Mordprozess gegen Arzt-Ehepaar Gutachter belastet Vater im Mörlenbacher Kindermordprozess

Im Prozess gegen ein Ehepaar, das seine beiden Kinder ermordet haben soll, hat am Mittwoch ein psychiatrischer Sachverständiger ausgesagt. Er schilderte beklemmende Details.

Der angeklagte Vater vor Gericht (Foto: SWR, Johannes Zinßmeister)
Der angeklagte Vater vor Gericht (Archivbild) Johannes Zinßmeister

Der Gutachter sprach am Landgericht in Darmntadt zunächst über den angeklagten Vater der beiden getöteten Kinder. Er beschrieb den Mann als überdurchschnittlich fleißig, aber auch jähzornig, rechthaberisch, narzistisch und materialistisch eingestellt.

Handlungsfähigkeit nicht durch Medikamente eingeschränkt

Der Psychiater gab an, er halte es für unwahrscheinlich, dass der Angeklagte kurz vor der Tat so viele Medikamente genommen habe, dass er davon Erinnerungslücken hatte. Dann hätte auch die Handlungsfähigkeit des Mannes eingeschränkt sein müssen. Eine Amnesie sei "einfach nicht plausibel", so der Experte. Ähnlich hatte sich zuvor ein Toxikologe geäußert.

Die Kinder waren unter anderem mit einem Messer getötet worden. Diese Stiche seien zielgerichtet gesetzt worden, sagte der Psychiater. Der Angeklagte habe als Arzt "gewusst, was er tat".

Keine krankhafte seelische Störung

Auch eine "krankhafte seelische Störung" des Angeklagten während der Tat, die Einfluss auf die Schuldfähigkeit haben könnte, lag nach Erkenntnis des Psychiaters nicht vor. Eher seien Zorn, Verbitterung und Hass Auslöser der Tat gewesen. Er habe alles kaputt machen wollen. An der Insolvenz und der finanziellen Misere der Familie seien aus Sicht des Angeklagten andere Schuld gewesen.

Mitangeklagte Ehefrau "wenig emotional"

Die mitangeklagte Ehefrau beschrieb der Gutachter ebenso als zielstrebig. Sie sei zwar nicht so rechthaberisch und arrogant gewesen wie ihr Ehemann, habe sich aber mit ihm solidarisiert, als es um den Kampf gegen die Insolvenz des Paares ging. Im Gespräch mit beiden Angeklagten sei es zunächst immer um die finanziellen Probleme gegangen, der Tod der Kinder sei erst später thematisiert worden. Für den Psychiater sei auffällig gewesen, "wie wenig emotionale Reaktionen" die Frau auf den Verlust ihrer Kinder gezeigt habe.

Haus in Mörlenbach im Kreis Bergstraße mit Rußspuren an der Fassade (Foto: SWR, Silas Stein)
Ruß-Spuren am Haus in Mörlenbach, in dem die zwei toten Kinder geborgen wurden Silas Stein

Haus in Mörlenbach wurde zwangsversteigert

Das Haus der Familie war zwangsversteigert worden und sollte am Tattag den neuen Eigentümern übergeben werden. Das Ehepaar war in der Garage des Hauses in Mörlenbach bei laufendem Motor eines Autos gefunden worden, wo es sich umbringen wollte. Die Kinder hatten Einsatzkräfte tot im Haus entdeckt, die Zimmer waren in Brand gesteckt worden.

Rechtsmedizinerin schildert grausame Details

Am Prozesstag davor hatte eine Rechtsmedizinerin berichtet, wie genau die Kinder des Paares getötet worden waren. Details waren mitunter kaum zu ertragen. Auch die Psychologin des Gefängnisses, in dem die angeklagte Frau in Untersuchungshaft sitzt, hatte ihre Eindrücke geschildert. Demnach war die Angeklagte anfangs derart selbstmordgefährdet, dass sie in einem besonders gesicherten Haftraum untergebracht werden musste. Bis heute werde sie besonders überwacht; für die Frau gelten laut Psychologin strenge Auflagen. Erst vor kurzem seien sie etwas gelockert worden. Inzwischen dürfe die Angeklagte etwa an Hofgängen teilnehmen.

Blumen und Kerzen vor Haus in Mörlenbach im Kreis Bergstraße  (Foto: SWR, Silas Stein)
Kurz nach dem mutmaßlichen Familiendrama lagen Blumen und Kerzen vor dem Haus, in dem die Leichen der beiden Kinder geborgen wurden. Silas Stein

Vater nimmt Schuld auf sich

Zu Beginn des Prozesstages am Dienstag hatte sich der Angeklagte überraschend nochmals zu Wort gemeldet. Er ging dabei auch auf eine Aussage ein, die er kurz nach der Tat gegenüber der Polizei getätigt hatte. Warum er darin seine Frau "falsch beschuldigt" habe, an der Tötung der Kinder beteiligt gewesen zu sein, wisse er nicht. Auch habe die Familie nicht gemeinsam beschlossen, aus dem Leben zu scheiden. An diese Aussagen könne er sich nicht mehr erinnern, lies der Angeklagte von seinem Verteidiger vorlesen. Er sei treibende Kraft gewesen, verachte sich für die Tat und vermisse seine Kinder jeden Tag.

STAND