Disko (Foto: dpa Bildfunk, dpa | Foto: Sophia Kembowski)

SWR Interview mit Heidelberger Konzertversanstalter

Clubs als Corona-Hotspots? - Verband der Musikspielstätten widerspricht

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Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, ist wegen der hohen Corona-Inzidenz dafür, Bars und Clubs zu schließen. Für einen Vertreter des Verbands der Musikspielstätten aus Heidelberg wäre das eine "Katastrophe".

Der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, wirft der Politik schwere Fehler und Versäumnisse vor. "Wir haben zu schnell in zu vielen Bereichen geöffnet", kritisierte er am Mittwoch. "Clubs und Bars sind Hotspots, aus meiner Sicht müssen die geschlossen werden."

SWR Aktuell hat dazu mit Felix Grädler gesprochen. Er ist Vorstandsmitglied bei der "LiveKomm", dem Verband der Musikspielstätten in Deutschland und außerdem Geschäftsführer des Kultur- und Konzerthauses "halle02" in Heidelberg.

SWR Aktuell: Was würde eine Schließung für Clubs und Bars bedeuten?

Felix Grädler: Die Clubs sind ja jetzt erst seit zwei Monaten wieder geöffnet. Die waren in der ganzen Pandemie anderthalb Jahre lang geschlossen. Insofern sind natürlich jetzt mühsam alle Motoren angelaufen. Es wäre natürlich eine Katastrophe, wenn man das jetzt beenden würde. Insofern müsste man sich auf jeden Fall ganz dringend darum bemühen, dass die Überbrückungshilfen, die jetzt angelaufen sind, auch unbedingt verlängert werden.

SWR Aktuell: Würden die Clubs und Bars das alle überleben? Oder wenn nicht: Wie viele hätten dann ein massives Problem?

Felix Grädler: Es ist natürlich jetzt eine massive Anstrengung gewesen. Viele haben sich lange nicht getraut und haben jetzt alles in den Neustart reingelegt. Insofern wäre natürlich die Enttäuschung da, wenn sie jetzt wieder schließen müssten. Aber auch die Kosten, die jetzt da aufgelaufen sind, werden viele nicht tragen können. Insofern kann es durchaus auch sein, dass daran jetzt einige zugrunde gehen.

Clubs als Corona-Hotspots: "Das kann ich so nicht teilen"

SWR Aktuell: Können Sie denn die Forderung von RKI-Chef Wieler nachvollziehen?

Felix Grädler: Ich kann natürlich nachvollziehen, dass es in gewisser Weise neue Regeln braucht, wenn sich die Pandemie-Lage verschärft. Es ist aber bedauerlich, dass Clubs immer in so ein schlechtes Licht gerückt werden. Es gab ja vor kurzem auch eine Studie, Clubs seien Hotspots. Uns persönlich sind keine Fälle von Massenansteckungen bekannt. Natürlich gibt es Fälle, wenn viele Leute zusammenkommen. Letztlich waren ja auch die einzig wirklich wirksamen Erfassungen von Personen in den Clubs, die ja sonst nicht überall so stattgefunden haben in den Spielstätten in Deutschland. Insofern kann ich zwar generell die Angst nachvollziehen. Aber diese Hysterie und auch Clubs immer als Hotspots verantwortlich zu machen, das kann ich so nicht teilen.

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SWR Aktuell: Hätten Sie denn einen Gegenvorschlag?

Felix Grädler: Clubs waren schon immer bemüht, auch konstruktive Vorschläge zu machen. Wir haben funktionierende Hygienesysteme in den Clubs aufgebaut. Wir können mit 2G plus, also einem zusätzlichen Test bei einer Zulassung von nur Geimpften und Genesenen noch zusätzliche Sicherheit generieren. Nur die Maskenpflicht ist nicht möglich in Clubs. So funktioniert Club-Betrieb nicht. Aber mit einer geringen Einschränkung der Kapazität zum Beispiel über 70, 80 Prozent und 2G plus, denken wir, da wäre auf jeden Fall eine gute Sicherheit gegeben.

Grädler geht davon aus, "dass es wieder zu Schließung kommen wird"

SWR Aktuell: Was sagt Ihnen Ihr Bauchgefühl? Was wird passieren?

Felix Grädler: In Baden-Württemberg beispielsweise sind die Clubs ja eigentlich seit Mittwoch de facto zu, weil 2G und Maskenpflicht für Clubs gelten. Das heißt: De facto wird da kein Club aufmachen, weil es einfach auch nicht durchsetzbar wäre, eine Maskenpflicht auf der Tanzfläche zu kontrollieren und durchzusetzen. Insofern gehe ich leider davon aus, dass es wieder zu einer Schließung kommen wird.

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