Erziehungshilfe für straffällige Jugendliche

Heidelberg soll Haus des Jugendrechts bekommen

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In Heidelberg soll es bald ein Haus des Jugendrechts geben. Kürzlich fand dazu ein Treffen im Rathaus mit Baden-Württembergs Justizministerin Marion Gentges (CDU) statt.

Bereits am Freitag (30. September) haben die Spitzen der Staatsanwaltschaft Heidelberg, der Stadt Heidelberg und des Polizeipräsidiums Mannheim mit Justizministerin Gentges im Heidelberger Rathaus dazu eine gemeinsame schriftliche Absichtserklärung unterzeichnet. Das teilten die Heidelberger Staatsanwaltschaft und die Polizei Mannheim am Dienstag mit.

Leitender Staatsanwalt Andreas Herrgen, Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner, Mannheims Polizeipräsident Siegfried Kollmar, Justizministerin Marion Gentges  (Foto: Peter Dorn, Stadt Heidelberg)
Am Tisch sitzend (v.l.n.r.): Leitender Staatsanwalt Andreas Herrgen, Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos), Mannheims Polizeipräsident Siegfried Kollmar. Zwischen Herrgen und Würzner: Justizministerin Gentges (CDU). Peter Dorn, Stadt Heidelberg

"Weichen für Haus des Jugendrechts in Heidelberg gestellt"

Gentges sagte, sie freue sich, dass jetzt "die Weichen für das Haus des Jugendrechts in Heidelberg gestellt werden."

"Das Konzept hat sich nun schon vielerorts bewährt und ist zu einem wesentlichen Bestandteil bei der erfolgreichen Bekämpfung von Jugendkriminalität geworden."

Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendhilfe

Die drei Behörden sind mit unterschiedlichen Aufgaben am Jugendstrafverfahren beteiligt: Die Staatsanwaltschaft ist hauptsächlich dafür zuständig, zusammen mit der Polizei Straftaten aufzuklären und diese dann zu ahnden. Die Jugendhilfe des städtischen Jugendamts gibt Erziehungs- und Betreuungshilfe für die betroffenen Jugendlichen und ihre Eltern.

Haus des Jugendrechts: Reibungsverluste vermeiden, kürzere Verfahren

Gemeinsames Ziel aller drei Kooperationspartner: Der Erziehungsgedanke, "mit dem erneuten Straftaten eines Jugendlichen entgegengewirkt werden soll", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Um diese Ziele noch besser zu erreichen, sollen die Spezialisten der jeweiligen Behörden künftig gemeinsam in einem Gebäude arbeiten: Im Haus des Jugendrechts Heidelberg. Darin sollen, so heißt es in der Mitteilung, "Reibungsverluste vermieden, die Dauer der Ermittlungsverfahren verkürzt und rasch erzieherische Hilfen für straffällige Jugendliche und Heranwachsende eingeleitet werden können."

Frühzeitige Beschäftigung mit dem Fall

Beispiel: Gleich nach Eingang einer Strafanzeige gegen einen Jugendlichen könne der Jugendsachbearbeiter der Polizei direkt die zuständige Staatsanwältin informieren. Diese könne sich so frühzeitig mit dem Fall beschäftigen und sich dann mit der Jugendhilfe "über zielführende Erziehungsmaßnahmen austauschen."

Standort für Haus des Jugendrechts noch nicht geklärt

So könne man zum Beispiel recht schnell einen Täter-Opfer-Ausgleich einleiten oder einen Haftbefehl vermeiden. Frühe Kommunikation aller beteiligten Stellen sei in dem Verfahren entscheidend, heißt es weiter. Wo das Haus des Jugendrechts in Heidelberg genau unterkommt, steht noch nicht fest.

Ein Polizist am Hauseingang des "Haus des Jugendrechts" in Mannheim (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Uwe Anspach)
Ein Polizist vor dem Hauseingang des Haus des Jugendrechts in Mannheim picture alliance / dpa | Uwe Anspach

Positive Erfahrungen aus anderen Häusern des Jugendrechts

Bundesweit gebe es bereits mehrere Häuser des Jugendrechts, so die Heidelberger Staatsanwaltschaft - unter anderem in Mannheim. Dort habe man bereits positive Erfahrungen sammeln können.

"Ich habe vor einigen Jahren das Haus des Jugendrechts in Mannheim mit aufgebaut und als Leiter der Jugendabteilung der dortigen Staatsanwaltschaft die Zusammenarbeit als ausgesprochen gewinnbringend erlebt."

"Kooperationen in Jugendstrafverfahren sind unabdingbar", erklärte der Landrat des Rhein-Neckar-Kreises, Stefan Dallinger (CDU). Der Landkreis sei bisher in den Prozess eingebunden gewesen und stehe einer möglichen Beteiligung offen gegenüber.

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