Deutsches Krebsforschungszentrum Gab es verbotene Tierversuche in Heidelberg?

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg steht wegen angeblicher illegaler Tierversuche am Pranger. Tierschützer haben jetzt Strafanzeige gegen mehrere Forscher gestellt.

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Der Verein "Ärzte gegen Tierversuche" wirft den Forschern vom DKFZ in Heidelberg vor, dass sie ohne Genehmigung des Regierungspräsidiums Karlsruhe mit Mäusen experimentiert haben. Hinzu kommt der Vorwurf der Tierquälerei. Das DKFZ hat eingeräumt, dass es versehentlich ungenehmigte Versuche gegeben habe und will daraus Konsequenzen ziehen.

Tierschützer fordern angemessene Strafe

Wegen des Todes von 76 Labormäusen fordern die Tierschützer jetzt eine Anklage und einen Prozess. "Wir fordern eine angemessene Strafe und hoffen, dass es zumindest vor Gericht geht - und nicht gleich eingestellt wird", sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende von "Ärzte gegen Tierversuche", Corina Gehrike.

DKFZ-Sprecherin Ina Wiest (Foto: SWR)
DKFZ-Sprecherin Ina Wiest

Beim DKFZ in Heidelberg schätzt man den Vorfall nicht als Skandal ein. Ina Wiest vom DKFZ sagte dem SWR, sie könne keinen Straftatbestand erkennen. Es habe jedoch formale Fehler gegeben, derer man sich bewusst sei. Als Konsequenz sollen in Heidelberg die Abläufe bei Tierversuchen nun verbessert werden. "Alle, die bei uns Experimente durchführen, werden jetzt noch einmal geschult. Außerdem haben wir die Tierhaltungsdatenbank optimiert, so dass sie automatische Hinweise gibt", so Ina Wiest.

"Wir brauchen Tierversuche"

Der Fall  rückt die gegensätzlichen Positionen von Tierversuchsbefürwortern und Tierversuchsgegnern wieder in den Fokus. Für Forscher am DKFZ sind Tierversuche unumgänglich, erklärt Stammzellenforscher Andreas Trumpp. "Wir brauchen Tierversuche, um die komplexen Prozesse, die im Körper ablaufen, besser zu verstehen", sagt er. Er selbst betont, nicht in diesen Fall verwickelt zu sein.

Labortiere im DKFZ in Heidelberg (Foto: SWR)
Labortiere im DKFZ in Heidelberg

Corina Gehrike von "Ärzte gegen Tierversuche" sieht das völlig anders. Sie sagt, Tierversuche seien nicht nur überflüssig, sie seien sogar kontraproduktiv, weil sie zu falschen Ergebnissen führen. "Tiere und Menschen," meint sie, "sind nicht vergleichbar." Mit menschlichen Zellen zu arbeiten, sei in der Krebsforschung effektiver.

Ball liegt beim Regierungspräsidium

Bis es in dem nun angeprangerten Fall nicht genehmigter Tierversuche zu einer Entscheidung des Regierungspräsidiums kommt, wird es einige Wochen dauern. Im DKFZ stuft man den Fall als weniger gravierend ein. "Wenn wir die Uhr zurückdrehen und wir würden den Antrag heute stellen, und zwar genauso, wie man ihn durchgeführt hat, dann gehen wir davon aus, dass er so genehmigt worden wäre", so Ina Wiest vom DKFZ.

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