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Wenn man an den Odenwald denkt, dann denkt man nicht unbedingt ans Radfahren. Aber: Das Städtchen Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis) hat beim bundesweiten Wettbewerb "Stadtradeln" trotzdem einen Sieg eingefahren. Und die Begeisterung fürs Radeln wächst.

Der Odenwald war bisher aus Radfahrersicht nur etwas für echte Sportskanonen mit trainierten Waden. Das Auto ist im ländlichen Neckar-Odenwald-Kreis immer noch unangefochten das Fortbewegungsmittel Nummer 1.  Bis Adelsheim vergangenes Jahr den bundesweiten Wettbewerb "Stadtradeln“ gewonnen hat .

In Adelsheim macht sich seitdem eine gewisse Radel-Begeisterung breit. Als "Radelsheim" war der Ort davor nicht bekannt. Eher für den dichten Autoverkehr in der viel zu schmalen Ortsdurchfahrt, dazu geht es dauernd rauf und runter.

Auch die junge Mutter Nelli Bauer dachte beim Thema Radfahren bisher immer eher, dass das nicht wirklich sein muss.

"Ich war selber keine Radfahrerin, vor allem mit einem Kleinkind und beim Einkaufen ist es doch mit dem Auto viel gemütlicher."

Nelli Bauer

Ein Adelsheimer Bürger hatte dann die Initiative zum "Stadtradeln“ ergriffen und das Thema beim Bürgermeister vorgebracht.

Stadtradeln Adelsheim (Foto: Privat)
"Stadtradeln"-Teilnehmer in Adelsheim Privat

Beim "Stadtradeln" geht es darum, welche Kommune bundesweit in einer bestimmten Zeit die meisten gefahrenen Fahrradkilometer zusammenbringt. Auch Bürgermeister Wolfram Bernhardt war sich unsicher, ob das in Adelsheim funktioniert. Auch wenn ihn das Projekt direkt begeistert hat - und das gerade in der Corona-Zeit.

"Andererseits war ich sehr skeptisch, eben wegen der geografischen Lage. Würden die Menschen hier mit Begeisterung die Berge rauf und runter fahren wollen?“

Adelsheims Bürgermeister Wolfram Bernhardt

Über 100.000 Kilometer kamen zusammen

Ja, wollten sie:  Am Ende räumte das kleine Adelsheim zwischen Berg und Tal gleich den Sieg in der Kategorie der Kommunen unter 10.000 Einwohner ab. Rund 400 Adelsheimer erradelten satte 100.000 Kilometer. Neben Sport und Spaß und dem Gemeinschaftserlebnis hatte das gleich noch nützliche Effekte: Die Adelsheimer erkannten, wo es in Sachen Fahrradinfrastruktur hakt.

"Wir haben gemerkt, dass es noch nicht genug Ladestationen und Abstellplätze für E-Bikes gibt."

Nelli Bauer

Auch eigene Fahrradstraßen könnten sich die Adelsheimer vorstellen, jetzt, wo sie auf den Geschmack gekommen sind. Das alles wird langfristig angegangen. Wenn erstmal die Ortsumfahrung fertig ist, kann die Kommune auch innerörtlich ganz neu planen, sagt der Bürgermeister. Ganz unabhängig davon beobachtet er aber, wie seit dem vergangenen Jahr immer mehr Menschen in der Region per Fahrrad unterwegs sind. Die E-Bikes hätten für einen unglaublichen Boom gesorgt, sagt er. Da seien auch Hügel und Berge gut machbar.

Stadtradeln Adelsheim (Foto: Privat)
Rasten muss auch beim Radeln erlaubt sein Privat

Adelsheim wieder am Start

Ehrensache also auch, dass Adelsheim in diesem Jahr wieder beim "Stadtradeln" dabei sein wird: Am 22. Mai fällt der Startschuss. Obwohl die Stadtverwaltung eng besetzt ist und sich nicht wirklich um das ganze Drumherum kümmern kann.

"Umso mehr habe ich mich gefreut, dass wir inzwischen so begeisterte Radfahrer in der Stadt haben, und denen das Thema so wichtig ist, dass sie uns die gesamte Organisation abnehmen!“

Adelsheims Bürgermeister Wolfram Bernhardt

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