picture alliance  dpa | Claudia Kornmeier (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Bürger haben Bedenken

MVV und EnBW planen Geothermie-Projekt im Gebiet "Hardt"

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Erneuerbare Energien, Abschaltung des Steinkohlekraftwerks unter anderem in Mannheim - die Energieversorger könnten in der Geothermie eine Lösung sehen. Die Bürger äußerten aber Bedenken.

Das Grosskraftwerk Mannheim (GKM) erzeugt derzeit den größten Teil der Fernwärme - rund 120.000 Haushalte in der Region. Bis spätestens 2034 muss das Steinkohlekraftwerk aber den Betrieb einstellen – Grund: der Kohleausstieg. Jetzt heißt es für die Energieversorger, eine neue und erneuerbare Alternative zu finden. Ein möglicher Ansatz: Die Geothermie - also die Förderung von Erdwärme.

Infoveranstaltung der MVV und EnBW

Zwei Stunden lang stellten die MVV Energie AG und EnBE am Donnerstagabend das Projekt vor. Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren da - es wurden einige Fragen gestellt. Denn viele machten sich Sorgen um die Bohrtechnologie, um mögliche Kurzschlüsse oder um mögliche seismische Aktivitäten - also Erderschütterungen. Der Projektleiter der MVV, Matthias Wolf, betonte, man werde sehr vorsichtig vorgehen und immer Kontakt mit der Bevölkerung halten. Die "Hardt" Region sei besonders attraktiv, um auf Erdwärme zuzugreifen. Gerade das Rhein-Neckar Gebiet hätte ein hohes Wärmepotenzial, sagte Wolf. Im Juli soll die erste Phase starten. Dabei sollen eineinhalb Jahre lang geologische Voruntersuchungen gemacht werden.

Geothermie - Energie der Zukunft?

Nach Ansicht der MVV Energie AG kann die Geothermie einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz leisten - und langfristig das Mannheimer Kohlekraftwerk ersetzen. Bei Geothermie wird heißes Grundwasser als Energiequelle genutzt, dafür muss tief in die Erde gebohrt werden.

"Wir stehen vor der Mammutaufgabe, das Steinkohlekraftwerk in Mannheim zu ersetzen und das wahrscheinlich sogar recht schnell. Deshalb müssen wir jetzt quasi zwingend alle Technologie-Optionen, die es so gibt, prüfen. Die Tiefengeothermie ist die einzig richtige erneuerbare Wärmeoption, die das ganze Jahr über liefern kann."

Geologische Voruntersuchungen des Gebiets "Hardt"

In den kommenden eineinhalb Jahren planen sie geologische Voruntersuchungen für die mögliche Erdwärme-Nutzung. Im Zentrum der Untersuchungen steht das Gebiet „Hardt“. Eine 270 Quadratkilometer große Fläche vom Mannheimer Süden bis nach Altlußheim (Rhein-Neckar-Kreis) und vom Rhein bis zu den Hängen des Odenwalds. Die Genehmigung für die Tests hat die zuständige Landesbehörde bereits erteilt. Ziel ist es, mögliche Standorte für die Erschließung der Erdwärme aus dem Oberrheingraben zu ermitteln.

Herangehensweise des Geothermie-Projekts

Der MVV, Matthias Wolf, erklärt, dass die EnBW und MVV zunächst einige Schritte checken müssten, bevor es dann überhaupt zur Bohrung kommen könnte. Zum Beispiel erproben sie vorhandene Brunnen, ob dort im Untergrund Thermalwasser freigesetzt wird und bis nach oben durchdringt. Außerdem messen sie die Erdschwere an verschiedenen Punkten im gesamten Feld. Daraus könne man dann Rückschlüsse ziehen, wie der Untergrund aussieht. Danach werden alle Auswertungen zusammengetragen und erste Modelle entstehen. Alles, um den idealen Standort zu ermitteln.

"Erst, wenn wir die Genehmigung und Akzeptanz herbeigeführt haben, erst dann würde tatsächlich gebohrt werden. Dazwischen sind also noch einige Meilensteine abzufrühstücken."

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„Die Akzeptanz ist, glaube ich, der wichtigste Punkt in diesem ganzen Projekt.“

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