Blick in den Saal des Landgerichts Darmstadt am Montag, 17. Juni (Foto: SWR, Jordans)

Prozess um getötete Kinder Verteidiger will lebenslange Haft für Arzt aus Mörlenbach verhindern

Der Verteidiger des Mannes aus Mörlenbach, der seine beiden Kinder getötet hat, will seinen Mandaten vor einer lebenslangen Haftstrafe bewahren. Das sagte er am Montag in seinem Plädoyer.


Der 59 Jahre alte Arzt hatte zu Prozessbeginn eingeräumt, seine beiden Kinder umgebracht zu haben. Der Verteidiger meinte am Montag, sein Mandant sei aber zum Tatzeitpunkt in seiner Einsichtsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen. Der Angeklagte sei deswegen vermindert schuldfähig. Der Angeklagte habe selbst schwer zu tragen an der Tat, die er begangen habe.


Mit Hammer und Messer


Der 59 Jahre alte Arzt hatte gestanden, seine Kinder mit einem Hammer und einem Messer getötet zu haben. Das Ärzteehepaar war insolvent, das Wohnhaus der Familie zwangsversteigert worden. Am letzten Tag im August vergangenen Jahres hatten die neuen Eigentümer das Haus übernehmen sollen, in der Nacht zuvor mussten die beiden 10 und 13 Jahre alten Kinder sterben. Das Elternpaar war bei laufendem Motor in der Garage des Hauses gefunden worden, es hatte sich nach eigenen Angaben mit Autoabgasen das Leben nehmen wollen.


Schwierige Lebenssituation


Der Verteidiger betonte indes die schwierige Lebenssituation der Familie.  Die Insolvenz habe das "Leben der Familie auf den Kopf gestellt". Sein Mandant habe erst allein sterben wollen, es habe keinen Plan gegeben, die Kinder mitzunehmen.

Blick in den Saal des Landgerichts Darmstadt am Montag, 17. Juni (Foto: SWR)
Der Prozess neigt sich dem Ende entgegen.


Letzte Worte zur Insolvenz, dann zur Tat

 
In seinen abschließenden Worten sprach der Angeklagte - wie fast immer, wenn er sich im Laufe der Verhandlung äußerte - zunächst über die Insolvenz, die ihm zu schaffen gemacht habe. Erst am Schluss richtet er sich erstmals in dem ganzen Prozess an seine mitangeklagte Ehefrau, die ihn keines Blickes würdigt: "Ich möchte mich bei meiner Frau, der Mutter meiner Kinder, entschuldigen." Er habe bereits die höchste Strafe für seine Tat erhalten, "unsere Kinder Anton und Emilia sind nicht mehr auf dieser Welt, ich kann sie nicht mehr in den Arm nehmen", so der Arzt mit fester Stimme. "Ich vermisse euch, Anton und Emilia."


Gnadenlose Abrechnung mit Ehemann


Im Saal ist es still, als die angeklagte Mutter die Möglichkeit erhält, auch etwas zu sagen. Die Frau, die am Prozesstag am Montag ihren 47. Geburtstag begeht, nutzt ihre letzten Worte für eine gnadenlose Abrechnung mit ihrem Mann. Sie fühle sich "hintergangen und benutzt", sagt die Angeklagte, für die es um Freispruch oder viele Jahre Haft geht. Ihr Mann habe ihr "blindes Vertrauen" und ihre Gutgläubigkeit im Kampf gegen die Insolvenz ausgenutzt, indem er ihr nicht die Wahrheit gesagt habe. Sie habe inzwischen das Gefühl, ihren Partner gar nicht richtig gekannt zu haben.
 "Für uns drei hätte es ein Leben gegeben, auch ohne das Haus", schließt die Angeklagte.


Urteil am Mittwoch


Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft für beide Elternteile wegen Mordes gefordert sowie die Feststellung der besonderen schwere der Schuld. Damit könnten die Eheleute nicht nach frühestens 15 Jahren einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung stellen. Die Verteidigung der Mutter hatte auf Freispruch plädiert. Die Frau habe mit der Tat nichts zu tun gehabt. Das Urteil soll am Mittwoch um 13 Uhr gesprochen werden.

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