Gefahrgutunfall in Mannheim - der Tag danach (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

16 Polizisten verletzt

Chemieunfall Mannheim: Container mit Hydrosulfit soll geöffnet werden

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Am Handelshafen in Mannheim gab es am Dienstag einen Chemieunfall, bei dem 16 Polizisten verletzt worden sind. Die Feuerwehr war auch nachts vor Ort, um die Lage zu stabilisieren.

Mannheim

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Gegen 15 Uhr war am Dienstagnachmittag im Mannheimer Hafen laut Polizei aus einem Container eine gefährliche Flüssigkeit ausgetreten. Die Feuerwehr Mannheim ist derzeit damit beschäftigt, den Gefahrgutcontainer abzukühlen. Der Container sollte im Laufe des Mittwochs geöffnet werden. Unterstützung war dabei unter anderem von der Wasserschutz-Polizei und dem Technischen Hilfswerk angekündigt. Ursprünglich war die Bergung bereits für den Abend geplant gewesen, dies war aber aus Sicherheitsgründen noch nicht möglich, hieß es am frühen Mittwochmorgen.

Die Feuerwehr war am Dienstag mit einem Großaufgebot vor Ort und auch nachts im Einsatz, um die Lage stabil zu halten. Eine 150 Meter hohe weiße Gaswolke, die sich entwickelt hatte und über dem Mannheimer Hafen stand, hat sich inzwischen durch den Löscheinsatz zurückgebildet. Der Verkehr in der Mannheimer Innenstadt kam zum Erliegen.

Der SWR hat am Dienstagabend in einer Sondersendung über die Geschehnisse in Mannheim berichtet:

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Ausgetretene Flüssigkeit offenbar explosiv

"Die ausgetretene Flüssigkeit ist offenbar nach der ersten Bewertung explosiv, aber auch stark ätzend für die Schleimhäute", erklärte Norbert Schätzle von der Polizei Mannheim am Dienstag dem SWR. Deshalb waren der Bereich um den Handelshafen sowie die Kurt-Schumacher-Brücke über den Rhein zwischen Ludwigshafen und Mannheim zeitweise gesperrt, auch mehrere Nahverkehrslinien waren laut Verkehrsgesellschaft rnv betroffen. Am frühen Vormittag betraf die Sperrung schließlich nur noch die Zufahrten zum Hafen. Der Berufsverkehr sollte damit weitgehend fließen können, kündigte ein Polizeisprecher an.

Bei der ausgetretenen Flüssigkeit soll es sich um Hydrosulfit handeln, das in knapp 200 Fässern in einem Container gelagert war. Bei Hydrosulfit handelt es sich um ein Hilfsmittel für die Textilindustrie, das beispielsweise zum Bleichen verwendet wird. Nach jetzigem Kenntnisstand könnte es aufgrund der Produkteigenschaften zu einer Selbstzersetzung des Produkts gekommen sein, bei der Schwefeldioxid und andere Schwefelsalze freigesetzt wurden, so die Polizei am späten Dienstagabend weiter. Aber unklar sei, ob auch noch andere Stoffe in dem Container gelagert waren. "Dementsprechend hat man jetzt sukzessiv einen Radius um den Unfallort gezogen." Dieser betrug zwischenzeitlich 1.300 Meter.

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16 Polizisten verletzt

Anfangs war von einer leichtverletzten Person die Rede. Am Abend gab die Polizei dann bekannt, dass insgesamt 16 Polizisten bei dem Einsatz verletzt wurden. Dabei würde es sich um Atemwegs- und Schleimhautreizungen handeln. Zwei Beamte seien im Krankenhaus in Behandlung. Sie gehören zu den Personen, die zuerst am Einsatzort waren.

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Anwohner in Jungbusch und Neckarstadt sollen Türen und Fenster schließen

Zeuginnen und Zeugen hatten von einem "ekligen schwefligen" Geruch berichtet. In der Mannheimer Innenstadt war Sirenenalarm ausgelöst worden. Von dem Vorfall betroffen waren vor allem die Bereiche Mannheim-Jungbusch und Mannheim-Neckarstadt. Türen und Fenster in der Umgebung sollten auch am Mittwochmorgen weiter geschlossen bleiben. "Es sind noch Geruchsbelästigungen möglich", sagte ein Sprecher. "Das Gefahrenpotenzial ist aber ungleich geringer als gestern."

Christian Specht (CDU), Erster Bürgermeister in Mannheim, erklärte dem SWR: "Wir haben innerhalb von zwei Stunden fünf Messstellen in der Stadt etabliert. Die haben nicht angeschlagen." Somit sei eine größere Evakuierung nicht notwendig gewesen.

Die Stadt Mannheim wies auf das Bürgertelefon unter 0621 / 293 6370 hin. Der Notruf solle hingegen weiterhin nur für Notfälle und nicht für Informationsanfragen verwendet werden.

Update4: 🔹Luftmessungen Feuerwehr bislang keine erhöhten Werte. 🔹 Straßensperrungen werden sukzessive aufgehoben. Werfthallen- und Güterhallenstr. müssen weiterhin gesperrt bleiben. 🔹 Für Schwerlastverkehr wird Parkplatz P20 geöffnet (Maimarktgelände) Zufahrt über B37. https://t.co/F5GoPafoSD

Eine Dunstwolke am Himmel über dem Mannheimer Hafen (Foto: SWR)
Nach dem Chemieunfall in Mannheim entwickelte sich eine Dunstwolke - hier vom Stadtteil Jungbusch aus zu sehen.
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SWR