Prozess am Mannheimer Amtsgericht Pflegeeltern bestreiten Misshandlungs-Vorwürfe

Ein Ehepaar aus dem Rhein-Neckar-Kreis soll seinen Pflegesohn brutal misshandelt haben. Der Prozess hat am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit begonnen. Beide Angeklagte bestreiten die Vorwürfe.

Beim Prozesssauftakt am Dienstag wurde lediglich die Anklage öffentlich verlesen, danach wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Begründung des Amtsgerichts: Damit sollen die Persönlichkeitsrechte des Jungen und der beiden Angeklagten geschützt werden.

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Die beiden 44 Jahre alten Pflegeeltern wiesen am ersten Prozesstag die Vorwürfe zurück. Das bestätigte ein Sprecher des Mannheimer Amtsgerichts dem SWR. Das Gericht vernahm unter anderem eine Ärztin, eine Kinderärztin, zwei Mitarbeiter des Mannheimer Jugendamtes und eine Krankenschwester als Zeugen.

Gefährliche Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener

Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener. Der dreijährige Junge soll offene Wunden, Knochenbrüche und eine Leberprellung erlitten sowie zu wenig Nahrung erhalten haben; auch seien ihm Haare ausgerissen worden. Das Jugendamt war auf die Misshandlungen aufmerksam geworden und holte den Jungen im September 2017 aus der Pflegefamilie heraus, in der er fast neun Monate lang gelebt hatte. Anschließend wurde er eineinhalb Wochen lang im Krankenhaus behandelt.

Sabrina Hausen, Anwältin der leiblichen Mutter des Jungen

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Im Vorfeld des Prozesses war bereits bekannt geworden, dass die Pflegemutter die Vorwürfe zurückwies. Das Kind sei gestürzt und habe zu wenig gegessen. Die Haare habe es sich selbst herausgerisssen. Ihr Mann hatte zunächst geschwiegen und dann einen Brief ans Gericht geschrieben, dessen Inhalt nicht öffentlich bekannt wurde. Der ebenfalls 44-Jährige soll von den Taten gewusst und sie durch unterlassene Hilfe gefördert haben. Mindestens einmal soll auch er den Jungen geschlagen haben.

Amtsgerichts-Sprecher Carra: Pflegedienst gab Hinweis

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Ehepaar hat zwei eigene Kinder

Das Paar hat selbst zwei leibliche Kinder, die 2006 und 2008 geboren wurden. Die leibliche Mutter des Opfers tritt im Prozess als Nebenklägerin an.

Das Strafmaß für gefährliche Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen liegt zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Freiheitsstrafe. Der Prozess wird am 19. Februar nichtöffentlich fortgesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich am 28. Februar verkündet; dann ist die Öffentlichkeit wieder zugelassen.

Psychologin: Keine hundertprozentige Sicherheit in Pflegefamilien

Die Psychologin Sarah Lisa Schalk vom Mannheimer Kinderschutzbund sagte dem SWR, eine hundertprozentige Sicherheit in solchen Fällen könne es nicht geben: "Wir werden immer Fälle haben, wo etwas schiefgeht."

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Jugendamt: Kind wurde regelmäßig Kinderarzt vorgestellt

Nach Angaben des zuständigen Mannheimer Jugendamtes wurde das Kind regelmäßig dem Kinderarzt vorgestellt und besuchte kontinuierlich den Kindergarten - ohne dass es Hinweise auf häusliche Probleme gegeben habe. Der am 13. September 2017 beim Jugendamt eingegangene Hinweis auf eine konkrete Kindeswohlgefährdung wurde sofort geprüft. Innerhalb von zwei Stunden sei der Junge in Obhut gekommen.

Bürgermeisterin: Pflegeeltern leisten generell wichtige Arbeit

Die zuständige Mannheimer Bürgermeisterin für Bildung, Kinder, Jugend und Gesundheit, Ulrike Freundlieb, zeigte sich betroffen angesichts des Falls und der Tatsache, dass die Gewalt nicht früher habe verhindert werden können. "Es ist sehr bedauerlich, dass durch Fälle wie dem aktuellen, dem Ruf und der Leistung von Pflegeeltern ein schlimmer Schaden zugefügt wird." Die Pflegeeltern in Mannheim und in der Rhein-Neckar-Region leisteten eine sehr wichtige und pädagogisch anerkannte Aufgabe.

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