STAND

Die meisten Läden sind wegen der Corona-Gefahr geschlossen - Apotheken bleiben geöffnet. Weil sie unverzichtbar sind. Aber auch für sie hat die Corona-Krise einiges durcheinander gewirbelt, erzählt der Oftersheimer Apotheker Tobias Ober.

Hinterm Spuckschutz: Der Oftersheimer Apotheker Tobias Ober (Foto: SWR)
Hinterm Spuckschutz: Der Oftersheimer Apotheker Tobias Ober

Den Umgang mit kranken Menschen ist der Apotheker Tobias Ober gewohnt. Dennoch hat ihn die Corona-Krise gezwungen, seine Mozart-Apotheke in Oftersheim (Rhein-Neckar-Kreis) räumlich und organisatorisch neu einzuteilen. Nur noch zwei Kunden dürfen gleichzeitig in der Apotheke sein, zwischen ihnen und dem Personal wurden Spuckschutz-Vorrichtungen aus Holz und Plexiglas montiert. Die Mitarbeiter wurden in zwei Teams eingeteilt, die sich nicht mehr begegnen - so ist gewährleistet, dass der Betrieb selbst dann weitergehen könnte, wenn ein Corona- oder Quarantänefall beim Personal auftreten würde.

Corona auch in Apotheken beherrschendes Thema

Dass das Virus zum Gesprächsthema Nummer eins bei der Kundschaft wurde, ist logisch – und wirkt sich direkt auf das Geschäft aus. Als etwa im Internet darüber diskutiert wurde, ob man bei einer Corona-Infektion lieber Paracetamol als Ibuprofen nehmen sollte, setzte sofort ein Run auf Paracetamol-Präparate ein, ähnlich wie zuvor auf Mundschutz-Artikel und Desinfektionsmittel.

Hamsterkäufe auch bei Medikamenten

Und auch andere Medikamente sind plötzlich gefragter denn je: Solche,, die die Menschen ohnehin brauchen, jetzt aber gleich mal in größeren Mengen mitnehmen, Hamsterkäufe also auch hier. Das steigert zwar kurzfristig den Umsatz der Apotheke, aber: Dieser Effekt wird sich laut Ober bald wieder abschwächen, weil dann erst die Vorräte aufgebraucht werden.

Mehr Service soll unnötige Sozialkontakte vermeiden

Deutlich ausgebaut hat der Apotheker wegen der Corona-Krise den Service, den sein Team den Patienten bieten will: Um den Patienten den Weg zum Arzt und zur Apotheke zu ersparen, haben sich Mediziner und Apotheker im Ort zusammengetan. Der Arzt übermittelt das Rezept, der Botendienst der Apotheke bringt das Medikament zum Patienten nach Hause. So vermeidet man unnötige Sozialkontakte.

Dauer

Lieferengpässe durch Corona-Krise noch verschärft

Voraussetzung ist allerdings, dass die benötigten Arzneimittel auch lieferbar sind. Denn die ohnehin bestehenden Engpässe bei der Produktion im Ausland wirken sich nun immer stärker aus. Allein Obers Apotheke fehlen derzeit fast 300 Artikel. Deshalb hat er ständig den Bildschirm mit seiner Mängelliste im Blick, damit er sofort reagieren kann, wenn der Großhandel mal wieder eine neue Lieferung anbietet. Inzwischen sind die Großhändler angehalten, die Zuteilung zu kontingentieren. Selbst wenn Ober etwa fünf Packungen bräuchte, kann es sein, dass nur eine bekommt.

Für betroffene Patienten heißt das im besten Fall, dass sie ein Ersatzmedikament nehmen müssen. Andernfalls muss der Apotheker oder der Patient den Arzt konsultieren, damit der die Therapie entsprechend anpasst.

STAND
AUTOR/IN