Protest Kohlekraftwerk Mannheim (Foto: SWR)

Umweltschutz in Baden-Württemberg Klimaaktivisten blockieren Kohlekraftwerk Mannheim

Klimaaktivisten sind am Samstag in das Areal des Kohlekraftwerks in Mannheim eingedrungen und haben stundenlang die Zufahrt blockiert. Sie fordern den sofortigen Kohleausstieg.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Die Aktion vom Bündnis "Ende Gelände" begann am frühen Samstagmorgen gegen 5:30 Uhr. Laut Aktionsbündnis und Polizei nahmen insgesamt rund 100 Aktivisten an dem Protest teil. Rund 40 Demonstranten blockierten den ganzen Tag über das Hauptzufahrtstor und protestierten mit Bannern und Schildern. Weitere Personen hielten sich auf dem Gelände auf. Einige von ihnen stiegen auch auf das Kohleförderband. Im Interesse der Sicherheit für die Aktivisten sei auf eine Räumung verzichtet worden, sagte der Kraftwerkssprecher. Der Protest endete gegen 18 Uhr nach Angaben der Polizei friedlich mit dem freiwilligen Abzug der Demonstranten.

Demonstranten wollten Versorgung unterbinden

Mit der Aktion wollten die Kohlegegner ihren Worten zufolge den Nachschub an Kohle für Block 9 unterbrechen. Für wie lange der Block Brennstoff hat, war demnach aber unklar. "Wir wollen so lange auf dem Förderband ausharren, bis der Block vom Netz muss", sagte der Bündnissprecher. Nach Angaben des Betreibers war "die Versorgung mit Strom und Fernwärme jederzeit sichergestellt". Es sei verzichtet worden, eine von den Aktivisten belegte Plattform zu räumen.

Demonstranten blockieren das Hauptzufahrtstor des Großkraftwerks Mannheim (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Uwe Anspach/dpa)
Demonstranten blockieren das Hauptzufahrtstor des Großkraftwerks Mannheim. picture alliance/Uwe Anspach/dpa

Ausstieg aus der Kohle gefordert

Die Klimaaktivisten fordern einen sofortigen Kohleausstieg und wollten mit ihrer Aktion eine Abschaltung des Kraftwerks erzwingen. Nach ihren Angaben ist das Großkraftwerk Mannheim (GKM) für rund acht Prozent der baden-württembergischen CO2-Emissionen verantwortlich. Auf Twitter fordert das Bündnis: "Legt das Großkraftwerk Mannheim endlich still!" Es sei das Steinkohlekraftwerk mit dem höchsten CO2-Ausstoß in Deutschland.

6,7 Mio. Tonnen C02 hat das Grosskraftwerk #Mannheim im letzten Jahr emittiert. Dazu Quecksilber, Stickstoffoxide, Schwefeldioxide, Feinstaub, Salzsäure und Arsen. Wir fordern das Abschalten der Dreckschleuder! #deCOALonize #by2020weriseup #GKMabschalten @Ende__Gelaende https://t.co/icxKVVxToY

Ein Sprecher des Bündnisses sagte, es sei traurig, dass man zu so drastischen Maßnahmen greifen müsse. Angesichts der Untätigkeit der Regierung sehe man sich allerdings dazu gezwungen. Das Zeitfenster, um die lebenserhaltende 1,5-Grad-Grenze noch einzuhalten, schließe sich dramatisch schnell. "Nur mit einem sofortigen Kohleausstieg können wir die Klimakatastrophe noch aufhalten", teilte das Bündnis mit.

Block 9 soll 2038 vom Netz

Der Block 9 des Großkraftwerks soll nach offiziellen Angaben 2038 vom Netz gehen. Es liefert Strom und versorgt im Rhein-Neckar-Raum rund 120.000 Haushalte mit Fernwärme.

Umweltschützer hatten in der Vergangenheit immer wieder den Betrieb des gigantischen Meilers kritisiert, das Kraftwerk als "Klimakiller" bezeichnet - und vergeblich dagegen geklagt. Betreiber sind die drei Energiekonzerne RWE (Essen), EnBW (Karlsruhe) und MVV (Mannheim). 2015 ging der 1,2 Milliarden teure Block 9 ans Netz. Er hat eine Leistung von knapp 2.150 Megawatt.

Nach über 12 Stunden Besetzung verabschieden sich die Aktivist*innen aus dem Grosskraftwerk #Mannheim mit einer klaren Botschaft: Kohleverstromung bleibt Investitionsrisiko. Das GKM muss sofort vom Netz! Dies haben wir heute deutlich gemacht. #GKMabschalten #endegelaende https://t.co/1HvaT65gge

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