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Verstopfte Straßen, Stau und jede Menge rote Ampeln – in der Stadt ist das der Normalzustand. Kein Wunder, dass Firmen oft lieber Fahrradkuriere einsetzen.  Schneller als das Auto – aber auch nicht ungefährlich. Sandro Saravania aus Mannheim erlebt das jeden Tag.

Radlerhose und Shirt, Handschuhe, Helm, Rucksack und natürlich das Fahrrad: Das ist die Arbeitsausrüstung von Sandro Saravania. Seit zwei Jahren ist der 45-Jährige als Fahrradkurier in Mannheim unterwegs - und er kennt die Straßen vermutlich besser als die meisten Autofahrer.

Konzentration als Lebensversicherung

Egal ob Briefe, Dokumente, kleine Päckchen oder sogar Blutproben – Sandro liefert alles in Rekordzeit aus. Dass es für ihn in der Großstadt schnell mal gefährlich werden kann, ist ihm natürlich bewusst. Hochkonzentriert zu sein ist seine Lebensversicherung.

"Es gibt jeden Tag Situationen, bei denen es brenzlig werden kann. Ich versuche immer Blickkontakt zu den Autofahrern aufzunehmen, um festzustellen, ob die mich sehen. Das ist nicht ohne."

Sandro Saravania, Fahrradkurier in Mannheim

Erhöhte Unfallgefahr in den Quadraten

Vor allem in den Mannheimer Quadraten ist das Fahrradfahren für Sandro oft ein Problem. Die meisten Straßen dort sind Einbahnstraßen - aber nur für Autofahrer. Fahrradfahrer haben oft in beide Richtungen freie Fahrt - und bei den engen Straßen kann es schnell mal zu einem Zusammenstoß kommen.

Genau das ist Sandro schon passiert. Der Autofahrer hatte ihn und sein Fahrrad einfach übersehen. Verletzt hat sich Sandro wie durch ein Wunder nicht, trotzdem fährt er seitdem noch vorsichtiger.

"Andere schauen bis zur nächsten Ecke. Ich schaue fünf Ecken weiter."

Sandro Saravania, Fahrradkurier in Mannheim

Laut der jüngsten Erhebung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs belegt Mannheim in der Rangliste der fahrradfreundlichsten Städte in Baden-Württemberg den sechsten von 26 Plätzen. Trotzdem reicht es in der Gesamtbewertung nur für die Schulnote 3,9. Sandro findet, dass das besser werden muss.

Manche Radwege enden im Nichts

Seiner Ansicht nach sollte die Stadt mehr für den Ausbau der Fahrradwege tun. "Viele hören irgendwann einfach auf", sagt er – "und manche sind schon 50 Jahre alt, genauso alt wie die Löcher im Fahrradweg." Um sich selbst zu schützen, steigt er nie ohne Fahrradhelm aufs Rad - und fährt immer mitten auf der Straße, wenn es mal keinen Fahrradweg gibt.

"Sobald die Autos versuchen, Dich zu überholen", erzählt Sandro, "drücken die Dich an die parkenden Autos. Oder einer macht plötzlich die Tür auf. Dann kann man als Fahrradfahrer nichts mehr machen."

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