Der angeklagte Vater vor Gericht (Foto: SWR, Johannes Zinßmeister)

Landgericht Darmstadt Mordprozess gegen Eltern aus Mörlenbach: Schock über Tatwaffen

Ein Ehepaar aus Mörlenbach (Südhessen) steht seit einem Monat vor Gericht, weil es seine beiden Kinder umgebracht haben soll. Anschließend sollen die Eltern versucht haben, sich selbst zu töten.

Der Vater hatte am vergangenen Prozesstag eingeräumt, seine Kinder getötet zu haben. Die Eltern wurden in der Garage gefunden, als sie mutmaßlich dabei waren sich mit Autoabgasen selbst zu töten. Der Prozess ist am Mittwoch unter anderem mit den Aussagen von Ärzten fortgesetzt worden. Bei dem Ehepaar habe zunächst der Verdacht auf Kohlenmonoxidvergiftung bestanden, berichtet einer der beiden Notärzte, die den Angeklagten und dessen Frau am Tattag als erstes untersucht hatten. Diese Einschätzung habe nahegelegen, weil das Paar in einem in der Garage abgestellten Auto gefunden worden sei, dessen Motor lief.

Keine äußeren Anzeichen von Vergiftung

Äußerlich sichtbare Anzeichen einer Vergiftung hätten beide jedoch nicht gezeigt, so einer der Notärzte. „Menschen, die eine Kohlenmonoxidvergiftung haben, sehen anders aus“, betonte der Arzt. Bei einer ersten Untersuchung habe die Sauerstoffsättigung des Mannes im noch normalen Bereich gelegen, auch ein EKG (Elektrokardiogramm) habe keine Auffälligkeiten gezeigt. „Seine Vitalparameter waren so weit in Ordnung“, erläuterte der Notarzt.

Ein Arzt aus dem Klinikum Mannheim, in das die Eheleute gebracht worden waren, berichtet, die Frau habe bei der Einlieferung „in erheblich größerem Umfang desorientiert gewirkt" als der Mann. Allerdings hätten Untersuchungen des Blutes beider Angeklagter keine deutlich erhöhten Kohlenmonoxidwerte gezeigt. Beide Konzentrationen hätten sich in einem Bereich bewegt, den auch das Blut von Rauchern aufweisen würde.

Haus in Mörlenbach im Kreis Bergstraße mit Rußspuren an der Fassade (Foto: SWR, Silas Stein)
Ruß-Spuren am Haus in Mörlenbach, in dem die zwei toten Kinder geborgen wurden Silas Stein

Tatwerkzeuge: Jagdmesser und Hammer

Für entsetztes Raunen sorgte im Landgericht der Anblick der mutmaßlichen Tatwerkzeuge. Der angeklagte Familienvater soll seine Kinder mit einem Jagdmesser sowie einem Zimmermannshammer getötet haben. Allein das als „dolchähnlich“ beschriebene Messer verfügt über eine Klingenlänge von etwa 22 Zentimetern.

War die Mutter am Mord beteiligt?

Eine Expertin sagte vor Gericht aus, dass an einem Paar Schuhe, das der Mutter gehöre, Blutspuren gefunden worden seien. Zudem habe eine Untersuchung „Hinweise“ darauf ergeben, dass das Blut am rechten Schuh dem Sohn, am linken Schuh der Tochter zuzuordnen sei. Auch an einem Shirt der Frau sei Blut der Kinder gewesen. Am Hammer sei ferner ein Abdruck ihrer linken Hand gefunden worden, es sei jedoch unklar, wann er dorthin gelangte. Dies könne auch vor der Tat geschehen sein. Wie das Blut an die Sachen gekommen ist, ist ebenfalls unbekannt.

Angeklagter hat angeblich große Erinnerungslücken

In seinem Geständnis hatte der Angeklagte den Anschein erweckt, seine Kinder allein getötet zu haben. Wegen großer Erinnerungslücken könne er sich jedoch an Details nicht erinnern, sagte er damals. Eine Psychologin erläuterte, dass der Mann aktuell nicht selbstmordgefährdet sei.

Hohe Schulden

Hintergrund der Tat soll laut Staatsanwaltschaft eine drohende Zwangsvollstreckung des Wohnhauses gewesen sein. Eine Polizistin gab vor Gericht an, dass die Eheleute zum Schluss insgesamt 19 Bankkonten besessen hätten. Bis auf fünf Konten seien alle "tief im Minus" gewesen. Noch am Todestag der Kinder habe es eine Überweisung an beide vom Vater gegeben. Der Betreff: "Danke für das Zeugnis".

Der Prozess wird am 8. Mai 2019 fortgesetzt.

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