Der angeklagte Vater vor Gericht (Foto: SWR, Johannes Zinßmeister)

Mordprozess am Landgericht Darmstadt Angeklagte Mutter sagt überraschend aus

Am Landgericht Darmstadt hat am Mittwoch überraschend die angeklagte Mutter der in Mörlenbach getöteten Kinder ausgesagt. Sie verlas mit wackliger Stimme eine Erklärung und bestritt darin eine Tatbeteiligung. Auch eine Tonbandaufnahme des Vaters sorgte für Erschütterung.

Der Prozess gegen ein Ehepaar aus Mörlenbach, das im Verdacht steht, seine beiden Kinder umgebracht zu haben, geht in die finale Phase. Überraschend hat die Mutter am Mittwoch eine Erklärung verlesen. Sie bestreitet, etwas mit der Tat zu tun gehabt zu haben. Auch von den massiven finanziellen Problemen in der Zahnarztpraxis, die ihrem Mann gehörte, habe sie erst spät erfahren.

Sie habe nie, auch nicht gemeinsam mit ihrem Mann, einen Plan gefasst, die Kinder zu töten.

"Dazu wäre ich nie in der Lage gewesen."

Angeklagte Mutter

Tonbandaufnahme legt andere Version nahe

Ein Polizist hat darüber ausgesagt, was der angeklagte Arzt noch aus dem Krankenbett heraus geäußert hatte. Dazu wurde ein Tonbandprotokoll abgespielt, auf dem zu hören ist, wie der Mann einen Satz mehrfach wiederholt.

"Meine Frau und ich haben die Kinder getötet."

Tonbandaufnahme des angeklagten Vaters

Immer wieder spricht der Familienvater auf dem Band zwar leise, aber mit fester Stimme von "Wir", was der vorherigen Aussage seiner Frau widerspricht. Und: Auch die beiden Kinder hätten dies so gewollt. Vor dem Tag der Räumung sei man gemeinsam in Frankfurt essen gewesen. Da sei allen klar gewesen, dass man das gemeinsame Heim nicht lebend verlassen werde.

"Man habe ein Gemetzel gemacht"

Er selbst habe sich die Tatausführung anders vorgestellt. Er sei Gesichtschirurg, deshalb habe er ein professionell-medizinisches Vorgehen bevorzugt. "Aber jetzt, in Anbetracht der Zeit, haben wir mehr oder weniger ein Gemetzel gemacht", so der Mann.

Diese aufgezeichnete erste Einlassung des Mannes widerspricht jener, die er im Gerichtssaal machte. Zu Prozessbeginn hatte der Arzt angegeben, seine Frau habe von der Tat nichts gewusst, er sei allein vorgegangen. Der Arzt äußert sich am Mittwoch nicht zu dem Tonbandgespräch.

Verhandlungsablauf war anders geplant

In der Verhandlung am Mittwoch sollte es auch um die Frage gehen, ob Autoabgase oder Medikamente dafür verantwortlich sind, dass die beiden Angeklagten benommen durch Einsatzkräfte am Tatort aufgegriffen wurden. Einer der am Tatort im Einsatz gewesenen Notärzte hatte vor Gericht ausgesagt, dass beide keine äußerlich sichtbaren Anzeichen einer Vergiftung gezeigt hätten.

"Menschen, die eine Kohlenmonoxidvergiftung haben, sehen anders aus."

Aussage behandelnder Notarzt (Landgericht Darmstadt)

Außerdem soll die Frage geklärt werden, ob der angeschuldigte Vater zum Zeitpunkt der ersten Befragung vernehmungsfähig war. Zudem soll eine Gerichtsmedizinerin als Zeugin befragt werden.

Geständnis am ersten Prozesstag

In seinem Geständnis am ersten Prozesstag hatte der angeklagte Vater eingeräumt, seine Kinder getötet und alleine gehandelt zu haben. Daran sind im Lauf der Verhandlung Zweifel aufgekommen, da auch an der Kleidung der Mutter Blutspuren entdeckt wurden.

Haus in Mörlenbach im Kreis Bergstraße mit Rußspuren an der Fassade (Foto: SWR, Silas Stein)
Ruß-Spuren am Haus in Mörlenbach, in dem die zwei toten Kinder geborgen wurden Silas Stein

Als Tatmotiv werden laut Staatsanwaltschaft Schulden und die damit verbundene Zwangsvollstreckung des Wohnhauses in Mörlenbach angenommen.

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