Schäden für Mensch und Umwelt

Gegen zu viel und billige Kleidung: "Fashion Revolution Week" in Heidelberg

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Viel zu viele, oft billige Kleidungsstücke werden produziert und gekauft. Das schadet der Umwelt. Die "Fashion Revolution Week" will was dagegen tun - auch in Heidelberg.

Jeder und jede Deutsche kauft jährlich im Schnitt rund 60 neue Kleidungsstücke, so das Bundesumweltministerium. Viele Kleider werden extrem günstig produziert. Das belastet die Umwelt. Darauf will die weltweite "Fashion Revolution Week" hinweisen. Sie findet auch in Heidelberg statt. Lena Geisel-Frings hat sie organisiert.

SWR Aktuell: Warum muss man sich mit dem Thema beschäftigen?

Lena Geisel-Frings: Wir leben in einer Fast-Fashion-Gesellschaft. Die Kollektionen wechseln ständig. Es wird unfassbar viel Kleidung produziert zu ganz niedrigen Kosten in China, Bangladesch, der Türkei oder Kambodscha. Die Leidtragenden dabei sind die Umwelt und die Menschen, die die Kleidung herstellen. Bei der Umwelt gibt es mittlerweile schon ein gewisses Umdenken in Bezug auf die Mobilität zum Beispiel. Es gibt ein größeres Bewusstsein, dass Fliegen schädlich ist für das Klima. Aber bei der Mode ist es noch nicht so. Dabei sind die Klimaauswirkungen durch die Mode gigantisch.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Die Textilindustrie produziert jährlich 1,2 Billionen Tonnen CO2. Das ist mehr als der internationale Flugverkehr und die Schifffahrt zusammen. Das ist wirklich enorm und ist uns, glaube ich, wenn wir Kleidung kaufen und tragen, nicht bewusst.

Was kann man bei seinem Kleiderkonsum selbst tun, um die Umwelt zu schonen?

Auf jeden Fall bewusster konsumieren und sich das Problem bewusst machen. Aber natürlich auch Änderungen beim eigenen Konsumverhalten vorantreiben. Da lohnt sich schon mal einfach ein Blick in den eigenen Kleiderschrank und bevor ich einkaufen gehe, die Frage zu stellen: "Was brauche ich denn eigentlich wirklich?" Komplett auf neue Kleidung verzichten muss man auch nicht. Aber wenn man neue Kleidung kauft, dann wäre es wichtig, auf faire und Öko-Siegel zu achten. Da gibt es zum Beispiel "GOTS - Global Organic Textile Standard", "IVN Best", "Fair Wear Foundation" oder "Grüner Knopf". Das ist noch nicht die Masse in den Läden. Leider sind wir weit davon entfernt, aber es gibt es immer mehr. Zusätzlich wäre mein Appell, wenn man doch weiterhin seine Lieblingsmarke kaufen möchte, dass man dann im Laden, an der Kasse mal nachfragt oder sogar der Geschäftsführung der Marke eine E-Mail schreibt: "Wie produziert ihr eigentlich? Könnt ihr mir bitte transparent sagen: Bekommen die Näherinnen einen existenzsichernden Lohn? Wie sieht es mit Arbeitszeiten und Arbeitsschutz aus?" Unsere Nachfrage oder die Nachfrage der Konsumentinnen und Konsumenten hat auf jeden Fall Einfluss darauf, was angeboten wird.

Was für Aktionen gibt es denn in Heidelberg in dieser Woche und darüber hinaus?

In der "Fashion Revolution Week" wollen wir zwar auf diese Missstände hinweisen. Wir wollen aber auf jeden Fall auch Lust machen, dass man sich mit dem Thema auseinandersetzt und andere Wege geht. Zum Beispiel mehr auf Second-Hand-Kleidung setzt, auf faire Mode. Der Kleidung ein längeres Leben zu geben, das ist schon mal ganz wichtig. Deswegen haben wir zum Beispiel auch ein Textil-Repair-Café. Dort lernt man wieder, wie man das Loch in der Jeans eigentlich reparieren kann. Sonst gibt es ja auch Änderungsschneidereien, wo man was flicken lassen kann. Einfach dieses Umdenken, dass das Kleidungsstück nicht, wie es momentan üblich ist, im ersten Jahr oft schon wieder aussortiert wird, sondern lange getragen wird. Das wäre ein großer Schritt zu mehr Nachhaltigkeit in der Modebranche.

Nicht verpassen: Vom 18. bis 24. April findet in #Heidelberg die #FashionRevolutionWeek statt. Zu diesem Anlass informiert die städtische #Abfallberatung auf dem Universitätsplatz über Altkleider, Überkonsum und vielem mehr. https://t.co/YS94Fitb7j

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