Trotz günstiger Sozialprognose und Ausbildung Junger Afghane aus Ladenburg abgeschoben

Ein junger afghanischer Asylbewerber aus Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis) ist in einer Sammelabschiebung in sein Heimatland geflogen worden. Für die Behörden war der Mann ein Straftäter, sein Anwalt sagt, er sei gut integriert gewesen.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat auf SWR-Anfrage mitgeteilt, dass der Asylbewerber in die afghanische Hauptstadt Kabul ausgeflogen wurde. Laut Deutschlandfunk landete die Maschine mit 37 abgelehnten Asylbewerbern am Mittwochfrüh.

Ein Abschiebeflug (Archivbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Daniel Maurer/dpa)
Ein Abschiebeflug (Archivbild) picture alliance/Daniel Maurer/dpa

Sammelabschiebungen gibt es seit Dezember 2016. Politisch ist umstritten, ob sie angesichts der Sicherheitslage in Afghanistan zu verantworten sind.

Unterstützerkreis setzte sich für Afghanen ein

Ein Unterstützerkreis rund um den Grünen-Landtagsabgeordneten Uli Sckerl aus Weinheim und den "Arbeitskreis für Flüchtlinge" Ladenburg hat sich dafür eingesetzt, dass der junge Afghane in Deutschland bleiben kann. Das Innenministerium in Stuttgart hat das allerdings nach Angaben seines Heidelberger Rechtsanwalts Martin Heiming abgelehnt und auf die "erhebliche kriminelle Energie" des Asylbewerbers verwiesen. Die Leitlinie des Landes Baden-Württemberg ist, vor allem junge Straftäter abzuschieben.


Angepasst mit günstiger Prognose


Ausländerrechtlich sei die Abschiebung des Mannes zwar rechtmäßig, bestätigte Anwalt Martin Heiming dem SWR. Er hätte aber von Behördenseite aus einen genaueren Blick auf die Situation und die Prognose des jungen Mannes erwartet, der sich in Deutschland - nach einem einmaligen Vorfall im Jahr 2015 - angepasst und eingelebt habe. Es sei aus menschlichen Gründen unverständlich, dass eine Straftat so lange nachwirke. Es habe auch keine Notwendigkeit bestanden, die Duldung jetzt zu beenden, betonte Heiming gegenüber dem SWR.

picture allianceBoris Roesslerdpa (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Das Land Baden-Württemberg schiebt vor allem junge Ausländer ab, die straffällig geworden sind. Picture Alliance


Messerstecherei war der Knackpunkt


Der Mittzwanziger war 2015 in betrunkenem Zustand in eine Messerstecherei in einer Ladenburger Flüchtlingsunterkunft verwickelt gewesen. Dabei erlitten die Beteiligten durch ein Besteckmesser leichte Schnittwunden, so der Anwalt. Der Asylbewerber sei wegen Vollrauschs verurteilt worden, die Tat in das Strafregister eingetragen. Eine sogenannte Ausbildungs-Duldung war demnach aus ausländerrechtlichen Gründen nicht möglich. Die normale Duldung kennt keine bestimmte Dauer.

Überraschende Festnahme


Der Afghane war am Freitag überraschend im Landratsamt Heidelberg festgenommen worden. Er ist bereits gelernter Straßenbauer und macht zurzeit eine Ausbildung zum Rohrleitungsbauer beim Mannheimer Bauunternehmen Diringer und Scheidel. Seine Deutschkenntnisse seien überdurchschnittlich gut, sagen seine Unterstützer. Das Bauunternehmen hätte ihn nach deren Angaben auch weiter beschäftigt.

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