Panzer-Transport Mannheim (Foto: SWR)

Panzertransport auf Schienen

Mannheimer Coleman-Gelände als Drehscheibe im Ukraine-Konflikt

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AUTOR/IN
Natalie Akbari

Der Krieg in der Ukraine hat Auswirkungen bis in die Region. Anwohner im Norden Mannheims beobachten verstärkte Aktivitäten auf dem US-amerikanischen Coleman-Militärareal.

Zurzeit rollen immer wieder Züge, beladen mit Panzern und anderem schweren Gerät, aus dem Gelände hinein und heraus. Das 215 Hektar große Coleman-Areal ist eines der größten Lager der Amerikaner für militärisches Gerät außerhalb der USA. Hier lagern Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Feldlazarette und jede Art von militärischem Equipment. 

Panzertransport an der Mannheimer Coleman-Kaserne

Eigentlich wollte die US-Army den Standort 2015 aufgeben. Nach dem Einmarsch der russischen Streitkräfte auf der Krim 2014 änderte das US-Verteidigungsministerium jedoch seine Haltung. Der damalige Kommandeur der Landstreitkräfte in Europa, Ben Hodges, erklärte 2015 gegenüber dem SWR: 

“Russlands aggressives Verhalten, beim Einmarsch auf der Krim und bei Grenzverletzungen an der ukrainischen Grenze, hat alle, in der EU und der NATO, dazu bewogen zu sagen: Das ist nicht akzeptabel.” 

Als Reaktion auf das russische Verhalten planten die NATO-Staaten unter der Federführung der USA verschiedene Manöver mit dem Schwerpunkt auf Verteidigung der osteuropäischen Staaten. Da für solche Manöver viel Equipment gebraucht wird, entwickelte sich das Coleman-Gelände (wieder) zu einem wichtigen strategischen Standort. Im August 2017 gab die US-Army bekannt, hier lagere das Material für eine schnelle Eingreiftruppe für Osteuropa. 

Mannheimer Coleman-Kaserne 2020 als Teil einer großen Übung eingeplant

In diesem Zusammenhang sollte von Mannheim aus ein Großteil der Versorgung für die Übung “DEFENDER2020” stattfinden: ein multinationales Manöver, das im Januar 2020 begann, und bei dem 20.000 US-Soldaten samt Ausrüstung und Fahrzeugen nach Osteuropa verlegt werden sollten. Dazu kam es wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie nicht - nun aber ist wieder viel Bewegung auf dem Coleman-Gelände. 

Ukraine-Krieg und die Folgen: Coleman-Kaserne rüstet US-Soldaten aus

Denn wie das US-amerikanische Verteidigungsministerium vergangene Woche bekanntgab, soll wegen des Kriegs in der Ukraine das 1. Panzerbrigaden-Kampfteam der 3. Infanteriedivision nach Deutschland entsandt werden. Die Ausrüstung dieser US-Soldaten soll laut einer Sprecherin der US-Army gegenüber dem SWR aus den Beständen kommen, die auf dem Coleman-Gelände in Mannheim gelagert sind. 

Konkret handele es sich dabei um Rad- und Kettenfahrzeuge, darunter M1-Kampfpanzer, M2-Bradley-Kampffahrzeuge und M109-Paladine. Die Ausrüstung werde an das 1st Armored Brigade Combat Team, die 3rd Infantry sowie an andere US-Streitkräfte ausgegeben, die derzeit in Europa stationiert sind. 

Coleman-Anwohner in Mannheim: Gemischte Gefühle

Die Anwohnerinnen und Anwohner rund um das Kasernen-Gelände im Mannheimer Norden sehen die verstärkten Aktivitäten dort mit gemischten Gefühlen: "Auf der einen Seite kennen wir es seit Jahrzehnten, dass die Amerikaner da sind", sagt ein Anwohner gegenüber dem SWR. "Aber angesichts des Kriegs in der Ukraine ist es schon auch unheimlich. Denn sollte der Konflikt eskalieren, dann leben wir nur wenige Meter entfernt von einem wichtigen strategischen Ziel. Außerdem ist es schwer, den Kindern zu erklären, warum auf einmal Panzer durch den Wald und die Straßen rollen." 

Übersehen kann man die Rangier- und Verlegungsaktivitäten nicht: Das Coleman-Gelände verfügt über einen eigenen Bahnanschluss, die Schienen führen zum Teil mitten durch die Mannheimer Stadtteile Schönau, Blumenau und Scharhof. 

Außerdem ist es von hier nicht weit zur Autobahn A6. Dort sind in den vergangenen Tagen immer wieder Schwertransporte mit Panzern und Militärfahrzeugen gesichtet worden. Bei Manövern in der Vergangenheit wurden die Schwerlaster und ihre Fahrer häufig von der Bundeswehr gestellt: im Rahmen des sogenannten "Host Nation Supports", eines Unterstützungsprogramms der Bundeswehr für befreundete Streitkräfte.

Rolle der Bundeswehr unklar

Ob die Bundeswehr auch bei den aktuellen Transporten unterstützend im Einsatz ist, wollte ein Sprecher des Landeskommandos Baden-Württemberg zumindest offiziell nicht bestätigen, "aus operativen Gründen" wolle man sich zu Details nicht äußern. 

Klar sei aber, dass die Bundeswehr im Rahmen ihrer NATO-Mitgliedschaft derzeit ihre Bereitschaft erhöhe und es daher zu "mehr militärischen Bewegungen im öffentlichen Raum" komme. Dabei sei zum Teil auch mit Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen. 

Rund um die Coleman-Kaserne war dies zuletzt bereits der Fall: Anwohnerinnen und Anwohner berichten von kurzzeitigen Straßensperrungen wegen Militär-Transporten. 

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