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Vor knapp sechs Wochen sind die Hausärzte flächendeckend in die Corona-Impfkampagne in Deutschland eingestiegen. Mittlerweile tragen Sie einen großen Teil dazu bei, dass in großem Stil geimpft wird. Doch es könnte schneller gehen.

Der Einstieg der Hausärzte in die Impfkampagne hat weiteren Schwung und Geschwindigkeit mit sich gebracht - da sind sich alle Experten einig. Auch die Hausärzte Oliver Ahrens und David Gonzalves in Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis) sehen das so. Die Kreisimpfzentren in der Rhein-Neckar-Region und in Baden-Württemberg sind allein nicht in der Lage, das Impf-Aufkommen zufriedenstellend zu bewältigen. Die Gründe liegen unter anderem in der schlechten Erreichbarkeit der Online-Anmeldung, in den Problemen älterer Menschen am Computer und auch in bisweilen weiten Wegen zu den Impfzentren.

Die freiwillige Aktivität der meisten Hausärzte ist also nötig. Und sie hat dazu beigetragen, dass an guten Tagen über eine Million Menschen in Deutschland eine Impfung erhalten. Allerdings haben die Hausärzte mit einem Problem zu kämpfen.

Das Problem heißt Astrazeneca

Oliver Ahrens, Hausarzt in Ladenburg, betreibt die Praxis zusammen mit seinem Geschäftspartner David Gonzalves und weiteren Ärztinnen. Er berichtet, dass Patienten Impftermine mit Biontech sofort wahrnehmen, mit Astrazeneca aber widerwillig annehmen oder ganz ablehnen. Manchmal seien sieben Anrufe nötig, um eine Astrazeneca Impfstoffdosis an den Patienten oder die Patientin zu bringen.

Astrazeneca ist sicher, wurde aber kaputtgeredet

Das Problem existiert genau genommen nicht: Der Impfstoff von Astrazeneca ist gut, die Gefahren gering. Eine Gelbfieber-Impfung zum Beispiel sei um ein Vielfaches gefährlicher, betont Oliver Ahrens. Aber die öffentliche Kommunikation der Politik und der Ständigen Impfkommission Stiko haben den Ruf des Impfstoffes beschädigt, findet auch er.

"Wenn man gezielt einen Impfstoff hätte sabotieren wollen, hätte man kein besseres Drehbuch schreiben können."

Oliver Ahrens, Hausarzt in Ladenburg

Allerdings räumt er auch ein, dass eine "Augen zu und durch" -Mentalität wie in England in Deutschland wohl kaum möglich gewesen wäre.

Viel Überzeugung, wenig Geld

Die Hausärzte in Ladenburg impfen aus Überzeugung, viel Geld verdienen sie damit nicht, im Gegensatz zu den Ärzten, die in den Impfzentren eingesetzt werden. Der Aufwand in den Praxen ist dennoch hoch, weil aus einem Fläschchen sechs oder zehn Impfdosen gezogen werden, also immer eine genaue Zahl an Patienten einbestellt werden muss.

Immerhin dürfen die Hausärzte mittlerweile gezielt Impfstoffe bestellen, die meisten würden Biontech bevorzugen, weil dieser Impfstoff von den Patientinnen und Patienten besser angenommen werde. Es muss mehr Impfstoff kommen, wünschen sich David Gonzalves und Oliver Ahrens.

Bitburg

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