Ein Kampfpanzer vom Typ Leopard II  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Armin Weigel)

Gefechtsübungen, Truppenküche, Kontakt nach Hause

Hardheimer Soldaten in Litauen: Wie sieht der Alltag dort aus?

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INTERVIEW
Esther Uhrig
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Wolfgang Kessel
Wolfgang Kessel, Redakteur beim SWR in Mannheim (Foto: SWR, Wolfgang Kessel)

Seit Anfang August sind Teile des Hardheimer Panzerbataillons 363 der Bundeswehr in Litauen stationiert. Wie der Alltag dort aussieht, beschreibt der Kommandeur im SWR-Interview.

Das Panzerbataillon 363 der Bundeswehr ist in Hardheim (Neckar-Odenwald-Kreis) stationiert. Im Juli und August wurden Teile dieses Bataillons nach Litauen verlegt. Dort geht es laut Bundeswehr um die "Sicherung der Ostflanke der verbündeten NATO-Staaten" - und um Abschreckung gegenüber Russland. Die russische Armee führt seit Februar 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Hardheimer Soldaten sind bis Ende dieses Jahres in Litauen stationiert.

Der SWR hat mit Oberstleutnant Andreas Kirchner, dem Kommandeur des Hardheimer Panzerbataillons, ein Telefon-Interview geführt.  

SWR Aktuell: Wie sieht der Alltag in Litauen für Sie und Ihre Truppe aus?

Andreas Kirchner: Der Alltag ist im weitesten Sinne vergleichbar mit dem in Hardheim - nur mit dem großen Unterschied, dass wir hier (in Litauen) mit sechs Nationen vertreten sind. Neben einem sehr großen deutschen Kontingent haben wir hier Niederländer, Tschechen, Norweger, Belgier und Luxemburger. Wir haben feste Dienstpläne für Übungen und Ausbildung.

SWR Aktuell: Was heißt das genau? Panzer putzen zum Beispiel?

Andreas Kirchner: Panzer putzen ist Teil davon. Es geht darum, dass wir alle Waffen und Fahrzeuge überprüfen. Dazu die Zusammenführung aller Soldaten hier. Und dann haben wir ja bereits in Deutschland mit einem straffen Ausbildungs- und Übungs-Plan begonnen. Ziel ist es, dass wir vom einzelnen Soldaten bis hin zum gemeinsamen Gefechtsverband auf einem Truppenübungsplatz hier in Litauen in Gefechtsübungen uns selbst "be-üben", aber vor allem auch von der litauischen Brigade "be-übt" werden.

Hardheimer Soldaten: "Auch Land, Leute und Sehenswürdigkeiten kennenlernen"

SWR Aktuell: Was bekommen Sie denn vom Land mit, von Litauen? Gibt's da auch Kontakt mit der Bevölkerung?

Andreas Kirchner: Ja, selbstverständlich, das gibt es. Mir ist wichtig, dass alle Soldaten grundsätzlich Kontakt mit Litauern haben und wir dafür auch immer wieder Zeitfenster einräumen. Für alle Soldaten, unabhängig vom Dienstplan und auch nationenübergreifend. Dass sie Land und Leute und die wesentlichen Sehenswürdigkeiten kennenlernen. Dass sie aber auch einfach in Kontakt kommen mit der litauischen Bevölkerung. Das ist wichtig, denn wenn der Soldat nicht weiß, für wen oder was er kämpfen und was er verteidigen soll, dann hat das natürlich erhebliche Auswirkungen. Ich erfahre eine unglaubliche Dankbarkeit der Menschen hier und ich möchte, dass die Frauen und Männer meiner Truppe das auch erfahren.

Hardheimer Soldaten in Kaserne - Litauer sorgen für Absicherung

SWR Aktuell: Wie sind Sie untergebracht?

Andreas Kirchner: Wir sind ganz klassisch in einer Kaserne untergebracht. Das ist hier also kein Feldlager, wie es die Bundeswehr zum Beispiel in Afghanistan hatte. Die litauische Armee hat uns eine Kaserne zur Verfügung gestellt. Es gibt dazu noch ein paar Container-Bauten, für Unterkunft oder Büros. Drumherum sorgen die Litauer für Absicherung, so dass wir uns auf unseren Kernauftrag konzentrieren können.

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SWR Aktuell: Wie ist das Essen dort?

Andreas Kirchner: Ich persönlich finde das Essen sehr lecker. Wir haben zwei Truppenküchen. Das ist der enormen Truppengröße hier geschuldet - wir sprechen von rund 1.600 Soldatinnen und Soldaten, die nicht alle gleichzeitig essen gehen können. Fürs Essen sind die Litauer verantwortlich, es gibt also litauische Gerichte, alles sehr abwechslungsreich: Viel Fleisch, Käse und Knoblauch. Nicht jedermanns Sache, aber es gibt auch Alternativen, zum Beispiel ein reichhaltiges Salatbuffet. Es gibt ganz klassisch drei Mahlzeiten am Tag. Dazu gibt es eine Mannschaftskantine, wo man nach Dienstschluss noch einen Teller Pommes bekommen und man mit den Kameraden in einer Sitzecke Platz nehmen kann.

Hilfe gegen Heimweh: Kontakt nach Hardheim

SWR Aktuell: Wie läuft der Kontakt mit Angehörigen und Freunden daheim? Und wie sehr hilft das gegen aufkommendes Heimweh?

Andreas Kirchner: Ich denke mal, das hilft definitiv gegen Heimweh. Aber so lange sind wir ja noch gar nicht hier. Aber Sie haben mit Blick auf die kommenden Monate natürlich recht. Wir haben das hier so organisiert, dass die Soldaten innerhalb der Kaserne jederzeit die Internet-Verbindung nach Deutschland nutzen können. Von Messenger-Diensten bis Video-Telefonie ist alles möglich. Nach dem Dienst ist das also auf jeden Fall möglich.

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