Menschen legen vor einem Gebäude der Universität Blumen und Kerzen an den Wegesrand. Gestern war ein 18 Jahre alter Student mit einer Schrotflinte bei laufender Vorlesung in den Hörsaal des Gebäudes gestürmt und hatte um sich geschossen. Eine junge Frau starb, der Täter tötete sich wenig später selbst. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

Aufarbeitung nach bewaffnetem Angriff im Hörsaal

Heidelberger Uni-Dekan: "Unser Ziel ist nicht, Zäune hochzuziehen"

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Nach dem mutmaßlichen Amoklauf auf dem Uni-Campus in Heidelberg wird diskutiert: Wie viel Sicherheit ist auf einem deutschen Campus möglich? Der Dekan für Biowissenschaften hat den Tag selbst erlebt - und eine klare Haltung.

Joachim Wittbrodt beschreibt gegenüber dem SWR die Minuten des Angriffs. Er sagt: Einer der Kollegen war gerade am Telefon mit dem Kursleiter und habe die Schüsse durchs Telefon gehört. Dann sei alles schnell gegangen.

Dekan für Biowissenschaften, Joachim Wittbrodt (Foto: SWR)

"Wir wurden sofort informiert. Ruckzuck war hier alles abgesperrt. Und dann war klar, da ist etwas schreckliches passiert."

Innerhalb kürzester Zeit, so der Dekan, sei die Polizei da gewesen. Die beiden Mitarbeiter, die dem Täter im Treppenhaus begegnet waren, hätten laut gerufen und auf die Waffe aufmerksam gemacht. Sie hätten trotz Todesangst geistesgegenwärtig reagiert. Er selbst habe sieben Anrufe aus dem Haus bekommen.

Geschehenes jetzt verarbeiten

Wittbrodt selbst hatte Kontakt zu einem Mitarbeiter aus dem Treppenhaus. "Ich habe ihn mit ihm telefoniert und habe mich von ihm auch informieren lassen. Über die Situation im Haus. Von dem anderen Kollegen habe ich gehört, dass es ihm eben den Umständen entsprechend gut geht."

Jetzt gehe es darum, Wege zu finden das Geschehene zu verarbeiten. Die Wege zurück zum Alltag seien eine Herausforderung, schätzt der Dekan. Man müsse Wege finden, das Geschehene zu verarbeiten, zusammen mit den Studierenden, aber auch den Mitarbeitern und Ersthelfern. Man werde mit Profis arbeiten.

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Betroffener Hörsaal bleibt vorerst geschlossen

Dass der betroffene Hörsaal in der bestehenden Form wieder genutzt wird, davon geht Wittbrodt nicht aus.

"Ich glaube, in der bestehenden Form könnte man den Hörsaal nur als Mahnmal lassen."

Er könne sich nicht vorstellen, dass die Studierenden oder aber auch die Lehrenden wieder mit Begeisterung für die Wissenschaft in diesen Hörsaal gingen. Das sei nicht zumutbar. "Ich würde mir wünschen, dass wir aus dem Hörsaal was Neues machen und diesen Neuanfang auch zum Anstoß nehmen, dass das Geschehene nicht zu vergessen, sondern zu verarbeiten", so der Dekan.

Hinter diesem Eingang befindet sich der Hörsaal, in dem eine 23jährige Studentin erschossen wurde. (Foto: SWR)
Hinter diesem Eingang befindet sich der Hörsaal, in dem eine 23-jährige Studentin erschossen wurde.

Sicherheit ein Hohes Gut - Freiheit ebenso

Bezogen auf die Frage, ob es künftig mehr Sicherheitsvorkehrungen auf dem Campus geben müsse, sagte Wittbrodt gegenüber dem SWR, er glaube, der Campus lebe von der Freiheit.

"Und wenn es ein Sicherheits-Campus wäre, dann hätten wir einen hohen Zaun und Wachposten. Dann hätten wir aber ein ganz anderes Publikum, sowohl bei den Studierenden als auch bei den Professoren und Professoren."

Das sei nicht das, was man anstrebe. Man wisse von den Kolleginnen und Kollegen aus den USA, wo es bewaffnete Security gebe. "Auch da passieren die Dinge. Und ich glaube, unser erstes Ziel ist es nicht die Zäune hochzuziehen, sondern unser erstes Ziel ist es, offen und wachsam zu sein und Zeichen zu erkennen." Auch wenn man sie nicht immer erkennen könne.

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