Umstrittener Bluttest gegen Brustkrebs Uniklinikum Heidelberg zieht erste personelle Konsequenzen

Das Uniklinikum Heidelberg zieht nach dem Skandal um den Bluttest zur Brustkrebs-Früherkennung erste personelle Konsequenzen. Ein Geschäftsführer einer Tochterfirma des Klinikums wurde freigestellt.

Der Vorstand des Uniklinikums stellte Markus Jones von seinen Ämtern frei, und zwar, wie es auf Anfrage des SWR hieß, widerruflich. Das heißt, die Freistellung kann auch wieder zurückgenommen werden. Das habe der Aufsichtsrat empfohlen.

Blut wird aus einer Pipette in ein Untersuchungsfläschchen gefüllt (Foto: SWR, Dagmar Kwiatkowski)
Blut wird aus einer Pipette in ein Untersuchungsfläschchen gefüllt. (Archivbild) Dagmar Kwiatkowski

Jones ist einer der drei Geschäftsführer der von der Uniklinik ausgegründeten Firma Technologie-Transfer Heidelberg, kurz TTH. Zunächst hatte die Rhein-Neckar-Zeitung über die Freistellung berichtet.

Uniklinikum Heidelberg schweigt zu konkreten Vorwürfen

Der Jurist Jones leitet im Uniklinikum Heidelberg die Abteilung Recht und Drittmittelmanagement, außerdem ist er Stellvertreter der kaufmännischen Direktorin. Zu den konkreten Vorwürfen gegen Jones äußerte sich die Uniklinik nicht – mit Verweis auf den Arbeitnehmerschutz. Sie hat wegen der Vorgänge um die Veröffentlichung des umstrittenen Bluttests eine Untersuchungskommission beauftragt.

TTH ist an Heiscreen beteiligt

Die TTH ist für Ausgründungen von Unternehmen aus dem Klinikum zuständig und gehört mehrheitlich dem Klinikum. Sie ist an der für die Vermarktung des Bluttests gegründeten Heiscreen GmbH beteiligt.

Umstrittene PR-Kampagne für Brustkrebs-Bluttest

Hintergrund ist eine umstrittene PR-Kampagne des Chefs der Frauenklinik, Christof Sohn, zu einer vermeintlich schon marktreifen Krebsfrüherkennungs-Methode für Brustkrebs. Kritiker hatten ihm vorgeworfen, viel zu früh und entgegen wissenschaftlichen Gepflogenheiten an die Öffentlichkeit gegangen zu sein und bei Frauen womöglich falsche Hoffnungen geweckt zu haben. Sohn hält ebenfalls Anteile an der Heiscreen GmbH.

Wissenschaftsministerium begründet Freistellung

Das Wissenschaftsministerium verwies zur Begründung auf die Funktionen von Jones: Er ist ehemaliger Geschäftsführer von Heiscreen und bisher Geschäftsführer TTH sowie Geschäftsbereichsleiter Recht und Drittmittelmanagement der Klinik. Er sei in die aktuelle Aufklärung der Sachverhalte verwoben, daher könnten Interessenskonflikte bestehen, betonte das Ministerium. Strafrechtlich relevante Gründe sehe der Vorstand aber nicht.

Keine Ermittlungen gegen früher beteiligte Wissenschaftlerin

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat nach Angaben vom Montag ihre Ermittlungen gegen eine einst mit dem Bluttest befasste Wissenschaftlerin eingestellt. Ein Vorstandsmitglied der Uniklinik hatte der an der Klinik angestellten Frau Verleumdung vorgeworfen. Er habe kein strafrelevantes Verhalten erkennen können, sagte der zuständige Staatsanwalt.

Ermittlungen wegen Wirtschaftskriminalität dauern an

Die Hauptkomplexe hingegen beschäftigen derzeit die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Mannheim - allerdings ist unklar gegen wen.

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