Der Komet Neowise oder C2020 F3 ist vor Sonnenaufgang gegen 2.00 Uhr am Sternenhimmel auf der Insel Usedom an der Ostsee zu sehen. Alle 5.000 bis 7.000 Jahre kommt der Komet der Erde so nah, dass er mit bloßem Auge zu erkennen ist. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Stefan Sauer (Symbolfoto))

Multidimensionale Karte der Milchstraße wird erstellt

Haus der Astronomie in Heidelberg: Neue Daten der Weltraumsonde GAIA

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Im Haus der Astronomie in Heidelberg sind am Montag neueste Messergebnisse der Astronomie-Mission GAIA vorgestellt worden. Dafür wurden rund 1,8 Milliarden Sterne untersucht.

Die Daten liefern unter anderem Erkenntnisse zur Temperatur, Größe, Helligkeit und Zusammensetzung der Sterne in unserer Heimatgalaxie. Ein etwa 400-köpfiges Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Software-Entwicklerinnen und -Entwicklern ist an der Mission beteiligt.

Karte der Milchstraße (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/ESA/Gaia/DPAC | -)
Diese ESA-Karte zeigt den interstellaren Staub, der die Milchstraße ausfüllt. picture alliance/dpa/ESA/Gaia/DPAC | -

Seit Montagmittag sind die Messergebnisse der Mission GAIA online zugänglich. GAIA ist die größte Astronomie-Mission der Europäischen Raumfahrt-Agentur ESA. Die Forschenden haben in den vergangenen Jahren rund 1,8 Milliarden Sterne beobachtet und ausgewertet.

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Seit knapp zehn Jahren beobachtet die Raumsonde GAIA den Himmel und erfasst die Positionen aller für die Sonde sichtbaren Himmelsobjekte. Wissenschaftler kommen unter anderem vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg und vom Astronomischen Recheninstitut am Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg.

GAIA weist Sternenbeben nach

Ziel ist es, eine möglichst genaue und vollständige multidimensionale Karte der Milchstraße zu erstellen. Zu den überraschendsten Entdeckungen gehöre, dass GAIA sogenannte Sternenbeben nachweisen könne, die die Form der Sterne verändern, berichtete die ESA. Das seien "winzige Bewegungen auf der Oberfläche eines Sterns".

Diese lassen Sterne regelmäßig anschwellen und schrumpfen, während sie ihre kugelförmige Gestalt beibehalten. Nun seien aber andere Schwingungen entdeckt worden, "die eher wie große Tsunamis wirken", hieß es. Sie veränderten lediglich die "globale Form" eines Sterns und seien deshalb nicht so leicht zu erkennen. "Sternenbeben lehren uns eine Menge über die Sterne, insbesondere über ihr Innenleben", sagte Conny Aerts von der belgischen Universität KU Löwen (Leuven) laut Esa-Mitteilung.

Missed our press briefing about today's @ESAGaia data release? #GaiaDR3 Replay is now available online here https://t.co/EPZsLI6MHI https://t.co/ot2Ax17ceX

Ziel der "GAIA-Mission": Wissenschaft vorantreiben

An den Daten selbst können sich Astronomen, aber auch Hobby-Forscherinnen und -Forscher bedienen - mit ihnen sollen neue wissenschaftliche Erkenntnisse erreicht werden.

"Die GAIA-Daten sind die Grundlage für fast alle Gebiete der Astrophysik. Mit GAIA haben wir so einen großen wissenschaftlichen Erfolg. Aus den Daten entstehen jeden Tag etwa fünf wissenschaftliche Arbeiten."

Wissenschaftler in Heidelberg begannen Mission in den 1980er Jahren

Seit den 1980er Jahren haben Heidelberger Wissenschaftler das Satellitenprojekt vorbereitet und betreut. Die Messergebnisse werden alle vier Jahre weltweit online gestellt. Erstmals geschah das 2018, als Daten von über einer Milliarde von Sternen veröffentlicht wurden. Die GAIA-Mission dauert voraussichtlich bis März 2025.

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