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Im Prozess um Geldtransfers in Millionenhöhe hat das Landgericht Mannheim am Dienstagnachmittag einen 39-Jährigen verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er ein illegales Banksystem aufgebaut hatte.

Laut Urteil des Landgerichts Mannheim hat der 39-Jährige in weniger als einem Jahr über acht Millionen Euro illegal weitergeleitet- deshalb muss er für zwei Jahre und neun Monate in Haft.Insgesamt ging es um 124 Fälle. Das Geld habe er von Deutschland in den Nahen Osten übermittelt, gemeinsam mit einem Komplizen hauptsächlich nach Syrien. Der 39-Jährige hat seine Beteiligung an dem sogenannten Hawala-Banking-System gestanden. Für den Angeklagten sprach, dass er vollumfänglich ausgesagt und einen der Hintermänner identifiziert habe, so der Staatsanwalt.

Mit ihrem Urteil blieben die Richter nur leicht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft Mannheim. Die hatte am Vormittag drei Jahre Haft für den Angeklagten gefordert. Die Verteidigung forderte zwei Jahre Haft auf Bewährung und betonte den besonderen Wert des Geständnisses. So habe man Strukturen und wichtige Personen des Hawala-Bankings erkennen können.

Illegales Banksystem aufgebaut

Das System funktioniert so: Eine Person in einem Büro zahlte in Deutschland Geld ein. Eine andere konnte es nach kurzer Zeit in einem anderen Büro abholen, meist im Nahen Osten. Der 39-Jährige habe das Bargeld am legalen Banksystem vorbei empfangen und in andere Länder weitergeleitet, so der Vorwurf. Dafür habe er Provisionen kassiert, ohne dass er die nötigen Berechtigungen für Bargeld-Übermittlungen besessen habe. Der Angeklagte soll für diese Transfers in ganz Süddeutschland zuständig gewesen sein.

Einzahl/Auszahl-System auch legal möglich

Das System, Geld in einem Land einzuzahlen und in einem anderen aus einer Ausgabestelle wieder abzuheben, wird im Fachjargon "Hawala-Banking" genannt. Es gibt Unternehmen, die ganz legal solche Transaktionen vornehmen dürfen. Allerdings müssen die Einzahler Rechenschaft darüber ablegen, wo das Bargeld herkommt. Damit soll verhindert werden, dass illegal erworbenes Geld - zum Beispiel aus dem Drogenhandel - gewaschen werden kann.

In Deutschland sind Transaktionen mit diesem System ohne Genehmigung strafbar. Man benötigt dafür eine Erlaubnis von der Finanzaufsicht.

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