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Eigentlich gilt Heidelberg als eine der Fahrradstädte überhaupt. Doch es formiert sich eine Bürgerinitiative, die mehr will - mehr Platz, mehr Fahrrad und vor allem eine Verkehrswende.

Dominic Egger ist leidenschaftlicher Fahrradfahrer. In Nicht-Corona-Zeiten pendelt er mit dem Fahrrad von Heidelberg nach Mannheim. Nur hat sich für ihn etwas geändert, seitdem er seine kleine Tochter jeden Tag in die Kita bringt. Sie sitzt hinten im Fahrradanhänger. Seitdem fällt Dominic Egger auf, wie wenig Platz er und sein Kind auf der Straße haben.

"Es ist ziemlicher Stress, wenn ich weiß, dass meine Tochter hinten drin ist und ein Lkw an uns vorbei donnert."

Dominic Egger, Fahrradfahrer und Sprecher des Heidelberger Radentscheids

Schmale Radwege und unübersichtliche Verkehrsführung - auch in Heidelberg

Die Probleme sind bekannt: Auch in Heidelberg sind viele Fahrradwege zu schmal, enden im Nichts, sind manche Kreuzungen unübersichtlich. Auf dem zehnminütigen Weg zur Kita begegnet Egger zum Beispiel auch die Kombination aus Fahrradweg in beide Richtungen plus Fußweg und Bushaltestelle auf geschätzten zwei Metern Breite. Die macht eigentlich allen das Leben schwer: Wer in den Bus will, fühlt sich von den Radlern gestört, die Radfahrer müssen sich um Fußgänger, den Bus und andere Radfahrer schlängeln.

Bushaltestelle, Zwei-Wege-Radweg und Bürgersteig in einem - Das kann nur Ärger geben, findet Dominic Egger. (Foto: SWR)
Bushaltestelle, Zwei-Wege-Radweg und Bürgersteig in einem - Das kann nur Ärger geben, findet Dominic Egger.

Auch wenn es Radschutzstreifen gibt, sind die oft zu schmal und nur durch gestrichelte Linien markiert. Viele Autofahrer sind sehr eng an der Linie unterwegs. Das heißt, dass sie die Radfahrer meistens viel enger überholen, als sie eigentlich dürften.

"Mich stört, dass dieser sogenannte Radschutzstreifen eigentlich keinen Schutz bietet, sondern eher ein Radgefährdungsstreifen ist."

Dominic Egger, Fahrradfahrer und Sprecher des Heidelberger Radentscheids

Radentscheid Heidelberg soll Grundsatzentscheidung werden

Deswegen formiert sich Widerstand: weniger Auto, mehr Fahrrad soll es werden. Die Aktivisten vom Radentscheid möchten aber nicht nur mehr Radschutzstreifen - sie wollen eine Verkehrswende. Das heißt, eine andere Fahrradinfrastruktur, sichere Kreuzungen, eine bauliche Trennung von Fuß-, Rad- und Autospuren.

Ein schmaler Fahrradweg mit gestrichelter Linie, die Autos fahren eng vorbei. (Foto: SWR)
Ein schmaler Fahrradweg mit gestrichelter Linie, die Autos fahren eng vorbei.

Die Aktivisten wollen, dass Heidelberg zu einer "richtigen" Fahrradstadt wird, sich an fahrradfreundlichen Städten wie Kopenhagen, Utrecht oder Amsterdam orientiert. Dominic Egger zitiert dazu eine Studie der Universität Kassel aus dem Jahr 2020. Demnach gibt die Stadt Heidelberg pro Jahr und Bürger sechs Euro für die Fahrradinfrastruktur aus. Für das Auto sind es 240 Euro. Ein klares Missverhältnis, findet Egger.

Stadt Heidelberg engagiert sich für Fahrradfahrer

Die Stadt Heidelberg weist darauf hin, dass man gerade im Fahrradklimaindex des ADFC auf dem dritten Platz gelandet ist. Auch dort zeigt man sich engagiert:

"Wir arbeiten täglich daran, dass das Fahrradfahren in Heidelberg noch komfortabler, schneller und sicherer wird. Die Ergebnisse weisen aber auch Schwachstellen auf, die wir noch verbessern müssen. Hier sind wir dran: beispielsweise mit neuen Radverbindungen, Radschnellwegen, Fahrradparkhäusern und vielem mehr."

Raoul Schmidt-Lamontain, Bürgermeister Heidelberg

Auch Dominic Egger sagt, dass das Klima bezüglich Radfahren in Heidelberg positiv sei. Der Radentscheid soll die Debatte um Fahrrad, öffentlichen Raum und die Lebensqualität anfachen, sagt er. Bald wollen er und seine Mitstreiter beginnen, Unterschriften für den Radentscheid zu sammeln.

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