Corona Warn App (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Ein Jahr Corona-Warn-App

"Totalausfall" oder "Pandemiekiller"?

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"Zahnloser Tiger", "nutzlos!", "Totalausfall": Die Vorbehalte gegen die Corona-Warn-App sind auch nach einem Jahr nicht verschwunden. Dabei wirkt die von der Deutschen Telekom und der Walldorfer SAP entwickelte App, sagen Experten.

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Immer wieder standen die Entwickler der Deutschen Telekom und des Walldorfer Software-Konzerns SAP in der Kritik. Vielleicht gab es auch deshalb bei der Einführung der offiziellen Corona-Warn-App des Bundes vor einem Jahr Erinnerungen an die erste Mondlandung:

"Die App herunterzuladen und zu nutzen, das ist ein kleiner Schritt für jeden von uns, aber ein großer Schritt für die Pandemiebekämpfung."

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)
Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Er lehnte sich dabei an die legendären Worte von Neil Armstrong vom großen Sprung für die Menschheit an, bevor der Astronaut als erster Mensch den Mond betrat. Kleiner ging es nicht.

Funktion via Bluetooth mit Datenschutzkonzept

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes erfasst mit Hilfe von Bluetooth-Signalen, welche Smartphones einander nahe gekommen sind, und benachrichtigt die Anwender dann über riskante Begegnungen. Dabei wurde ein Datenschutzkonzept umgesetzt, das als vorbildlich gilt.

Ein Mann hält ein Smartphone in der Hand, auf dem die Corona-Warn-App der Bundesregierung ein erhöhtes Risiko anzeigt (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marius Becker)
Die Corona-Warn-App der Bundesregierung trackt Begegnungen und keine Orte picture alliance/dpa | Marius Becker

"Die Corona-Warn-App verdient eine uneingeschränkte Empfehlung, weil sie nicht schaden kann", sagte der Softwareentwickler Henning Tilmann. "Sie arbeitet im Hintergrund, verbraucht kaum Akkuleistung. Sie verwendet keine persönlichen Daten", so der Co-Vorsitzende des Digitalvereins "D64 - Zentrum für digitalen Fortschritt".

Millionenfache Downloads - immer wieder Kritik

Im September 2020 hatte das Robert Koch-Institut (RKI) über 18 Millionen Downloads in den Stores von Google und Apple registriert. Danach flachte die Kurve allerdings deutlich ab. Zuletzt verzeichnete das RKI 28,3 Millionen Downloads. Im internationalen Vergleich steht die App damit gut dar. Trotzdem wird ihre Wirksamkeit immer wieder in Frage gestellt. So stellte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Corona-Warn-App in einem Zeitungsinterview als Flop da.

Landesgesundheitsminister sieht weiter "Verbesserungsbedarf"

Auch Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) sprach am Mittwoch rückblickend von einem holprigen Start, betonte aber auch Verbesserungen. "Ich habe heute gehört, das RKI hat hochgerechnet, dass über 100.000 Infektionen oder Infektionsketten hätten verhindert werden können", sagte er. Dennoch ist etwa der fehlende Anschluss zu den Gesundheitsämtern für Lucha ein "Makel".

Er sehe daher im Vergleich mit der Luca-App "Verbesserungsbedarf". Auch dass die durch die Luca-App bekannte "Check-In-Funktion" spät integriert wurde, sorgte nicht nur bei Fachleuten für Kritik. Mittlerweile warnt die Corona-Warn-App auch europaweit, sie fungiert aktuell auch als digitaler Impfpass.

Steigerungspotential im Rhein-Neckar-Kreis

Konkrete Zahlen zur Wirksamkeit der App, die auch in der Anwendung selbst präsentiert werden, widersprechen der These vom "Totalausfall". Danach haben inzwischen knapp eine halbe Million Menschen über die App andere Personen vor einer gefährlichen Risiko-Begegnung gewarnt. Dadurch wurden nach Angaben aus Regierungskreisen in über 200.000 Fällen Infektionsketten unterbrochen.

Nach Angaben von Anne Kühn, der stellvertretenden Leiterin des Gesundheitsamt Rhein-Neckar-Kreises, habe man seit März 2020 gut 78.500 PCR-Tests gemacht. Davon seien knapp 900 Personen aufgrund einer Warnmeldung in der Corona-Warn-App gekommen, das entspräche einer Quote von 1,6 Prozent.

Die Zahl der relevanten Warnungen könnte aber noch viel höher sein, wenn alle Anwenderinnen und Anwender der App, die positiv getestet wurden, diese schlechte Nachricht auch in die App eintragen würden. Anfangs trauten sich aber nicht einmal 40 Prozent der Betroffenen, diese Alarmkette auszulösen.

Testergebnisse müssen konsequent geteilt werden

Bitkom-Präsident Achim Berg sagte, die App habe sehr wertvolle Dienste geleistet. Die Anwendung habe Menschenleben gerettet. Berg betonte, entscheidend sei, dass wirklich alle Nutzerinnen und Nutzer ihre Testergebnisse über die App teilen.

"Sie funktioniert, sie ist kostenlos und sie schützt die persönlichen Daten optimal."

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