Die Anrede "Mitarbeiter*innen" ist in der Handreichung "Hinweise zur Umsetzung der geschlechtersensiblen Sprache für die Verwaltung der Landeshauptstadt Stuttgart" markiert und auf einem Bildschirm zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Gendersensibles Schreiben

Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim

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Wie verändert sich Rechtschreibung? Wie lässt sich das Gendern in der geschriebenen Sprache abbilden? Darüber diskutieren Fachleute drei Tage lang in Mannheim.

Rund 400 Sprachexpertinnen und Sprachexperten treffen sich von Dienstag bis Donnerstag im Mannheimer Rosengarten zu Fachvorträgen und Gesprächsrunden. Das Motto der 59. Jahrestagung des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache Mannheim (IDS): "Orthographie in Wissenschaft und Gesellschaft". Es geht also um Rechtschreibung beziehungsweise richtige Schreibweise.

Debatte über gendersensible Schreibung in Mannheim

Kontrovers geführt wird seit Jahren die Debatte über gendersensible Schreibung. Was eignet sich besser? Der Genderstern oder doch andere Sonderzeichen im Wortinneren? Welche Form auch immer: Unterschiedliche Ansätze stellen Menschen aller Altersklassen vor große Herausforderungen. Welche Umsetzung richtig oder sinnvoll sein könnte, darüber soll Tage diskutiert werden.

"Wir haben das Stichwort Gendersternchen im Duden. Aber mit der Einschränkung, dass es vom amtlichen Regelwerk noch nicht abgedeckt ist."

Der Rat für deutsche Rechtschreibung lehnt den Genderstern bislang ab. Bei der Jahrestagung des IDS in Mannheim stellen Forscherinnen unter anderem Umfrageergebnisse vor.

Komplexe Herausforderungen deutscher Schriftsprache

Orthographie ist der einzige amtlich normierte Bereich in der deutschen Sprache. Die Globalisierung und Internationalisierung verstärkt aber beispielsweise die Aufnahme neuer Fremdwörter. Vor allem geht es dabei nach Angaben des Instituts für Deutsche Sprache um Entlehnungen aus dem englisch-amerikanischen Sprachraum, und die Übertragung in den deutschen Fach- und Allgemeinwortschatz. Neue digitale Medien würden veränderte, nutzungsorientierte Vermittlungsstrategien orthographischer Inhalte erfordern.

"Bei der Debatte um das Gendern ist das große Problem, dass sie auf das Gendersternchen oder den Knacklaut reduziert wird. Zeichen in der gesprochenen oder geschrieben Sprache, die sehr deutlich herausstechen. Es ist eine Polarisierung mit diesen Zeichen verbunden, die eigentlich nicht der Sache nicht angemessen ist."

Die Tagung will diese komplexen und auch konträren Prozesse beleuchten. Eine Podiumsdiskussion mit internationalen Expertinnen und Experten wird zum Beispiel das Thema: "Amtliche deutsche Rechtschreibung – wozu?" diskutieren.

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