Passivhausfassade in der Bahnstadt (Foto: SWR)

Bauen für die Zukunft

Hitzegerechtes Bauen – in der Bahnstadt Heidelberg missglückt, in anderen Städten geglückt?

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Hitze, Dürre, Flut - Städteplaner und Politiker müssen den Klimawandel bei Baumaßnahmen mehr berücksichtigen und zur Verbesserung der kleinklimatischen Bedingungen beitragen.

Morgens, zehn Uhr in der Bahnstadt Heidelberg. Die aufgestaute Hitze der letzten Tage lässt die Oberflächen und Straßen flimmern. Im nahezu ganzen Stadtvierteil sind die Jalousien und Rollläden unten. So auch bei Volker Haag. Der Rentner wohnt seit 2014 in einer Erdgeschoss-Wohnung. Ohne die hausinterne Lüftung und nächtliches Lüften geht nichts.

"Wenn es länger so heißt bleibt, dann wird es hier drin jeden Tag ein Grad wärmer und dann wird’s ungemütlich."

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Die Bahnstadt: ein Öko-Viertel mit Defiziten

Etwa 5.800 Menschen wohnen in der Heidelberger Bahnstadt. Eine der größten Passivhaussiedlungen der Welt ist dicht bebaut. Es gibt wenig Schatten und die hellen Gebäude leiten Wärmestrahlung auf Plätze und Straßen. Anwohner klagen im Sommer, dass die Häuser die Wärme speichern dank gut isolierter Wände und dreifach verglaster Fenster. Die Stadt Heidelberg will nachrüsten.

Heidelberg wappnet sich gegen Hitzewellen. Forschung und Stadtverwaltung erarbeiten Maßnahmen zur Hitzeminderung, um die Bevölkerung besser vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen. Mehr dazu hier: https://t.co/SLNFpwc5f7

Zu viel Beton, zu wenig Bäume

Die Geografin Kathrin Foshag hat 2018 schon herausgefunden, dass die Schwetzinger Terrasse in der Bahnstadt um mindestens 0,2 Grad wärmer ist als die ebenfalls versiegelte Altstadt. Lothar Binding vom Mieterverein Heidelberg kritisiert die planerischen Defizite und findet, man habe sich zu sehr nur auf den Punkt der größten Passivhaussiedlung der Welt fokussiert.

"Es gibt wenig Grün, wenig Dachbegrünung. Es gibt eine große Versieglung. Es gibt zwar Wasserspiele, aber auf Beton."

Klimawäldchen – die Stadt forstet nach

Abhilfe soll irgendwann unter anderem das im April eingeweihte Klimawäldchen im Spitzgewann schaffen. Doch die über 70 Bäume, Blühsträucher & Co. können jetzt noch nicht das Mikroklima des Stadtteils verbessern. Bereits jetzt wird auch geklagt, dass das Klimawäldchen rund 150 Meter außerhalb und rund vier Meter tiefer ist, und somit die dort generierte Luft es gar nicht in die Bahnstadt schaffen kann.

Hitzegerechtes Bauen: Calwer Passage in Stuttgart

Begrünte Fassaden und Dächer senken die Temperaturen bei Hitze an der Fassade und im Gebäude selbst. Zudem binden Pflanzen Staub und Luftschadstoffe und speichern Regen. Die neue Calwer Passage in Stuttgart ist in diesem Sinne ein Vorzeigegebäude. 41 verschiedene Pflanzen in 2000 Trögen wurden an einer Fassadenseite verpflanzt. Obendrauf wächst ein Mini-Mischwald. Bei Hitze werden die Pflanzen durch Tropfbewässerung gegossen.

"Wenn man in das Substrat fasst, merkt man, dass es feucht ist, und dass es kühler ist im Vergleich zur Umgebungstemperatur."

Florian Starz war für die spezielle Herausforderung der Begrünung zuständig. Er wünscht sich, dass die Kühlung, die an den Pflanzen direkt funktioniert, auch im großen Stil auf das ganze Gebäude sich auswirkt. Laut Experten kann eine Stein- und Glasfassade sich auf bis 80 Grad aufheizen – eine begrünte auf maximal 40.

Schwammstadt – eine ökologische Regenwasser-Bewirtschaftung

Wie kann man in den Städten die extreme Hitze reduzieren? Eine Idee ist auch die sogenannte Schwammstadt. Die Grundidee ist, dass das Niederschlagswasser lokal aufgenommen und gespeichert wird – wie ein Schwamm – anstatt es in die Kanalisation abfließen zu lassen. Im neuen Wohngebiet "Wohnen am Illerpark" in Neu-Ulm werden kleine Kanäle und Mulden angelegt, über die in Zukunft das Regenwasser versickern soll.

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