Rainer Siefert musste seine Bäckerei in Nußloch schließen.  (Foto: SWR)

Fehlender Nachwuchs

Bäckerei-Sterben trifft Nusslocher Traditionsbetrieb

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Bei Bäcker Rainer Siefert ist der Ofen aus: Nach 122 Jahren schließt er seinen Betrieb in Nußloch für immer. Kein Einzelfall, denn immer mehr Bäcker finden keine Nachfolger. 

Die Trauer bei den Kunden ist groß: lange hat Rainer Siefert händeringend nach einem Nachfolger für seinen Handwerksbetrieb gesucht, aber mit seinen 59 Jahren muss der Bäcker jetzt aufgegeben.  

Nußloch: Bäckerei schließt (Foto: SWR)
Rainer Siefert musste seine Bäckerei in Nußloch schließen, weil er keinen Nachfolger gefunden hat

Arbeitsbedingungen als Grund  

Mitten in der Nacht aufstehen, sechs Tage die Woche arbeiten und das zehn Stunden pro Tag - für Bäcker Siefert war das nicht mehr zu leisten. Mittlerweile, sagt er, wollen auch Azubis nicht mehr zu diesen Konditionen arbeiten.

Niemand will mehr Bäcker sein 

Laut dem Obermeister der Bäckerinnung Rhein-Neckar-Odenwald, Peter Schlär, ist der fehlende Nachwuchs das größte Problem für die Betriebe. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks gib es zurzeit rund 10.000 Handwerksbäckereien in Deutschland - aber gerade mal 4.744 Lehrlinge wollten dort im Jahr 2021 noch das Backen lernen.

Gute Geschäfte trotz Bäckerei-Sterben

Obwohl viele Betriebe Zukunftssorgen haben, läuft das Geschäft gut. Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks erwirtschafteten die Bäckereibetriebe im Jahr 2021 rund 15 Milliarden Euro Umsatz. Außerdem investierten die Inhaber rund 500 Millionen Euro in ihre Backstuben. Eigentlich ist es eine Branche mit Zukunft: Brot ist nach wie vor ein beliebtes Grundnahrungsmittel - und jährlich isst jeder Deutsche im Schnitt rund 56 Kilogramm davon, am liebsten Mischbrote in Kastenform. 

Rainer Siefert musste seine Bäckerei in Nußloch schließen, weil er keine Mitarbeiter finden konnte.  (Foto: SWR)
Traditionelle Bäcker wie Rainer Siefert haben gegen Großbäckereien kaum eine Chance

Kleine Bäckereien haben das Nachsehen

Kleine Bäckereien können von der hohen Nachfrage aber kaum profitieren: Ein Großteil der Brote wird in nur wenigen Großbäckereien gebacken – in großen Massen und zu niedrigeren Stückpreisen. Damit sorgen die Industriebäckereien für rund 70 Prozent des Umsatzes im Gegenwert von 10,5 Milliarden Euro. Laut Innungsmeister Schlär können die vielen kleinen Handwerksbäckereien damit nicht konkurrieren. Für sie bleibe so nur ein kleines Stück des Gewinn-Kuchens übrig.  

Trends bestimmen Zukunft der Bäcker 

Trotzdem traten im vergangenen Jahr deutschlandweit 388 neue Handwerksbäckereien den Bäckerinnungen bei. Viele werden von jungen Bäckern mit neuen Konzepten und Rezepten geführt. Sie arbeiten kundennah und backen häufig tagsüber in gläsernen Backstuben.

"Wenn traditionelle Bäckereien überleben wollen, müssen sie sich an diese Trends anpassen."

Überleben können kleine Bäckereien aber dauerhaft nur, wenn sie einen Nachfolger finden. Bei Rainer Siefert ist deshalb seit wenigen Tagen der Ofen aus. Und mit ihm verliert die Region einen weiteren leidenschaftlichen Handwerker.

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