1.000 Stellen könnten wegfallen - Mitarbeiter geschockt, aber nicht gelähmt

Mannheimer EvoBus-Mitarbeiter wollen um ihre Arbeitsplätze kämpfen

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Rund 1.000 von rund 3.500 Stellen könnten bei EvoBus in Mannheim, einer Tochter der Daimler-Trucks-AG, gestrichen werden. Die Mitarbeiter sind geschockt. Sie wollen sich wehren.

EvoBus plant offenbar, rund 1.000 Stellen in Mannheim zu streichen. Natürlich hatte die Gerüchteküche schon länger gebrodelt. Und natürlich leben die Mitarbeiter von Evobus nicht hinterm Mond und wussten, dass Daimler sparen will. Und dass in Tschechien neue Hallen gebaut werden. Aber als Ende Juni öffentlich wurde, dass 1.000 Stellen in Mannheim gestrichen werden sollen, blieb den meisten die Luft weg. Alle hätten sich mehr Kommunikation im Vorfeld gewünscht.

Evobus-Mitarbeiter nach Ankündigung des Stellenabbaus (Foto: SWR)
Evobus-Mitarbeiter Thomas Lenz und Marco Fischer

"Wir sind nicht weltfremd, wir wissen, dass wir immer unseren Teil dazu beitragen  müssen, das haben wir immer gemacht. Ich hätte mir gewünscht, dass man vorher mal Zahlen kriegt."

Die Identifikation mit dem Unternehmen ist hoch, trotz Frust

Thomas Lenz, Mitte 50, arbeitet seit fast 38 Jahren bei Daimler in Mannheim. Sein ganzes Arbeitsleben hat er hier verbracht und darauf ist er stolz.

Genauso wie sein jüngerer Kollege Marco Fischer. Der ist Ende 20, hat ebenfalls bei Daimler gelernt und ist seit 12 Jahren im Unternehmen.

"Jeder von uns hat sich gedacht, er hat den sichersten Arbeitsplatz in Mannheim und wir können eine Familie aufbauen. Und das war dann halt ein sehr, sehr harter Schlag."

Veränderungen waren schon immer an der Tagesordnung

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Mannheim haben schon viele Veränderungen erlebt. Erst mussten sie den Reisebus abgeben nach Tschechien, dann den Doppeldecker. Zu erfahren, dass nun noch der gesamte Rohbau in Mannheim wegfallen soll, sei hammerhart gewesen, meint Thomas Lenz.

Und Marco Fischer hat damit gerechnet, dass er Teil eines Aufschwungs sein würde, weil Mannheim erst vor ein paar Jahren zum Elektro-Kompetenzzentrum ausgebaut worden ist und viele Mitarbeiter neu angelernt wurden.

So berichtete SWR Aktuell am 1. Juli 2022:

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"Wir haben top motivierte Leute, vor allem die jüngeren Leute. Man hat sich jedesmal gefreut, wenn ein großer Auftrag kam, wenn große Städte wie Hamburg und Berlin im Gespräch waren, dass wir in der Ausschreibung mit dabei waren. Darauf, hat man gedacht, kann man aufbauen."

Tor 1 Evobus Mannheim  (Foto: SWR)
Evobus-Werkseingang in Mannheim

Das jetzige Ziel: Prozess verlangsamen und Teile davon aufhalten

Tausend Arbeitsplätze weniger, dass trifft am Ende drei- bis viertausend Menschen, wenn man die Familien mitrechnet. In Mannheim will das die Belegschaft nicht so einfach hinnehmen und hofft nun, dass Betriebsrat und IG-Metall ordentlich Druck machen. Mit dem Ziel, den Prozess zu verlangsamen oder Teile davon aufzuhalten. Und trotz allem Frust wollen sie weiterhin gute Arbeit leisten. Am ersten Tag sei es schwer gewesen sich zu motivieren.

"Am ersten Tag hat man schon geschluckt. Aber dann rafft man sich auf und sagt sich: Du gibst das Beste, so wie du es die ganze Zeit gemacht hast. In der Hoffnung, dass das irgendwann mal honoriert wird."

Auch Marco Fischer will die Hoffnung nicht aufgeben. Evobus und Mercedes, das ist wie Familie für ihn.

"Wir sind schon immer alle gerne bei Benz. Wir sind trotzdem stolz, den Stern auf der Brust zu tragen. Und wir wollen trotzdem weiter Qualität abliefern."

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SWR