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In Deutschland haben inzwischen mehr als 150.000 Menschen eine Corona-Infektion überstanden. Einige leiden noch lange unter den Folgen. Die Reha-Klinik Heidelberg-Königstuhl betreut derzeit zehn von ihnen auf dem Weg zurück ins "normale" Leben.

Der 51-jährige Udo aus Edingen (Rhein-Neckar-Kreis) macht fleißig sein tägliches Training auf dem Laufband in der Reha-Klinik Heidelberg-Königstuhl: Treppen hoch und runter laufen oder einfach nur gehen und dabei sprechen. Denn das fällt ihm immer noch schwer. Zwei Wochen lang lag er auf der Intensivstation des Heidelberger Uni-Klinikums, weil er an Covid-19 erkrankt war. Er musste dort mit Sauerstoff versorgt werden.

Die Ex-Covid-19-Patienten Udo und Feyzullah im Fitnessraum der Reha-Klinik Heidelberg-Königstuhl (Foto: SWR)
Die Covid-19-Patienten Udo und Feyzullah im Fitnessraum der Reha-Klinik Heidelberg-Königstuhl

An sich gilt Udo als geheilt, hat aber Wochen nach der Erkrankung immer noch mit den Folgen zu kämpfen. Auch schon bei kleinen Anstrengungen, wie dem Weg zum Esstisch, fange sein Herz an zu rasen, werde sein Puls schneller und er kurzatmig, erzählt der Reha-Patient.

"Harmloser" Husten endet im Koma

Auch Feyzullah aus Göppingen kämpft darum, wieder ein normales Leben zu führen. Zwölf Tage lang lag der 48-Jährige aufgrund seiner Covid-19-Erkrankung im künstlichen Koma. Nicht einmal die Ärzte glaubten an eine Genesung, hatten ihn praktisch schon aufgegeben, erzählt er. Dabei fing das Ganze ganz harmlos an, berichtet Feyzullah: Mit leichtem Husten, der aber von Tag zu Tag stärker wurde. So stark, dass er am Ende 20 Minuten am Stück nur noch hustete und kaum noch Atmen konnte.

Am Ende brach er unter der Dusche zusammen, kam ins Krankenhaus und wurde dort sofort ins künstliche Koma versetzt. Auch Feyzullah hätte nie gedacht, dass das Virus im Nachhinein sein Leben so einschränken könnte, zumal der Lagerarbeiter davor kerngesund war. Der 48-Jährige erzählt, auch er fühle sich schon bei geringer Belastung, als sei er mindestens zehn Kilometer gerannt. Dann rase sein Herz, seine Knie würden weich, er fühle sich zittrig.

Verlust der Muskelkraft

Feyzullah und Udo sind zwei von derzeit zehn ehemaligen Covid-19-Patienten, die in der Reha-Klinik im Moment betreut werden. Bei 15 Prozent der Erkrankten nehme die Krankheit einen schweren Verlauf, erklärt Chefarzt Robert Nechwatal. Die Folgeschäden seien nicht zu unterschätzen: Die 25 Covid-19-Patienten, die bisher an der Reha-Klinik Heidelberg-Königstuhl betreut wurden, hätten alle deutlich an Muskelkraft verloren, so der Arzt. Sie seien nach der Krankheit erstmal nicht mehr belastbar.

Die Genesung sei langwierig, die Lungenfunktion könne auch längerfristig - womöglich für immer - eingeschränkt bleiben.

"Corona nicht unterschätzen"

Feyzullah und sein Leidensgenosse Udo hoffen natürlich, dass das bei ihnen nicht der Fall sein wird. Deswegen geben sie bei ihrer Reha auf dem Königstuhl gerade jeden Tag ihr Bestes. Und sie warnen: Die Menschen sollten eine Corona-Infektion nicht unterschätzen.

"Die Leute sollten schon richtig vorsichtig sein. Das ist kein Spaß!"

Feyzullah, ehemaliger Covid-19-Patient

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