Praxis für Psychotherapie (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Wolf)

Übergriffe gegenüber Patientinnen und Kindern

Missbrauch in Psychotherapie: Heidelberger Institut räumt Taten eines Arztes ein

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Über 18 Jahre lang hat ein Arzt das Institut für Psychotherapie in Heidelberg geführt und in der Zeit Kinder missbraucht, außerdem ging er Beziehungen zu jüngeren Patientinnen ein. Das ist das Ergebnis einer unabhängigen Studie, die jetzt veröffentlicht worden ist.

Alles knapp 30 Jahre nach dem Abschied des vor zwei Jahren verstorbenen Kinderarztes vom Institut für Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie Heidelberg (AKJP). Dort werden Kinder und Jugendliche behandelt und Psychotherapeuten ausgebildet. Dabei hatte es bereits über Jahrzehnte Gerüchte am Institut gegeben, heißt es von Seiten des Münchner Instituts für Praxisforschung und Projektberatung.

Lückenlose Rekonstruktion der Übergriffe nicht mehr möglich

Die Untersuchung listet 27 Fälle von sexuellen Grenzverletzungen auf: Es geht um Übergriffe des Arztes zwischen 1975 und 1993. Die AKJP-Vorsitzende Isabell Ondracek sagte, sie möchte sich im Namen des Instituts aufrichtig bei allen Betroffenen entschuldigen. Nach Angaben der Münchner Aufarbeitungs-Experten soll es weitere Taten gegeben haben, die noch im Dunkeln liegen. Auch weil eine "lückenlose Rekonstruktion des gesamten Ausmaßes" nicht mehr möglich sei.

Sexuelle Beziehungen mit Abhängigen

Bewiesen aber sei, dass der damalige Institutsleiter zwischen 1970 und 1990 sexuelle Beziehungen zu mindestens drei jungen Patientinnen einging, die zu Beginn der jeweiligen Beziehung zwischen 18 und 21 Jahre alt gewesen seien. Aus zwei dieser Beziehungen gingen Kinder hervor. Außerdem hatte der Arzt zwischen 1976 und Anfang der 90er Jahre zu mindestens zwei Auszubildenden und angehenden Psychoanalytikerinnen sexuelle Beziehungen.

In diesem Bereich spricht man von sexuellen Beziehungen mit Abhängigen, so das Institut. Jungen Patientinnen im Teenager-Alter habe er zudem in der Beratung Fragen zur Sexualität und sexuellen Wünschen gestellt. Ihnen angeboten, sie in sexuelle Praktiken einzuführen. Zudem habe er sie mit Blicken und mit Berührungen der Brüste belästigt. Auch gegenüber kleinen Jungen habe es Übergriffe gegeben.

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