Ein Statement in Zeiten des Krieges

Ukrainische Software-Programmierer kehren aus Heidelberg zurück in ihre Heimat

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Als der Krieg gegen die Ukraine begann, hat das IT-Unternehmen Ameria seinen ukrainischen Programmierern angeboten, nach Heidelberg zu kommen. Einige kehren jetzt in die Heimat zurück.

Nachdem Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, bot das Heidelberger IT-Unternehmen Ameria seinen ukrainischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an, mit ihren Familien nach Heidelberg zu kommen. 16 Mitarbeitende hatten das Angebot angenommen.

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Als der Krieg gegen die Ukraine begann, hat das IT-Unternehmen Ameria seinen ukrainischen Programmierern angeboten, nach Heidelberg zu kommen. Einige kehren jetzt in die Heimat zurück.  mehr...

Alarm und Bombeneinschläge in der Ukraine

Nun sind einige wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Wie die Situation der Rückkehrer ist, erfuhr Ameria-Geschäftsführer Albrecht Metter in einem Video-Anruf. Sein ukrainischer Mitarbeiter Artem schilderte die Lage. Seinen Nachnamen will der Programmierer lieber nicht nennen. Aber als sein Chef in fragt, wie es ihm seit der Rückkehr in die Ukraine ergangen ist, redet er ganz offen.

"Es ist ok für mich. Aber immer wieder gibt es Alarm. Kurze Zeit, nachdem ich wieder in Kiew war, gab es vier Bombeneinschläge. Gerade mal drei Kilometer weit weg von meiner Wohnung."

Klar habe er manchmal Angst, meint Artem. Aber dennoch bereue er es nicht, zurückgekehrt zu sein. Auch wenn er Heidelberg, wo er nach Ausbruch des Krieges einige Wochen gelebt hat, durchaus vermisse.

Rückkehr in die Ukraine war eine Familienentscheidung

Die Entscheidung, wieder in die Heimat zurückzugehen, hat die Familie gemeinsam getroffen. Die ältere Tochter möchte ihren Schulabschluss lieber dort machen. Und sie haben das Glück, dass in der Gegend, in der sie wohnen, noch alles steht.

Das Heidelberger IT-Unternehmen Ameria hat insgesamt 64 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Hälfte von ihnen kommt aus der Ukraine. Dass einige der ukrainischen Programmiererinnen und Programmierer, die nach Heidelberg gekommen waren, wieder nach und nach in ihre Heimat zurückkehren, hat ihr Chef akzeptiert. Meist seien es persönliche Gründe, die dazu führten, etwa die Schule oder pflegebedürftige Eltern.

Täglicher Kontakt zwischen Heidelberg und der Ukraine

Die Teams in Deutschland und in der Ukraine sind täglich in Kontakt miteinander. Wenn die Kolleginnen und Kollegen nicht rangehen, checken sie in der Heidelberger Firmenzentrale, ob es wieder Luftangriffe gibt. Dass ein Teil von ihnen in einem Land im Kriegszustand Software programmiert, scheint niemand als Zumutung zu empfinden. Im Gegenteil. Die Arbeit helfe dabei, über die traumatisierenden Ereignisse hinweg zu kommen.

"Wir stehen felsenfest zu unseren Freunden in der Ukraine. Und für mich ist es das Kleinste, was man tun kann, dass wir so viel Normalität im Arbeitsleben haben, wie es nur irgendwie geht."

Mitarbeiter des ukrainischen Unternehmens AMERIA vor Touchscreens (Foto: SWR)

Zusammenarbeit mit Heidelberg: Das ukrainische Internet läuft perfekt

Das Heidelberger Unternehmen Ameria ist eine IT-Firma, die weltweit führend ist in der Programmierung von Touch-Points, also interaktiven Bildschirmen, wie man sie beispielsweise auf Messen oder in Showrooms einsetzt. Ein Teil des Erfolgs verdankt das Unternehmen seinen ukrainischen Programmierern. Und die arbeiten auch in diesen schweren Zeiten weiter wie bisher. Bisher habe es noch keinen Internetausfall seit Beginn des Krieges gegeben, sagt Geschäftsführer Metter. Es gebe in allen nicht-besetzten Territorien der Ukraine Highspeed-Internet.

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SWR