Schönau '92 - Nicht vergessen (Foto: SWR)

"Brennstoff" - Neues Theaterstück am Nationaltheater

30 Jahre danach: Auseinandersetzung mit Rassismus in Mannheim

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Ausschreitungen wie Hoyerswerda 1991 fanden auch in Mannheim statt. Im Stadtteil Schönau kam es im Frühjahr 1992 über Wochen hinweg zu rassistischen Ausschreitungen und antirassistischen Gegendemonstrationen. Bis heute kaum aufgearbeitet.

30 Jahre später scheint die Kontinuität rechtsradikalen Terrors ungebrochen. Was kann man in Mannheim daraus lernen? Oder ist doch alles wieder vergessen? Diese Fragen stellt sich das neue Stück, das von Beata Anna Schmutz inszeniert wird. Denn immer wieder muss sich Deutschland mit den Folgen von Ausländerfeindlichkeit beschäftigen. Damals wie heute. Hanau ist nur ein Beispiel der vergangenen Jahre.

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"Brennstoff" - Was ist Rassismus?

Unter dem Titel "Die Baseballschlägerjahre" - so wird die Zeit Anfang der 90er Jahre vor allem in Ostdeutschland häufig beschrieben - startet das Nationaltheater in das Thema. Im Werkhaus des Mannheimer Nationaltheaters soll es eine Auseinandersetzung mit Rassismus in Mannheim geben. Am Donnerstag, 26.5, ist dann die Uraufführung des Theaterstücks "Brennstoff" zu sehen. Die Mehrzahl der Rollen ist mit ehemaligen Asylbewerbern und ihren Helfern besetzt. Genau 30 Jahre nach den rassistischen Angriffen auf ein Wohnheim für Geflüchtete in Mannheim Schönau.

Beata Anna Schmutz, die Regisseurin und Autorin des Theaterstücks „Brennstoff“ (Foto: Pressestelle, Felix Grünschloß)
Beata Anna Schmutz, die Regisseurin und Autorin des Theaterstücks „Brennstoff“ Pressestelle Felix Grünschloß

"Ich würde mir erhoffen, dass man auf die Menschen, die vor 30 Jahren drin waren, schaut. Sie unterstützt. Die eine oft schlecht bezahlte Arbeit leisten. In dieser Stadt. Es geht darum, über den Tellerrand zu schauen. Menschlichkeit zu zeigen."

Erinnerungskultur in den Blick nehmen

Die Fragen, die sich die Inszenzierung stellt, sind so einfach wie komplex und schwierig zu beantworten: Wie erinnern wir uns, wer spricht und wem wird zugehört? Die Performance will dabei den Anfang eines lebendigen Erinnerungsarchivs bilden. Soweit der Anspruch. Die Recherche der Geschehnisse soll ebenso auf die Bühne gebracht werden wie beispielsweise neue Texte der Autorin Antigone Agkün. Die Gäste sollen ins Gespräch kommen. Am Ende geht es darum, eine Haltung zu finden. Und um Solidarität.

Schönau '92 - Nicht vergessen

Am 11. Juni ist dann zwischen 14.00 bis 21.00 Uhr im Naturfreundehaus Mannheim ein ganzer Tag unter der Überschrift geplant. Es soll Workshops und eine Diskussionsrunde mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geben. Ein Raum für Austausch entstehen.

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