Coronabedingte Absperrrung an der Heidelberger Neckarwiese (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Nach Randale an Pfingsten

Nächtliches Aufenthaltsverbot für die Heidelberger Neckarwiese

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Nach den Ausschreitungen feiernder Jugendlicher auf der Heidelberger Neckarwiese gilt seit Donnerstag ein nächtliches Aufenthaltsverbot für den Bereich.

Durch die nächtliche Sperrung sollen Ausschreitungen wie am Pfingstwochenende verhindert werden. Die Polizei kontrolliert mit verstärkter Präsenz.

Verbot gilt von 22 Uhr bis 6 Uhr

Das Aufenthaltsverbot auf der Neckarwiese ist durch eine Allgemeinverfügung geregelt. Ab Sonntag gilt es erst ab 22 Uhr, da die Corona-Landesverordnung einen weiteren Öffnungsschritt erlaubt.

Ab Samstag, 29. Mai, gibt es eine Änderung beim Beginn des nächtlichen Aufenthaltsverbots auf der #Neckarwiese: Da #Heidelberg den zweiten Öffnungsschritt nach der #Corona-Verordnung des Landes machen darf, greift das Verbot nun ab 22 Uhr. Mehr dazu: https://t.co/YEGGK8POVI

In der kommenden Woche gilt das Verbot dann von Mittwochabend, den 2. Juni bis Montagfrüh, den 7. Juni.

+++ Nächtliches Aufenthaltsverbot auf der Neckarwiese +++
❌ Stadt und Polizei dulden keinen Krawalltourismus ❌

In Folge...Posted by Polizei Mannheim on Tuesday, May 25, 2021

Spazieren ist erlaubt

Während des Aufenthaltsverbots ist es verboten, sich auf der Wiese niederzulassen, dort zu lagern oder zu verteilen. Auch die Sitzbänke dürfen laut Stadt nicht benutzt werden. Joggen, spazieren oder den Hund ausführen sei auch während des Aufenthaltsverbots möglich.
 

Störer aus dem Umland angereist

Die Stadt Heidelberg wird auch individuelle Aufenthaltsverbote für Neckarwiese und Altstadt gegen die Störer aussprechen, deren Personalien bei den Ausschreitungen am vergangenen Wochenende aufgenommen wurden. Nach bisherigen Erkenntnissen sei ein Großteil der Randalierer aus einem weiten Umkreis nach Heidelberg angereist.   

Neckarwiese Heidelberg (Foto: SWR)
Fast menschenleere Neckarwiese in Heidelberg.

Junges Publikum aus dem Umland

Laut einem der beiden Heidelberger Nachtbürgermeister, Jimmy Kneipp, war es ein junges Publikum, das am Wochenende in die Stadt gekommen ist. In vielen anderen Städten und Gemeinden gab es noch keine Lockerungen.

„Heidelberg wurde ein bisschen überrannt am Wochenende vom Umland.“  

Bis zu 1.000 Jugendliche hatten an Pfingsten auf der Wiese gefeiert, bis die Stimmung kippte. Die Polizei wollte die Party auflösen und es kam zu Ausschreitungen.

Beschädigungen und verletzte Polizisten

Die Randalierer bewarfen Polizisten und deren Autos mit Flaschen. Sie beschädigten eine Toilettenanlage, Parkbänke, Tische, einen Verkaufsstand und ein Corona-Testzelt. Ermutigt wurden sie von mehreren hundert Umstehenden. Ein Großaufgebot an Einsatzkräften löste die Feier schließlich auf. Drei Polizeibeamte wurden verletzt und acht Dienstfahrzeuge beschädigt.

Gegen die Randalierer wird wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe eingerichtet und wertet Bildmaterial aus.

👮‍♀️ Ausschreitungen auf der Heidelberger Neckarwiese 👮
+++ 🗣 Portal für anonyme Hinweise eingerichtet 🗣 +++

Unsere...Posted by Polizei Mannheim on Sunday, May 23, 2021

Alkohol verbieten?

Polizei und Stadt wollen gemeinsam erneute Ausschreitungen verhindern. Das nächtliche Aufenthaltsverbot sei der erste Schritt.

"Wir werden nicht zulassen, dass sich solche Szenen in Heidelberg wiederholen."

Falls erforderlich, könnte es weitere Maßnahmen geben - auch ein Alkoholkonsumverbot für die Neckarwiese sei denkbar, sagt Heidelbergs Ordnungsbürgermeister Wolfgang Erichson.

Auch der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer, schlug ein Alkoholverbot auf der Neckarwiese vor. Ein Aufenthaltsverbot allein, wie es die Stadt nun erlassen habe, sei nicht die Lösung.

Innenminister verurteilt Randale scharf

Für Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl ist das, "was einige in Heidelberg veranstaltet haben, völlig unverständlich und absolut inakzeptabel. Mit Ignoranz wurden in Heidelberg Freiheiten bewusst mit Füßen getreten und gegenüber der Polizei mit aggressiven Verhalten und Gewalt missbraucht", so Strobl.

Innenminister will für Ordnung sorgen

Laut dem baden-württembergischen Innenminister werden Stadt und Polizei dafür sorgen, dass die Neckarwiese für alle ein Ort der friedlichen und sicheren Begegnung bleibe. "Das lassen wir uns von ein paar Prolls nicht nehmen“, so Innenminister Thomas Strobl.

Entspannung durch Corona-Lockerungen im Umland?

Polizeisprecher Christopher Weselek hofft darauf, dass die Corona-Lockerungen rund um Heidelberg die Sogwirkung nehmen und sich nicht mehr alles auf die Stadt mit ihren niedrigen Inzidenzzahlen konzentriert.

Nachtbürgermeister: Konzepte fürs Feiern

Heidelbergs Nachtbürgermeister Jimmy Kneipp äußert Verständnis dafür, dass die Menschen wieder raus gehen und feiern wollen. Die Neckarwiese dauerhaft zu sperren, ist für ihn keine langfristige Lösung. Kurzfristig gehe es aber nicht anders, so Kneipp.

Jimmy Kneipp und Daniel Adler (Foto: SWR)
Heidelbergs Nachtbürgermeister Jimmy Kneipp (l.) und Daniel Adler

Die aktuelle Problematik zeige, dass andere Angebote fehlten, so der Nachtbürgermeister. Deshalb konzentriere sich vieles auf die Neckarwiese.

Jimmy Kneipp wünscht sich in absehbarer Zeit wieder längere Öffnungszeiten - mit Hygienekonzepten. Dann könne sich das Publikum mehr verteilen. Denn wenn der Sommer komme, sei es sonst nicht zu verhindern, dass sich junge Leute wieder vermehrt draußen treffen.

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