bei Hochwasser der Platz, der Raum fehlt. Natürliche Retentionsräume wurden gebaut. Industriegebiete, Wohnbaugebiete in Bachauen: Das sind alles so Entwicklungen, die zu dieser Zeit auch richtig waren, in der sie gemacht wurden. Aber in der Zwischenzeit muss man die verbliebenen, restlichen Retentionsräume auf jeden Fall aufrechterhalten. Man muss ja auch sehen: Man baut künstlichen Retentionsraum durch Hochwasserrückhaltebecken für viel Geld. Dann sollten wir auch in gleicher Weise natürliche Retentionsräume, die noch existieren, beibehalten. Weil, was man nicht zubaut in der Fläche, das muss man auch nicht künstlich dann wieder zurückhalten.

Das heißt: Da gehen Sie jetzt auch ran? Das ist das Thema der nächsten Jahre?

Ja, unser Hochwasserschutzkonzept sieht es vor, dass wir eben nicht nur Hochwasserrückhaltungen bauen, sondern dass man auch diese Gewässeraufweitungen in den Ortschaften machen. Ausgelegt darauf, dass man starke Niederschläge dann schadlos durch die Ortschaften durchleiten kann und solche Katastrophe ausbleiben.

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