Unverkaufte Feuerwerksraketen liegen in den Lagern (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christophe Gateau)

Polizei zieht positive Silvesterbilanz

Pyrotechnikspezialisten in Mannheim und Wiesloch kämpfen ums Überleben

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Auch 2021 durften in Deutschland keine Böller verkauft werden. Für Fachhändler aus der Region ist das eine finanzielle Katastrophe. Sie kämpfen ums Überleben.

Die Lagerhalle der Mannheimer Feuerwerksspezialisten "Pyrotechnik im Quadrat" ist gut gefüllt. Kartons stapeln sich überall und teilweise fast bis zur Decke. Auf den Kisten stehen klangvolle Namen, wie "Himmelstürmerraketen", "Crackling Monster", "Brokatsterne mit roten Blinkern" oder "Blue Thunder". Die Böller, Feuerwerksbatterien und Raketen sei man wegen des Verkaufsverbots nicht los geworden, sagte der Inhaber von "Pyrotechnik im Quadrat", Florian Gokel.

"Jetzt sitzen wir auf mehreren Tonnen Feuerwerk und wissen nicht, wohin damit. Das ist ein Drama für uns und die gesamte pyrotechnische Branche."

Ohne staatliche Unterstützung droht Insolvenz

Die Mannheimer Pyrotechnikspezialisten sind auch für Events, Hochzeiten oder Stadtfeste buchbar. Sie haben in früheren Jahren unter anderem das Feuerwerk beim Mannheimer Schlossfest gestaltet. Den Großteil der Raketen und Böller im Lager kann Florian Gokel aber nicht für professionelle Shows verwenden, sollten diese denn überhaupt stattfinden. Raketen und Böller werden bei professionellen Feuerwerken nicht verwendet.

"Wenn es keine staatliche Unterstützung gibt, dann wird ein Großteil der Branche insolvent gehen."

Krankenhäuser sollten nicht zusätzlich belastet werden

Bundesregierung und Bundesrat hatten das Verkaufsverbot von Feuerwerk mit der mutmaßlich hohen Verletzungsgefahr begründet. Die Krankenhäuser sollen mitten in der Pandemie nicht noch durch Unfälle mit Feuerwerkskörpern zusätzlich belastet werden. Florian Gokel konnte das nicht nachvollziehen. Viele Menschen hätten sich jetzt ihr Feuerwerk im Ausland oder im Internet bestellt. Das sei viel gefährlicher.

"Die Feuerwerkskörper aus Osteuropa sind hochexplosiv. Durch ein Verkaufsverbot für Feuerwerk in Deutschland kommt es meines Erachtens zu mehr Verletzungen."

Genauso sieht das der Bundesverband für Pyrotechnik. Bei zugelassenem Silvesterfeuerwerk seien ernst zu nehmende Verletzungen nahezu auszuschließen. Der Geschäftsführer eines weiteren Pyrotechnik-Spezialisten aus Wiesloch, der seit 50 Jahren für das Feuerwerk bei der Heidelberger Schlossbeleuchtung zuständig ist, äußert sich ähnlich. Thomas Fischer von "Beisel Pyrotechnik" schreibt in einer Mail, er halte das Verkaufsverbot für unsinnig und unbegründet.

Polizei zieht positive Silvesterbilanz

Die Polizei hat nach der Silvesternacht 2021 eine insgesamt positive Bilanz in der Region gezogen. Es habe lediglich mehrere Körperverletzungen, Trunkenheitsdelikte und Lärmbelästigungen gegeben. In Frankenthal (Rheinland-Pfalz) wurde am frühen Neujahrsmorgen bei einem Streit ein 24-Jähriger mit einer Glasflasche mehrfach ins Gesicht geschlagen und verletzt.

Alte Brücke in Heidelberg zeitweise gesperrt

In Mannheim-Sandhofen hat ein Unbekannter einen 27-Jährigen mit einer Flasche auf den Hinterkopf geschlagen und schwer verletzt. Die Alte Brücke in Heidelberg musste nach Angaben der Polizei in der Nacht für eine halbe Stunde gesperrt werden, weil sich zu viele Menschen dort aufhielten.

Siegfried Kollmar, Präsident des Polizeipräsidiums Mannheim teilte mit:

"Ich bin mit der Silvesternacht sehr zufrieden. Die Mitbürgerinnen und Mitbürger mussten zum Jahreswechsel erneut pandemische Einschränkungen hinnehmen. Erfreulicherweise zeigte der Großteil der Bevölkerung aber Verständnis für die geltenden Corona-Regelungen und startete verantwortungsvoll und umsichtig in das neue Jahr."

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