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Der Blick richtet sich weiter auf Inzidenzwerte, aber immer mehr auch auf den Impf-Fortschritt in der Region. Denn: Die Corona-Infektionszahlen steigen aktuell in Teilen der Region nicht weiter. Ein Lichtblick, sagt der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamts im Rhein-Neckar-Kreis, Andreas Welker, im SWR-Interview.

SWR Aktuell: Wie ist die aktuelle Situation im Kreis? Hat sich die Lage ein bisschen entspannt?

Andreas Welker: Aktuell sehen wir eine deutliche Seitwärtsbewegung in den Zahlen mit einer ersten, allerdings nur leicht rückläufigen Tendenz. Ob dieser Trend auch anhält, lässt sich jedoch noch nicht beurteilen.

SWR Aktuell: Was heißt Seitwärtsbewegung?

Andreas Welker: Das bedeutet, dass die Zahlen recht stabil bleiben. Also wir haben hier keine Welle, sondern ich sage jetzt einfach mal einen "Tafelberg" vor uns. Das ist schon mal besser als in den letzten beiden Wellen.

Positivere Corona-Zahlen haben unterschiedliche Gründe

SWR Akuell: Liegt das an den Impfungen oder weil es jetzt wieder ein bisschen wärmer wird? Was ist der Grund dafür?

Andreas Welker: Ich denke, das liegt an ganz unterschiedlichen Dingen. Das liegt zum einen an den vermehrten Testungen, die es ermöglichen, Erkrankte früher zu erkennen und auch Übertragungen zu verhindern. Aber auch, wie Sie schon gesagt haben, an den Impfungen und natürlich insbesondere auch an dem Verhalten der Bevölkerung, die sehr gut die entsprechenden Abstand- und Hygieneregeln einhalten.

SWR Aktuell: In fast jedem Bericht, den man über Corona sieht oder hört, kommt immer wieder das berühmte "Licht am Ende des Tunnels" ins Gespräch. Sehen Sie das auch? Irgendwo?

Andreas Welker: Ja, denn ich empfinde bereits diese Entwicklung der Zahlen als eine gute Nachricht. Anders als in den beiden Wellen davor konnte ein weiterer Anstieg in unserem Zuständigkeitsbereich verhindert werden. Das halte ich schon für eine sehr positive Entwicklung.

SWR Aktuell: Wie ist denn der Impfstatus im Augenblick (Stand 3.5.21) im Rhein-Neckar-Kreis?

Andreas Welker: In den Impfzentren herrscht durchgängig letztendlich Hochbetrieb. Es kommen ja jeden Tag immer mehr geimpfte Menschen dazu. Allein in den Impfzentren, die der Rhein-Neckar-Kreis betreibt, sind es durchschnittlich etwa 3.000 Impfungen pro Tag. Zusätzlich dazu kommen natürlich auch noch die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, die uns unterstützen. Und da muss man wirklich sagen: Die Impfungen werden von den aktuellen Prioritätsgruppen sehr, sehr gut angenommen.

Fokus noch auf priorisierte Gruppen beim Impfen richten

SWR Aktuell: Prioritätsgruppen ist ein gutes Stichwort. Momentan wird über die Priorisierung gesprochen, dass man sie aufheben könnte. Vielleicht früher als gedacht. Was halten Sie von diesem Vorschlag? Gäbe das ein Durcheinander oder ginge das, wenn jetzt plötzlich alle kommen könnten?

Andreas Welker: Insbesondere die Impfung der Risikogruppen sollte möglichst weit vorangekommen sein, bevor eine Aufhebung der Priorisierung stattfindet. Wir sehen ja, dass insbesondere "60plus" ein erhöhtes Risiko hat. Das heißt, wir sollten erst mal den Fokus hier setzen und danach sich um weitere Gruppen kümmern - unabhängig natürlich von schwer vorerkrankten Personen, die ein jüngeres Alter haben oder Ähnliches, wenn man es nur am Alter festmachen möchte.

Optimistisch im Hinblick auf den Sommerurlaub

SWR Aktuell: Was halten Sie von dem Vorschlag, der ja auch derzeit viel diskutiert wird, für Geimpfte Einschränkungen zu lockern?

Andreas Welker: Die Lockerung der Regelungen für Geimpfte ist ja eine gesamtgesellschaftliche Diskussion. Die rechtliche und ethische Einschätzung ist definitiv sehr komplex. Ich bin gespannt, welche Entscheidungen hierzu in den nächsten Wochen auf der Bundesebene getroffen werden. Ich persönlich wäre natürlich froh, wenn es zu Lockerungen käme. Aber wie gesagt, da müssen sehr, sehr viele Dinge gegeneinander abgewogen werden.

SWR Aktuell: Was ist denn die Prognose für den Sommerurlaub? Glauben Sie, wir können im Sommer irgendwie irgendwohin reisen?

Andreas Welker: Einen Sommerurlaub ohne Hygieneregeln oder ohne Regelungen wie im Jahr 2019 halte ich tatsächlich für unwahrscheinlich. Allerdings bin ich Optimist mit den aktuellen Entwicklungen bezüglich Fallzahlen, Ausweitung der Testmöglichkeiten und dem zunehmenden Impfschutz. Da sehe ich durchaus die Chance, dass wir zumindest einen Sommer haben werden wie im Jahr 2020, dass gewisse Sachen durchaus möglich sind.

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