Mutter sitzt am Tisch, Kind daneben auf Stuhl (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)

Landesregierung kündigt milliardenschweres Hilfsprogramm an

Kitas, Jugendhilfe, minderjährige Mütter: Soziale Träger in Mannheim hoffen auf Hilfe

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Wolfgang Kessel

Soziale Hilfseinrichtungen leiden derzeit besonders unter den steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten. Mehrere soziale Träger in Mannheim schöpfen jetzt etwas Hoffnung.

Hoffnung macht vielen Einrichtungen unter anderem in Mannheim eine Ankündigung, die die baden-württembergische Landesregierung am Dienstag gemacht hat. Demnach will sie ein Hilfsprogramm in die Wege leiten, wovon unter anderem mittelständische Firmen, aber auch soziale Träger profitieren sollen. Das teilte am Mittwochabend Ulf Hartmann, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands (Der Paritätische) Baden-Württemberg, in Mannheim mit.

Landeshilfsprogramm: Rund 1,2 Milliarden Euro

Hartmanns Angaben zufolge hat das Programm ein Volumen von rund 1,2 Milliarden Euro. Wie viel wer konkret davon bekommt, ist noch unklar. Das soll laut Hartmann eine Arbeitsgruppe der Landesregierung ausarbeiten.

Andrea Knerr (Foto: SWR)
Andrea Knerr

Soziale Träger in Mannheim hoffen, "dass wir was abbekommen"

Andrea Knerr ist Geschäftsführerin eines Kinder- und Jugendhilfezentrums der Familie Wespinstift-Stiftung in Mannheim.

"Wir haben die Hoffnung, dass wir von dem Geld irgendwas abbekommen, damit wir uns da wirklich retten können."

Laut Andrea Knerr sind die Kassen ihrer Einrichtung klammer denn je. Corona hat daran einen Anteil, Personal sei teuer und zudem immer schwerer zu finden - und jetzt noch die hohen Lebenshaltungskosten. Belastungen, die zum Beispiel im Mutter-Kind-Haus ihrer Einrichtung immer spürbarer werden.

"Es sind oft minderjährige Mütter, die keinen festen Wohnsitz haben und nicht bei ihren Eltern bleiben können. Da merken wir die Lebensmittelkosten-Steigerungen - also für die Baby-Ausstattung, für die Nahrung [...]."

Mutter-Kind-Haus Mannheim: Nicht einfach Heizung runterdrehen

In dem Mutter-Kind-Haus könne man auch nicht einfach die Heiz-Temperatur reduzieren. Gleiches gilt zum Beispiel auch für Spezialkindergärten in Mannheim, in denen mehrfach-schwerst-behinderte Kinder betreut werden.

Petra Röder in Mannheim (Foto: SWR)
Petra Röder

Weniger heizen: Gefahr für schwerst-behinderte Kinder

Petra Röder, Geschäftsführerin der Reha Südwest Regenbogen gGmbH Mannheim, erklärt, die Kinder spielten oft auf dem Boden der Einrichtung oder könnten sich gar nicht bewegen und würden speziell gelagert, da könne man nicht einfach weniger heizen. Das sei für diese Kinder eine Gefahr für die Gesundheit.

Heizkosten-Nachzahlung: "Drei oder vier Mal so viel wie sonst"

Mit Sorge blickt sie aufs kommende Frühjahr. Dann erwartet sie eine hohe Heizkosten-Nachzahlung - "etwa das drei- bis vierfache von dem, was wir bisher bezahlt haben." Bei den Kindertageseinrichtungen ihres Trägers werde man die Beiträge erhöhen müssen. Daran, so Röder, führe wohl nichts vorbei. Die Eltern seien darüber auch bereits informiert.

Höhere Kosten für Strom und Wärme bedrohen soziale Dienste

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemverg zitiert im Internet eine bundesweite Umfrage des Paritätischen Gesamtverbands unter seinen Mitgliedsorganisationen. Demnach sehen "90 Prozent der befragten sozialen Einrichtungen und Dienste aufgrund der Kostensteigerungen im Bereich Strom und Wärme ihre Einrichtung gefährdet." Rund zehn Prozent der über 1.300 befragten Träger kamen laut der Umfrage aus Baden-Württemberg - vorwiegend aus der Kinder- und Jugendhilfe, Altenhilfe, Behindertenhilfe, Sozialpsychiatrie, aber auch Kitas, Schulträger, Beratungsstellen und Beschäftigungsunternehmen.

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