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Schulen und Kitas sind wieder geöffnet, gleichzeitig gehen die Infektionszahlen kaum noch zurück: Die Corona-Lage bleibt kompliziert, sagt Andreas Welker vom Gesundheitsamt Rhein-Neckar.

Andreas Welker (Foto: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis)
Andreas Welker, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Heidelberg/Rhein-Neckar-Kreis Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis

SWR Aktuell: Herr Welker, es gibt Virologen, die sagen: "Die zweite Welle geht hier in Deutschland in diesen Tagen gerade nahtlos in die dritte Welle über." Wie schätzen Sie die Infektionslage aktuell in Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis ein? Müssen wir uns hier große Sorgen wegen einer dritten Infektionswelle machen?

Andreas Welker: Zu den noch vor wenigen Wochen gemeldeten Infektionszahlen hat sich die aktuelle Lage erstmal grundsätzlich deutlich gebessert. Wir haben in der letzten Zeit einen deutlichen Rückgang der Zahlen gesehen. Allerdings hat sich dieser Rückgang jetzt abgeschwächt und eher in eine Seitwärts- oder vielleicht sogar eine leichte Aufwärtsbewegung umgewandelt. Wir beobachten diese Sache sehr genau. Ob und wann die dritte Welle kommt, das ist jetzt noch ein bisschen Glaskugel-Leserei. Aber ja, es besteht natürlich durchaus die Möglichkeit, dass wir auf eine dritte Welle zusteuern.

"Ob und wann die dritte Welle kommt, ist Glaskugel-Leserei"

Andreas Welker, Gesundheitsamt Heidelberg/Rhein-Neckar-Kreis

SWR Aktuell: Inwiefern haben Sie sich auf diese Möglichkeit im Gesundheitsamt vorbereitet?

Andreas Welker: Zum einen intensivieren wir die Schulung des Personals, und wir sind auch dabei, die Ausbildungsinhalte für neue Mitarbeitende, die wir dann akquirieren würden, zu überarbeiten. Zum anderen ist es so, dass wir auch eine Optimierung und Standardisierung unserer Arbeitsabläufe intensiv vorantreiben.

Belastung des Gesundheitsamts hält sich im Rahmen

SWR Aktuell: Wie groß ist bei Ihnen gerade der Stress im Gesundheitsamt in Sachen Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten?

Andreas Welker: Im Vergleich zu den Vorwochen hat die Arbeitsbelastung der Mitarbeitenden deutlich abgenommen. Was jetzt ein bisschen zunimmt, ist die intensive Ermittlung, die insbesondere für die Virus-Varianten notwendig ist. Aber insgesamt hält sich das auch im Rahmen.

Öffnung der Kitas und Schulen kann gelingen

SWR Aktuell: Mit welchem Gefühl beobachten Sie die Öffnung der Grundschulen und der Kitas auch hier bei uns in der Region?

Andreas Welker: Wir beobachten diese Entwicklung sehr genau. Die Einrichtungen haben sehr gute Hygienekonzepte erarbeitet. Ich persönlich sage jetzt: Ich bin optimistisch, dass dann auch eine Öffnung gelingen kann. Das heißt nicht, dass es nicht vereinzelt auch zu Infektionen kommen wird. Allerdings haben die bisherigen Studiendaten ja auch ergeben, dass diese Einrichtungen nicht zwingend zu den Treibern der Pandemie gezählt werden.

SWR Aktuell: Was halten Sie von der Schnellteststrategie, wonach sich Lehrkräfte und Kita-Erzieher und -Erzieherinnen zweimal pro Woche auf das Virus testen lassen können, und wie sicher ist die?

Andreas Welker: Die Schnellteststrategie per se finde ich sehr gut, da beim frühen Testen einfach die Möglichkeit besteht, recht frühzeitig Infektionsketten zu unterbinden. Zur Sicherheit  muss man aber auch ganz klar sehen: Es werden auch weiterhin durch Tests Fälle übersehen. Man darf sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Die üblichen Regeln gelten weiterhin.

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"Zwei Tests pro Woche sind schon mal ein guter Start"

Andreas Welker, Gesundheitsamt Heidelberg/Rhein-Neckar-Kreis

SWR Aktuell: Sind zwei Tests pro Woche dann nicht zu wenig, müsste man nicht täglich das Personal dort testen?

Andreas Welker: Das ist auch eine Abwägung. Sich zu testen, ist nicht ganz angenehm. Die tägliche Testung ist auch eine Überwindungssache. Es dauert ja auch eine gewisse Zeit, bis man ein gewisses infektiöses Potential aufgebaut hat. Insofern sind zwei Tests pro Woche auf alle Fälle schon mal ein guter Start.

SWR Aktuell: Immer wieder bzw. immer noch gibt es Kritik daran, dass die Gesundheitsämter keine einheitliche Software bei der Nachverfolgung der Kontakte von Corona-Infizierten haben. Ist das auch in Heidelberg so? Und wenn ja, warum ist das so und was wäre der Vorteil davon?

Andreas Welker: Die Gesundheitsämter haben im Rahmen der Digitalisierung deutliche Schritte nach vorne gemacht. Die Zeiten von Excel-Listen und Papier sind schon länger vorbei. Diese einheitliche Software würde uns insofern einen Vorteil verschaffen, als das Gesundheitsamt A einen Fall, der gar nicht zu ihm gehört, sehr schnell an Gesundheitsamt B transferieren könnte, also bei der Datenübermittlung zwischen den Ämtern. Die Datenbearbeitung bei uns im Amt würde durch eine einheitliche Softwarelösung gar nicht mehr beschleunigt. Wir haben hier eine komplette Digitalisierung.

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