Mehr Fragen als Antworten?

Bürgerentscheid Heidelberg: Mehrheit gegen "Wolfsgärten" als Ankunftszentrum für Asylbewerber

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Beim Heidelberger Bürgerentscheid hat sich eine Mehrheit gegen die Verlegung des Ankunftszentrums für Flüchtlinge in die "Wolfsgärten" ausgesprochen. Diese Entscheidung ist bindend. Die Stadt will noch vor der Sommerpause entscheiden, wo das Ankunftszentrum gebaut werden soll.

Rund 70 Prozent der Heidelberger, die am Bürgerentscheid teilgenommen haben, stimmten gegen die "Wolfsgärten" im Stadtteil Wieblingen als neuen Standort für das Ankunftszentrum für Asylbewerber. Damit wurde die notwendige Stimmenzahl deutlich übertroffen. Eine Verlagerung in die "Wolfsgärten" ist damit vom Tisch. 36.000 Menschen hatten per Brief abgestimmt, die Wahlbeteiligung lag bei fast 40 Prozent.

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Zurzeit ist das Ankunftszentrum in den Kasernen im früheren US-Wohngebiet Patrick-Henry-Village untergebracht.

Die Konversionsfläche Patrick Henry Village in Heidelberg. (Foto: SWR)
Die Konversionsfläche Patrick Henry Village in Heidelberg.

Deutliche und bindende Entscheidung

Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner hat die deutliche Entscheidung gegen die "Wolfsgärten" sofort akzeptiert.


"70 Prozent der Heidelberger haben gesagt: Nein, wir halten den Standort Wolfsgärten für nicht ideal (...) Von daher ist es eine bindende Entscheidung."

Entscheidung noch vor dem Sommer

Die Entscheidung, wo in Heidelberg das neue Ankunftszentrum des Landes für Flüchtlinge gebaut werden soll, soll noch vor der Sommerpause fallen. Das kündigte Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) am Tag nach dem Bürgerentscheid an.

Zwei Optionen als Alternative

Laut Würzner verbleiben nur noch zwei Optionen, die der Gemeinderat aber bereits geprüft und abgelehnt habe: Das ehemalige Airfield im Stadtteil Kirchheim und der bisherige Standort im Patrick-Henry-Village. Für letztere Lösung müsse das Land aber neu planen und die Registrierung und die Unterbringung der Flüchtlinge trennen, andernfalls passe das Zentrum nicht in den dort geplanten neuen Stadtteil. 

Erfolg für Bürgerbündnis

Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist ein klarer Erfolg für das "Bündnis für Ankunftszentrum, Flüchtlinge und Flächenerhalt" (BAFF). Es hatte den Entscheid ins Leben gerufen und lehnt die "Wolfsgärten" als Standort für das Ankunftszentrum aus mehreren Gründen ab. Unter anderem sei es wegen des Lärms und der isolierten Lage menschenunwürdig.

Das Gelände liegt direkt am Autobahnkreuz Heidelberg und neben der Bahntrasse. Auch der Verlust von acht Hektar ökologisch wertvoller Ackerfläche und einer Kaltluft-Schneise sei nicht hinnehmbar. Dieser Auffassung sind viele Heidelberger gefolgt.

Die Stadt Heidelberg und das Land Baden-Württemberg hatten für die Verlagerung in die "Wolfsgärten" geworben. Geplant war, das Ankunftszentrum dort neu zu bauen. Dazu wurden auch bereits erste Pläne vorgelegt.

Wolfsgärten Heidelberg  (Foto: SWR)
Hier sollte das neue Ankunftszentrum hin verlegt werden: Das Wolfsgärten-Gelände in Heidelberg-Wieblingen

Mehr Fragen als Antworten?

Das Ergebnis des Bürgerentscheids bringt mehr Fragen als Antworten, so die Meinung von SWR-Redakteur Christian Scharff.

Innenministerium: Suche nach neuem Standort geht weiter

Das Landes-Innenministerium setzt indessen auf den großen Konsens im Gemeinderat und bei den Heidelberger Bürgern, das Ankunftszentrum in der Stadt am Neckar behalten zu wollen. Den Willen der Bürgerinnen und Bürger kenne man vorbehaltlos und vollumfänglich an, so ein Ministeriums-Sprecher. Man stehe weiter zu der Zusage, das Patrick-Henry-Village zu räumen, um die Entwicklung des neuen Heidelberger Stadtteils dort zu ermöglichen. Allerdings gebe es im Moment keinen Plan B.

Neues Stadtviertel Patrick-Henry-Village

Das Patrick-Henry-Village, in dem sich das Ankunftszentrum bisher befindet, will Heidelberg als neues Stadtviertel entwickeln. Dort sollen 10.000 Bewohner im "ökologischen Leuchtturmprojekt" leben - laut Gemeinderatsbeschluss allerdings ohne Ankunftszentrum. Die Bürgerinitiative würde es sich anders wünschen .

"Der Gemeinderat ist jetzt gefordert, diese Aufforderung anzunehmen, die Stadtentwicklung auf PHV zu überdenken und mit einer flexiblen Herangehensweise das Ankunftszentrum zu integrieren und auch preisgünstigen Wohnraum zu schaffen."

Dritte "Niederlage" bei Bürgerentscheid

Für Oberbürgermeister Eckart Würzner war es bereits die dritte Niederlage bei einem Bürgerentscheid - schon bei der geplanten Erweiterung der Stadthalle und der Verlagerung des Betriebshofs machten ihm die Bürger einen Strich durch die Rechnung.

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