Das Amtsgericht in Weinheim. (Foto: SWR)

Cannabis, die "Liane der Geister" und Kokain

Weinheimer Arzt wegen Cannabis-Verschreibungen vor dem Amtsgericht

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Zu schnell Cannabis verschrieben, unrichtige Masken-Atteste ausgestellt, Drogen gekauft - das sind Vorwürfe, mit denen ein Weinheimer Arzt am Amtsgericht konfrontiert wird.

Der angeklagte Arzt bestreitet alle Vorwürfe. Es geht um viel für ihn: Der Staatsanwalt hat bei der Anklageverlesung bereits deutlich gemacht, dass er ein Berufsverbot als Strafe für möglich hält.

Bestellung über WhatsApp?

Einer der Vorwürfe lautet, der Arzt habe Cannabis auf Anforderung über den Messengerdienst WhatsApp verschrieben. Das hörte sich bei seinen ausführlichen Erklärungen anders an. Er habe grundsätzlich mit allen Patienten vor der Verschreibung persönlich gesprochen. Viele von ihnen kenne er schon jahrelang.

Einige jüngere Patienten hätten versucht, über WhatsApp Cannabis zu bestellen - das habe er aber nie ohne persönliche Prüfung verschrieben. Die Richterin wies ihn darauf hin, dass der Wortlaut der vorliegenden Chat-Protokollen anders wirke.

Vorwurf des Kokainkonsums zurückgewiesen

Den Vorwurf, Kokain gekauft zu haben, wies der Angeklagte weit von sich. In einem Chat ist vom Verkauf von Kokain an den Arzt die Rede. Dieser erklärte vor Gericht, er habe erst mit der Anklage von dem Vorwurf erfahren. Allerdings sagte ein Ermittler der Polizei aus, dass ein Drogentest den Konsum unter anderem von Kokain nachgewiesen habe. Der Polizist schilderte auch die ungeordneten Verhältnisse in der Praxis. Dort hätten Patientenakten überall herumgelegen.

Amtsgericht Weinheim (Foto: SWR)
Vor dem Amtsgericht Weinheim kämpft ein Weinheimer Arzt um seine berufliche Zukunft

Anklagepunkt: Unrichtige Atteste

Der Anklagepunkt unrichtige Atteste, um von der Maskenpflicht befreit zu werden, stützt sich ebenfalls auf Chat-Protokolle. Darin habe der Arzt einer Patienten geschrieben, sie könne ein entsprechendes Attest haben, er habe schon 40 davon ausgestellt.

"Liane der Geister" bestellt

Schließlich geht es in im Prozess auch noch um die verbotene Einfuhr einer Droge aus Südamerika. Dabei handelt es sich um psychoaktives Pflanzenmaterial einer Liane, das bei den Einheimischen zum Beispiel in Peru auch als "Liane der Geister" bekannt ist. Der Sud der Modedroge Ayahuasca führt zu einem psychedelischen Rausch. In Südamerika ist die Rausch-Liane traditionell und mittlerweile auch in den USA beliebt. Der Angeklagte gab an, die Droge in den Niederlanden aus fachlichem Interesse und Neugier bestellt zu haben. Er sei davon ausgegangen, dass es legal ist.

Spur bei Autobahnkontrolle

Die Vorwürfe gegen den Angeklagten waren aufgekommen, als die Polizei bei einer Autobahnkontrolle einen jungen Mann mit Cannabis ertappte, der Patient bei dem Arzt ist. Auf dessen Handy waren verdächtige Chat-Verläufe festgestellt worden, die zu Ermittlungen gegen den Arzt führten.

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