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Die gebürtige Heidelbergerin ist bereits in Japan und pendelt nur zwischen Hotel und Turnhalle. Spazierengehen, Restaurantbesuche - alles gerade unmöglich für sie.

Etwa viereinhalb Stunden westlich von Tokio lebt Elisabeth Seitz derzeit in einem Hotel. Zum Abendessen gab es Sushi, das haben sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sich von der Hotelküche gewünscht. Denn selbst rausgehen und Essen holen, das gehe nicht, sagt Seitz. Sie dürfen in Japan gerade nirgends hin - nicht mal spazierengehen. Sie und die anderen Olympiateilnehmenden seien derzeit wirklich nur im Hotel oder der Turnhalle, sagt sie.

Herzlicher Empfang in Japan trotz angespannter Lage

Bei ihrer Ankunft in Japan wurden sie aber trotz der derzeitigen Situation herzlich empfangen, erzählt die Kunstturnerin. Die Einheimischen hätten sich total gefreut und Fähnchen geschwungen mit der Aufschrift "Auf geht's Deutschland!".

"Das hat uns überrascht, weil wir gedacht haben, dass es durch die Corona-Maßnahmen einfach nicht möglich ist, dass wir herzlich begrüßt werden."

Keine Zuschauer und keine Familie erlaubt

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Dass während der Olympischen Spiele mittlerweile überhaupt keine Zuschauer dabei sein dürfen, findet die 27-Jährige völlig richtig.

"Klar, für uns Sportler ist das schon traurig. Da kann man nicht sagen, dass es uns egal ist. Aber wir wissen, dass das ein Schritt für unsere Sicherheit und die der japanischen Bevölkerung ist."

Ihr kleiner Bruder ist ihr größter Fan und nicht einmal er darf dabei sein. Doch sie wisse, dass ihre ganze Familie, ihre Freunde, ihre Fans und Unterstützer vor dem Fernseher sitzen und ihr ganz kräftig zujubeln werden, sagt sie.

Wird sie bei der Eröffnung die Fahnenträgerin für Deutschland?

Es könnte bald noch mehr Grund zum Jubeln geben, denn eventuell ist Elisabeth Seitz die Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier der Spiele. Denn das Deutschland-Team hat sie nominiert.

"Als ich das gehört habe bin ich fast vom Stuhl gefallen, weil ich mir das bis vor Kurzem nicht hätte erträumen können."

Dass ihr Name da gefallen und sie unter den Nominierten ist, sei eine Ehre, erzählt sie. Sollte es dann wirklich klappen, wäre das der Wahnsinn.

Ihr Ziel bei den Spielen: Mehr Gelassenheit

"Was ich mir dieses Jahr vor allem als Ziel gesetzt habe, bei den Olympischen Spielen, ist, nicht zu verbissen und zu gestresst zu sein, sondern das alles so gut es geht zu genießen."

Ein Barren-Finale wäre toll und eine Medaille die Krönung, aber Schritt für Schritt, sagt Seitz. Mehr Gelassenheit bekommt man ja eigentlich eh im Alter - und Seitz gehört im Turnen mit ihren 27 Jahren nicht mehr zu den Jüngsten. Sie selbst sei sich ihres Alters durchaus bewusst und weiß, dass sie schon zur älteren Generation gehöre.

"Diese Höchstleistung möchte ich noch so lange vollbringen, wie mein Körper es zum einen mitmacht und zum anderen wie lange ich noch Spaß dabei habe."

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