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Seit Anfang November sind Gaststätten und Hotels geschlossen.  Eine Maßnahme von Bund und Ländern, die nicht unumstritten ist. Denn Gaststätten und Hotels waren nicht als Pandemie-Treiber bekannt. Gleichzeitig werden Gastwirte aber angemessen entschädigt: 75 Prozent des Vorjahresumsatzes im November soll es geben. Und dennoch schaut die Branche mit großer Sorge in die Zukunft.

Zurückgerechnet in den November 2019 haben in den vergangenen Tagen viele Gastwirte: 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahresmonat gibt es vom Bund. Das ist zunächst einmal angemessen und das erkennen auch die Verbandsvertreter an. Zum Beispiel Daniel Ohl, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Baden-Württemberg. Man erkenne den politischen Willen der Gastronomie in dieser schwierigen Zeit zu helfen, so Ohl.

Kann man mit 75 Prozent kalkuliueren?

Bleibt die Frage: Reichen 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahresmonat aus, um den Betrieb über Wasser zu halten? André Titgens betreibt in Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis) das Gasthaus "Zum Schwanen". Er sagt: zunächst einmal sei die Zahl realistisch. Sie entspreche dem Vorjahresumsatz ohne Wareneinsatz. Ungefähr. Und Waren brauchen Gastwirte nicht.

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Dennoch Skepsis

Daniel Ohl, der Pressesprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Baden-Württemberg sagt, die überwiegende Zahl der Gastronomen hätte lieber geöffnet. Auch wenn die staatliche Unterstützung dem ein oder anderen mehr Umsatz beschere, als das vielleicht ohne einen Teil-Lockdown der Fall gewesen wäre.

Ungewisser Dezember

Viele haben auch kräftig investiert, um den Hygienebestimmungen gerecht zu werden. Die erneute Schließung schmerzt deshalb umso mehr. Viel schlimmer ist allerdings der Effekt für den Dezember: Denn der ist normalerweise ein Premium-Monat für die Gastronomie. Und der wird nicht laufen wie gewohnt, das merkt André Titgens, der Ladenburger Gastronom, schon jetzt.

Ich stelle bei mir fest, dass vor allem Gäste im Rentenalter zunehmend vorsichtig sind. Hinzu kommen die ersten Absagen für kleinere und mittlere Weihnachtsfeiern. Die Leute sind schlichtweg ängstlich.

André Titgens, Restaurantbetreiber Gasthaus "Zum Schwanen" in Ladenburg

Geringfügig Beschäftigte Verlierer der Pandemie

Auch für Grenzfälle gibt es politische Lösungen: Wer noch nicht lange im Geschäft ist, kann andere Zeiträume zur Berechnung seiner Ausfälle angeben. Wer einen Lieferservice betreibt, dem werden diese Umsätze nicht von den Hilfen abgezogen. Und wer Festangestellte hat, kann mit Kurzarbeitergeld planen. Schlecht sieht es allerdings für geringfügig Beschäftigte aus, die vor allem in der Gastronomie eingesetzt werden. Sie sind die großen Verlierer in der Corona-Pandemie.

"Für die Gastgewerbe-Branche wird das bis in den Februar hinein eine verdammt harte Zeit."

Daniel Ohl, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Baden-Württemberg

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