Tod von Patient der Psychiatrie Wiesloch Ermittlungen gegen Mitarbeiter und Polizisten

Nach dem Tod eines Patienten einer Psychiatrie in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen medizinische Mitarbeiter und Polizisten.

Gegen vier Pfleger und acht Polizeibeamte werde wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt, gegen die behandelnde Ärztin sogar wegen fahrlässiger Tötung, teilte die Staatsanwaltschaft Heidelberg mit.

PZN in Wiesloch (Foto: picture-alliance / dpa)
Psychiatrisches Zentrum Nordbaden (PZN) in Wiesloch

Der 41 Jahre alte Patient war der Anklagebehörde zufolge im Dezember vergangenen Jahres an einem sogenannten erregten Delirium gestorben, in das er sich hineingesteigert hatte. Laut Polizei hatte der Mann damals wohl mehrfach gegen eine Betonsäule im ummauerten Innenhof einer Station geschlagen und getreten. Anschließend randalierte er in einem angrenzenden Raucherraum. Dabei warf er Einrichtungsgegenstände gegen das Sicherheitsglas in Richtung der Pflegekräfte.

Als er damit begann, ein Fenster aus der Verankerung zu reißen, rief das Personal die Polizei, wie die Staatsanwaltschaft Heidelberg und das Polizeipräsidium Mannheim im Dezember mitteilten. Der Mann sei "im Zustand völliger Rage" gewesen, hieß es. Weil die Pflegekräfte den Mann nicht unter Kontrolle bringen konnten, fesselten sie ihn an Händen und Füßen, auch Pfefferspray kam zum Einsatz. Als er kollabierte, brachten Sanitäter ihn ins Krankenhaus, wo er kurze Zeit später starb.

Pfefferspray als mögliche Todesursache?

Der Mann war seit 2002 in stationärer Behandlung im PZN in Wiesloch. Die Staatsanwaltschaft teilte im Dezember 2017 auf SWR-Anfrage mit, es werde noch ermittelt, ob das Pfefferspray möglicherweise den Tod des Mannes verursacht hat. In den vergangenen Jahren hatten verschiedene Medien darüber berichtet, dass es möglicherweise eine tödliche Wechselwirkung zwischen der Einnahme von Psychopharmaka und Pfefferspray geben könnte.

Entscheidung über mögliche Anklage im Mai

Aktuell gehen die Ermittlungen allerdings auch in eine andere Richtung. Nach SWR-Informationen werde ermittelt, ob am Tod des Mannes auch falsche Medikamente schuld sein könnten. "Klar ist: Bei einem gesunden Menschen hätten die Maßnahmen nicht zum Tod geführt", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Tim Haaf. Ziel der Ermittlungen sei es, herauszufinden, ob den Verdächtigen strafrechtlich relevantes Verhalten vorgeworfen werden könne. Die Entscheidung über mögliche Anklagen sei noch im Mai zu erwarten.

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