Post testet Nahversorgung auf dem Land Briefmarken, Lebensmittel, Bargeld - Landpost in Buchen

Mit einer Art Tante-Emma-Laden auf Rädern will die Post die Menschen auf dem Land versorgen. Das Konzept nennt sich "Meine Landpost" und wird unter anderem gerade im Neckar-Odenwald-Kreis getestet.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

In manchen Gemeinden auf dem Land können die Menschen kaum noch Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs kaufen - diese Nische hat nun die Deutsche Post für sich entdeckt. Dafür startet sie einen Versuch unter dem Motto "Meine Landpost", den sie am Freitag in Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis) und im fränkischen Oberkotzau vorgestellt hat.

Landpost in Buchen (Foto: SWR, Panagiotis Fotiadis)
Probelauf für Tante-Emma-Laden auf Rädern: Landpost in Buchen Panagiotis Fotiadis

Dabei soll ein Mitarbeiter mit einem Elektro-Fahrzeug den Kunden nicht nur Briefmarken verkaufen oder Bargeld auszahlen, sondern auch Lebensmittel und andere Dinge an die Haustür bringen.

Landpost in Buchen (Foto: picture-alliance / dpa, Marijan Murat)
"Meine Landpost" - Allroundservice der Post im Testbetrieb in Buchen Marijan Murat

Das Unternehmen will in den beiden kleinen Gemeinden in Baden-Württemberg und Bayern ausloten, ob ein solcher Service genügend Nutzer findet und sich rechnet.

"Wir wollen schauen, wie die Nachfrage ist und ob sich daraus ein Geschäftsmodell entwickeln lässt."

Postsprecher Gerold Beck

Mit ihrer flächendeckenden Logistik und ihren Fahrzeugen sieht sich die Post dafür gut gerüstet. Die Zusteller verkaufen schon bisher in ländlichen Regionen an der Haustür Briefmarken und nehmen Sendungen an. Buchen und Oberkotzau sind die Modell-Gemeinden für den Testlauf bis Ende November.

In einigen Stadtteilen gibt es keine Läden mehr

Buchen ist mit 14 Teilorten auf 139 Quadratkilometern Fläche den Angaben zufolge geeignet für den Versuch. Fachbereichsleiter im Buchener Rathaus, Günter Ellwanger, sagt: "In der Kernstadt lässt sich noch alles besorgen, in zwei größeren Stadtteilen ist die Versorgung schon reduziert, aber in den anderen Stadtteilen gibt es gar keine Läden mehr." Insgesamt zählt die Kommune 18.000 Einwohner, im kleinsten Ortsteil gerade einmal 85. In solchen Mini-Einheiten findet die Post keine Kooperationspartner mehr für Filialen.

Landpost in Buchen (Foto: SWR, Panagiotis Fotiadis)
Briefmarken, Bargeld, und auch mal frische Äpfel im Landpost-Angebot. Panagiotis Fotiadis

Kioske, Scheibenwarenläden oder auch Lebensmittelmärkte, die als weiteres Standbein Postdienstleistungen anbieten könnten, gibt es kaum mehr. In Gemeinden und Ortsteilen mit mehr als 2.000 Einwohnern muss die Post aber eine Filiale betreiben. Postsprecher Beck: "Das bleibt so wie es ist - da wird es keine Einschränkung geben."

Auch wenn die "Landpost" bei den Buchenern gut ankäme, bestehe keine Gefahr für die Post in der Kernstadt und die zwei Postfilialen in Läden.

Verknüpfung mit Online-Supermarkt

Die Post verknüpft ihren mobilen Dienst mit einem Internet-Angebot, dem posteigenen Online-Supermarkt "AllyouneedFresh". Von diesem werden die Service-Fahrzeuge beliefert. Als Warenlager mit Tiefkühlmöglichkeit werden bereits existierende Zustellstützpunkte jeweils nahe den beiden Gemeinden genutzt. Ältere Kunden, die mit der Plattform nicht zurechtkommen, können über den Service-Mitarbeiter Artikel bestellen, die er nicht immer dabei hat. Die Preise liegen laut Post auf dem üblichen Niveau.

Wie sieht das Projekt konkret aus?

Es ist mehr als ein Tante-Emma-Laden auf Rändern, sondern laut Post mit moderner Technik verknüpft. Kunden könnten sich per Telefon, Messenger-Dienst oder über einen Buzzer melden, der den Service-Mitarbeiter mit einem Summton informiert, dass jemand Bedarf hat. Sie haben sechs Tage pro Woche die Wahl aus mehr als 100 Artikeln - von Hautcreme über Äpfel bis hin zum Erbseneintopf.

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